{"id":5408,"date":"2025-10-24T11:10:24","date_gmt":"2025-10-24T11:10:24","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=5408"},"modified":"2025-10-24T11:10:24","modified_gmt":"2025-10-24T11:10:24","slug":"kirchner-und-so","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/kirchner-und-so\/","title":{"rendered":"KIRCHNER UND SO"},"content":{"rendered":"<p><em>scheisszeitenwende 97<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung zur Verkostung des Weins gibt Yves beim Einschenken noch im halben Z\u00fcrcherdeutsch. Er nimmt sich Zeit daf\u00fcr.<\/p>\n<p>\u201eDe <em>Pinot Noir<\/em> isch e richtig fein, chli h\u00e4rterer Rotwii, aber n\u00f6d zu kr\u00e4ftig. De passt perfekt, wenn du am hella Dag mal e Glas Rotwii mit Fr\u00fcnde oder beim Ap\u00e9ro trinksch. Er het de Aromen vo roten Beeri wie Himbeer, Erdbeer und Kirsche, isch aber trotzdem n\u00f6d zu s\u00fc\u00df. Es isch e sehr elegante, frische Variante vo Rotwii, wo sich guet f\u00fcr so&#8217;n entspannte Moment eigne tuet, wo mer sich no n\u00f6d komplett in die Nacht st\u00fcrze will. Zum Beispiel zum Zmittag, wenn du en leichten Salat oder es St\u00fcck Fisch mit Tomaten und Kr\u00e4utern hesch, k\u00f6nnt de Pinot perfekt mit dervo harmonieren. Isch wie e w\u00e4chsiger Begleiter f\u00fcr die w\u00e4rmeri Stund\u2018, wo mer immer no e bitz Energie bruucht, aber n\u00f6d ganz im Edel-Rotwii-Modus drin isch\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir haben\u2019s verstanden, Yves. Zum Wohlsein.\u201c<\/p>\n<p>Sie sto\u00dfen an<\/p>\n<p>\u201eWie lange haben wir uns nicht gesehen\u201c, sagt Hans, eher f\u00fcr sich. \u201eMein letztes Mal in Z\u00fcrich war ich vor Corona. Wann war jetzt Corona genau?\u201c<\/p>\n<p>Yves nimmt einen langen Schluck. Seufzer der Erleichterung.<\/p>\n<p>Dann strafft sich der alte Mann, bekommt ein strenges Gesicht und doziert (man kann es nicht anders nennen \u2013 wenn Yves zeigt, dass sein Hirn Hunderttausende wichtige und unwichtige Wissensst\u00e4nde gespeichert hat, dann ger\u00e4t er ins Schulmeistern, dann ist er wie eine Naturgewalt der Erkenntnis):<\/p>\n<p>\u201eIn der Schweiz wurde COVID-19 am 25. Februar 2020 registriert. Infiziert hatte sich ein 70-j\u00e4hriger Mann aus dem Kanton Tessin, nahe der italienischen Grenze. Er hatte zuvor an einer Veranstaltung in Norditalien teilgenommen, dort tobte das Virus bereits. Nach seiner R\u00fcckkehr in die Schweiz entwickelte der alte Mann Symptome (Fieber. Husten, meist trocken. Atembeschwerden oder Kurzatmigkeit. M\u00fcdigkeit und Ersch\u00f6pfung. Kopfschmerzen. Gliederschmerzen. Halsschmerzen. Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. Durchfall, \u00dcbelkeit.)\u2026<\/p>\n<p>\u2026und wurde positiv auf SARS-CoV-2 getestet.<\/p>\n<p>Die Symptome waren mild, der Patient wurde zu Hause isoliert behandelt. Er hat es \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>In den Tagen und Wochen nach diesem ersten Fall stiegen die Kranken-Zahlen rasch an, insbesondere in der italienischsprachigen Schweiz, und f\u00fchrten im M\u00e4rz 2020 zu den ersten landesweiten Schutzmassnahmen und Einschr\u00e4nkungen\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut, Yves, gut. Was habe ich Dir gesagt, Clara? Der Mann ist\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, das ist er. Also habt Ihr Euch vor 2020 zum letzten Mal gesehen. Du hast erz\u00e4hlt, bei Deinem letzten Besuch in Z\u00fcrich war es sehr hei\u00df, dann\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eSuper, Miss Marple. Dann war das im Sommer \u201919.\u201c<\/p>\n<p>Yves erinnert sich. Es war ein wirklich hei\u00dfer Tag. Er hatte Wei\u00dfwein und h\u00f6rte Mendelssohns \u201eItalienische\u201c. Verkauft hatte er seit Tagen nichts \u2013 die Menschen waren zu ersch\u00f6pft f\u00fcr seinen Laden. Ihm sollte es recht sein. Gegen drei stand auf einmal der \u201eManager\u201c im Gesch\u00e4ft und war bester Laune. Er hatte sein Unternehmen verkauft und wollte jetzt ein Bild. Yves hatte hinter seinem Schreibtisch noch einen Kirchner (Szene aus den Davoser Bergen), den er eigentlich nicht hergeben hatte wollen. Sie verhandelten drei Flaschen Wein lang \u2013 abends zog Hans mit dem Kirchner ab. Und Yves machte seinen Laden f\u00fcr einen hei\u00dfen Sommermonat zu.<\/p>\n<p>Gutes Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eUnd?\u201c<\/p>\n<p><em>Was?,<\/em> fragt Hans.<\/p>\n<p>\u201eWas machen wir heut\u2018? Brauchst ein Bild?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHast eins?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber wie!<\/p>\n<p>Wart\u2018. Ich hol\u2019s.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>scheisszeitenwende 97 &nbsp; Die Erkl\u00e4rung zur Verkostung des Weins gibt Yves beim Einschenken noch im halben Z\u00fcrcherdeutsch. Er nimmt sich Zeit daf\u00fcr. \u201eDe Pinot Noir isch e richtig fein, chli h\u00e4rterer Rotwii, aber n\u00f6d zu kr\u00e4ftig. De passt perfekt, wenn du am hella Dag mal e Glas Rotwii mit Fr\u00fcnde oder beim Ap\u00e9ro trinksch. 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