{"id":5373,"date":"2025-10-10T10:13:09","date_gmt":"2025-10-10T10:13:09","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=5373"},"modified":"2025-10-10T10:13:09","modified_gmt":"2025-10-10T10:13:09","slug":"as-time-goes-by","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/as-time-goes-by\/","title":{"rendered":"AS TIME GOES BY"},"content":{"rendered":"<p><em>scheisszeitenwende 87<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Kellner der Brasserie sieht den Beiden nach. Im Augenblick ist nichts los, keine neuen G\u00e4ste, alle Menschen an seinen Tischen sind versorgt \u2013 so hat der Kellner Zeit, seinen Gedanken nachzuh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6nes Bild, die Zwei.<\/p>\n<p>Sie sieht verteufelt gut aus. Wie eine Frau, mit der man guten Sex hat.<\/p>\n<p>Der Mann?<\/p>\n<p>Fr\u00fcher trug er immer Anzug. Fr\u00fcher sah man ihm den Erfolg an.<\/p>\n<p>Er wirkte in der Brasserie fremd. Hier trinken die Menschen ein Bier, die zu fr\u00fch zum Bahnhof gekommen sind.<\/p>\n<p>Und dann sind da die Anderen, die auf keinen Zug warten. Sie haben viel Zeit f\u00fcr viel Alkohol. Geduldig trinken sie ihre Verzweiflung nieder.<\/p>\n<p>Und dann sind da diese Frauen und M\u00e4nner, die nicht in die \u201eBrasserie\u201c passen. Wie der Mann, der \u2013 mit seinem Rucksack auf den Schultern und der Tasche der sexy Frau in der Rechten \u2013 die Halle verl\u00e4sst. Er geht noch stark und aufrecht \u2013 aber er hat keinen Anzug an, stattdessen Jeans und ein Sportsakko. Sein Gesicht ist alt geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Wie lang ist das her? Als er zum letzten Mal hier war mit seinem Anzug? Viel gelacht hat er damals. Und immer soviel Trinkgeld gegeben, dass man sich gern erinnert hat. Aber nie soviel, dass ich dachte: Was f\u00fcr ein Aufschneider!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>War ich da schon verheiratet? Nein, ich bin ganz sicher:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Damals war ich noch solo.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Ist also lang vor Corona gewesen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Sakrament, ich bin schon so lang hier? Ich werde alt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Das ist Ewigkeiten her mit dem Heiraten. Damals habe ich es f\u00fcr die beste Idee \u00fcberhaupt gehalten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Ich Depp.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Jetzt: zwei Schrazen. Die Frau ist aus den Fugen, die wird sich auch nicht mehr berappeln. Nach der Frau dreht sich keiner mehr um. Und b\u00f6s\u2018 ist sie auch geworden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Was f\u00fcr ein Unterschied. Die Dame von eben willst Du Dir am liebsten in Strapsen und Spitzen vorstellen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Der Typ ist ein Gl\u00fcckspilz.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Lebt immer noch mit seinem traurigen Gesicht und zieht jetzt die Bahnhofstra\u00dfe hoch zu einem von den guten Hotels.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Naja, ich g\u00f6nn\u2018 ihm den Spa\u00df.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Und sein Trinkgeld ist auch wieder gut gewesen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Also: Gl\u00fcckauf, Kollege!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHerr Ober, kann ich bestellen, bittesch\u00f6n?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSofort, der Herr. Was darf\u2019s sein\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>scheisszeitenwende 87 &nbsp; Der Kellner der Brasserie sieht den Beiden nach. 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