{"id":5247,"date":"2025-03-31T07:22:00","date_gmt":"2025-03-31T07:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=5247"},"modified":"2025-03-31T07:22:00","modified_gmt":"2025-03-31T07:22:00","slug":"abgedreht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/abgedreht\/","title":{"rendered":"ABGEDREHT"},"content":{"rendered":"<p><em>scheisszeitenwende 50<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Baden gehen<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Der Zank zwischen Marianne, der Regisseurin, und dem Schauspieler Alexej nimmt seinen Lauf. Hoffen wir, dass sie nicht gleich das Kaffeehaus aufmischen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>ALEXEJ\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><em>(zu den Nachbarn)<\/em> Sehen Sie Marianne ihre Emotionalit\u00e4t nach. Ich bringe nun die gebotene Objektivit\u00e4t ins Narrativ.<\/p>\n<p>Ich betrete das Haus \u2013 respektive die gemietete Doppelhaush\u00e4lfte -, ich bin m\u00fcde vom Dreh, ausgelaugt, unterk\u00fchlt und freue mich auf warme Worte und einen hei\u00dfen Tee mit Rum. Aber was passiert. Madame Marianne baut sich vor mir auf, sie stemmt, wie man so sch\u00f6n sagt, die H\u00e4nde in die H\u00fcften und legt los:<\/p>\n<p>Warum das so lang gedauert habe. Ob ich mir nicht vorstellen k\u00f6nne, dass sie sich Sorgen gemacht hat? Was zum Teufel heute denn so Wichtiges gedreht worden sei? Ich sei doch bestimmt wieder mit den Kollegen beim Saufen gewesen \u2013 und jetzt komme ich mit der alten Leier daher.<\/p>\n<p>Immer lauter wird sie.<\/p>\n<p><em>Alexejs Stimme wechselt in den Diskant einer keifenden Alten.<\/em><\/p>\n<p>\u201eDas ist immer das Gleiche. Man wartet auf Monsieur, und Monsieur hat nicht mal den Anstand, anzurufen, wenn es sp\u00e4ter wird. Als ob wir kein Handy h\u00e4tten.\u201c \u2013 \u201eOb hier das Essen auf dem Herd steht oder die Alte eine Krise bekommt, weil sie Angst hat, dem Monsieur k\u00f6nnte bei dem Wetter was passieren \u2013 das ist Monsieur egal.\u201c \u2013 \u201eWei\u00dft Du, was ich glaube? Wei\u00dfte,wasichglaube, wei\u00dfte,wasichglaube? Du bist \u00fcberhaupt nicht mit den Kollegen beim Saufen gewesen. Dann w\u00fcrde ich das riechen. Du stinkst aber nach einem Weib. Du hast was mit dieser Yvonne. Gib\u2019s zu, gib es wenigstens zu.\u201c<\/p>\n<p>So kann\u00a0 das ewig weiter gehen. Da hat einer wie ich keine Chance. Wenn Madame so drauf ist, ger\u00e4t jeder in die Maschine. Da bist Du wie Charly Chaplin in \u201eModern Times\u201c, Du wirst durch die Mangel gedreht.<\/p>\n<p>Yvonne! Yvonne! Yvonne! \u201eGib es zu! Gib es zu! Gib es zu!\u201c<\/p>\n<p>Marianne ist eine S\u00fc\u00dfe, sie kann die Beste von allen sein.<\/p>\n<p>Aber manchmal wird zur Meg\u00e4re. Sie verstehen. Sie wird Alekto, Tisiphone. Eine Furie, eine Erynnie, eine Eumenide, eine ganz \u00fcble Norne\u2026<\/p>\n<p><strong>MARIANNE <\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Ist ja gut, Alexej. Du hast eine Bildung, wir haben Schnappatmung. Wir m\u00fcssen jetzt los. Den Rest erz\u00e4hlst Du ein andermal \u2013 oder gleich, wenn wir am See sind.<\/p>\n<p><strong>ALEXEJ<\/strong> (<em>ist ein wenig verwirrt)<\/em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Am See? Achso, ja. Hast Recht. Geh\u2019n wir.<\/p>\n<p>Z<em>um Nachbartisch hin:<\/em><\/p>\n<p>Und nix f\u00fcr ungut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>scheisszeitenwende 50 Baden gehen Der Zank zwischen Marianne, der Regisseurin, und dem Schauspieler Alexej nimmt seinen Lauf. Hoffen wir, dass sie nicht gleich das Kaffeehaus aufmischen. &nbsp; ALEXEJ\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (zu den Nachbarn) Sehen Sie Marianne ihre Emotionalit\u00e4t nach. Ich bringe nun die gebotene Objektivit\u00e4t ins Narrativ. 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