{"id":5414,"date":"2025-10-29T06:43:41","date_gmt":"2025-10-29T06:43:41","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=5414"},"modified":"2025-10-29T06:55:41","modified_gmt":"2025-10-29T06:55:41","slug":"cul-sec","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/cul-sec\/","title":{"rendered":"CUL SEC!"},"content":{"rendered":"<p><em>scheisszeitenwende 99<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ouf!<\/p>\n<p>Der H\u00e4ndler muss erstmal was trinken.<\/p>\n<p>\u201eVas-y! Cul sec!\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, Yves. Auf ex!\u201c Clara und Hans halten mit. Es ist sp\u00e4ter Vormittag. Zum Teufel damit!<\/p>\n<p>Der alte Mann erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>Yvresse<\/em> \u2013 das ist ein Wortspiel. Das franz\u00f6sische Wort f\u00fcr \u201eTrunkenheit\u201c sei \u201eivresse\u201c. Irgendwann habe er ja auf den Titel kommen m\u00fcssen. Prost auf ivresse.<\/p>\n<p>\u201eProst auf Yves\u201c, kontert Hans. \u201eUnd jetzt nochmal: Wie weit bist Du?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSoll ich Euch vorlesen?\u201c<\/p>\n<p>Die Besucher setzen sich aufrecht hin. Sie sind bereit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Yves stellt sich an den Tisch. W\u00e4hrend er liest, gestikuliert er st\u00e4ndig. Er windet und schl\u00e4ngelt sich, rudert weich mit den Armen, l\u00e4sst den Kopf rollen.<\/p>\n<p>Clara l\u00e4chelt und fl\u00fcstert:<\/p>\n<p>\u201eWie fr\u00fcher Joe Cocker.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">PROLOG \u2013 LOBLIED DES TRUNKS<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eIch konnte in diesem Caf\u00e9 sitzen und \u00fcber die Rue Mouffetard hinuntersehen, wo die Lebensmittelst\u00e4nde im Wind wankten, und ich trank meinen Kaffee oder Wein oder manchmal einen Calvados, und ich sah den Regen, und ich dachte: Hier bin ich GL\u00dcCKLICH.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Wir tranken Wein, weil es keinen Grund gab, es nicht zu tun. Und wenn man arm war, trank man weniger, aber man trank besser. Ich liebte das Leben und das Trinken und das Schreiben, und alles geh\u00f6rte zusammen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Ich war BETRUNKEN VON DER STADT selbst \u2013 von ihren Ger\u00fcchen, ihrem Licht, ihrem Schmutz, ihrer Sch\u00f6nheit. Paris war wie ein M\u00e4dchen, das du nie ganz besitzen kannst.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ernest Hemingway<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eDer Champagner floss in Str\u00f6men, die Nacht war voller Musik, und NIEMAND FRAGTE, WOHIN DAS F\u00dcHREN W\u00dcRDE. Dick trank, um die Stimmen zu \u00fcbert\u00f6nen, die ihm sagten, dass etwas zu Ende ging.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Sie lebten in einer Welt, in der der Morgen immer ein Versprechen und der Abend immer eine Entschuldigung war.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Scott Fitzgerald<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eIch war betrunken von Paris. Von den Frauen, den Gassen, dem Gestank, der MUSIK DER TRUNKENBOLDE. Der Wein machte mich zu einem Gott, die Armut zu einem Tier, und die Nacht zu einem Dichter.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Wir lebten von Wein, Brot und Rausch. Und das gen\u00fcgte.<\/em>\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Henry Miller<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eIch habe mich oft betrunken von der Nacht. Opium, Alkohol \u2013 sie sind nur Werkzeuge. Der WAHRE RAUSCH ist das Bild, das man jagt, wenn die Welt zu eng wird.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Ich habe das Laster geliebt, weil es mich an die Grenze brachte, an jene Schwelle, wo KUNST UND TOD sich begegnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Jean Cocteau<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eWir tranken, weil die N\u00e4chte sonst zu lang gewesen w\u00e4ren. Im \u201aJockey\u2018 oder in der \u201aRotonde\u2018 verga\u00dfen wir die Stunden, lachten, sangen und taten, als g\u00e4be es keinen Morgen. Und doch: jeder Morgen kam, mit einem schmerzenden Kopf und einem neuen Abenteuer.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eIch war nie sch\u00f6n, aber ICH WAR FREI. Und das war in Paris genug.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kiki de Montparnasse<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eIch trinke, um das, was ich sehe, zu vergessen \u2013 und um besser zu sehen, was ich nicht sehe.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Amedeo Modigliani<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>scheisszeitenwende 99 &nbsp; Ouf! Der H\u00e4ndler muss erstmal was trinken. \u201eVas-y! Cul sec!\u201c \u201eJa, Yves. Auf ex!\u201c Clara und Hans halten mit. Es ist sp\u00e4ter Vormittag. Zum Teufel damit! Der alte Mann erkl\u00e4rt: Yvresse \u2013 das ist ein Wortspiel. 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