{"id":5371,"date":"2025-10-09T06:27:13","date_gmt":"2025-10-09T06:27:13","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=5371"},"modified":"2025-10-09T06:27:13","modified_gmt":"2025-10-09T06:27:13","slug":"arrival","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/arrival\/","title":{"rendered":"ARRIVAL"},"content":{"rendered":"<p><em>scheisszeitenwende 86<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lachend und nach Luft schnappend stehen sie auf dem Bahnsteig 13 im Untergeschoss. Haben sie doch fast das Aussteigen versemmelt!<\/p>\n<p>Der Z\u00fcrichsee wellte sich vor dem Fenster des Speisewagens, sie redeten und redeten. Clara und Hans kannten sich, bevor der Zug in die Z\u00fcricher Stadttunnels einfuhr. Sie hasteten zur\u00fcck zu ihren Pl\u00e4tzen, stolperten mit ihrem kleinen Gep\u00e4ck aufs Perron.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hinter ihnen schlie\u00dfen sich zischend die T\u00fcren, die meisten Menschen gleiten schon auf den Rolltreppen nach oben in die Stadt.<\/p>\n<p>\u201eUnd? Was machen Sie jetzt?\u201c<\/p>\n<p>Sie wei\u00df es nicht.<\/p>\n<p>\u201eIch habe keinen Plan. Vielleicht sollte ich mir ein Hotel suchen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSie haben auch keins?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Doof, gell?\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u00dcberhaupt nicht.\u201c<\/p>\n<p>Kleines Schweigen. Er redet weiter.<\/p>\n<p>\u201eDarf ich einen Vorschlag machen? Nein, eigentlich sind es zwei Vorschl\u00e4ge. Und Sie d\u00fcrfen nicht b\u00f6s sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVersprochen. Machen Sie Ihre Vorschl\u00e4ge.\u201c<\/p>\n<p>Sie lacht wie ein junges M\u00e4dchen. Braune Augen hat sie. Dunkle Haare. Marilyn Monroe war f\u00fcnf Fu\u00df und sechs Zoll gro\u00df, das sind einsachtundachtundsechzig, Klara ist so gro\u00df wie Marilyn. Aber sie ist wetterfest und stramm und nachdenklich-heiter und braucht f\u00fcrs Erotische keine signalroten Lippen. Hans ist hingerissen, er hat das Getriebe des Bahnhofs um sich herum vergessen, sein Schwips saust angenehm, er ist so mutig wie seit Gedenken nicht.<\/p>\n<p>\u201eErster Vorschlag: Wir sagen Du.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSch\u00f6n, das machen wir, ich bin die Klara.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch hei\u00dfe Hans.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd der zweite?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie bitte?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa, der zweite Vorschlag.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAchso. Ja. Wenn wir auf das Du ansto\u00dfen, suchen wir uns ein Hotel.\u201c<\/p>\n<p>Ins Jungm\u00e4dchen-Lachen funkt ein frivoles Blitzen.<\/p>\n<p>\u201eAchja?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, ich meine nur,\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa. So machen wir das.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDarf ich Deine Tasche nehmen?\u201c<\/p>\n<p>Er darf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie finden einen ruhigen Tisch vor der Brasserie du Sud. Gutes frisches Bier, ein akzeptabler Roter. Der Kellner erkennt Hans.<\/p>\n<p>\u201eWieder im Land?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa. Sch\u00f6n, dass es Sie noch gibt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, ist mir eine Ehre. Ich bring\u2018 Euch was zum Knabbern.\u201c<\/p>\n<p>Na, sagt sie \u2013 leisen wohlmeinenden Spott in der Stimme \u2013 das ist ja wohl nicht das erste Mal, dass Hans hierher kommt.<\/p>\n<p>\u201eNein. Das hier ist mein Platz in Z\u00fcrich. Ich stell\u2018 mir hier immer vor, es geht los. Nach Mailand, nach Marseille, nach Genf oder Paris. In die Berge oder ans Meer. Seit ich mich erinnern kann, komme ich hierher, wenn ich in Z\u00fcrich bin.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, es ist ein sch\u00f6ner Platz f\u00fcr Fluchten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGenau.\u201c<\/p>\n<p>Er telefoniert mit einem Gaston. Nach zwei Minuten ist alles besprochen. Ruhiges gro\u00dfes Zimmer im \u201eStorchen\u201c mit Blick auf die Altstadtd\u00e4cher. F\u00fcr den Abend bestellt Hans zwei Karten f\u00fcr die Tonhalle.<\/p>\n<p>Er legt das Handy zur Seite.<\/p>\n<p>\u201eIch hoffe, Du magst klassische Musik. Habe Dich gar nicht gefragt. Wenn es Dir nicht passt, dann gehen wir nicht hin.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, ich finde es bezaubernd. Aber\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df: Wir haben nichts anzuziehen. Wir bringen jetzt unser Glump ins Hotel, dann kaufen wir ein und machen uns frisch.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa, sag\u2018 mal!\u201c<\/p>\n<p>Sie lacht.<\/p>\n<p>\u201eDu bist ein seltsamer Mann. Aber ja \u2013 so machen wir es.\u201c<\/p>\n<p>Sann will sie wissen, was es in der Tonhalle gibt.<\/p>\n<p>\u201eRussischer Abend. Ist das okay?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist sexy.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>scheisszeitenwende 86 &nbsp; Lachend und nach Luft schnappend stehen sie auf dem Bahnsteig 13 im Untergeschoss. Haben sie doch fast das Aussteigen versemmelt! Der Z\u00fcrichsee wellte sich vor dem Fenster des Speisewagens, sie redeten und redeten. Clara und Hans kannten sich, bevor der Zug in die Z\u00fcricher Stadttunnels einfuhr. Sie hasteten zur\u00fcck zu ihren Pl\u00e4tzen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":4933,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[932],"tags":[],"class_list":["post-5371","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-scheiss-zeitenwende","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5371","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5371"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5371\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5372,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5371\/revisions\/5372"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4933"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5371"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5371"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5371"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}