{"id":5201,"date":"2025-03-20T06:31:58","date_gmt":"2025-03-20T06:31:58","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=5201"},"modified":"2025-03-20T06:31:58","modified_gmt":"2025-03-20T06:31:58","slug":"katerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/katerchen\/","title":{"rendered":"KATERCHEN"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>scheisszeitenwende 38<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>30 Stunden vor dem Strategietreffen am See.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Im Kaffeehaus. Es ist ein Samstagvormittag im Norden der Stadt. Der junge Mann\u00a0 setzt sich zu seinen drei Freunden, die Kaffee trinken und fr\u00fchst\u00fccken. Leberk\u00e4ssemmeln. Spiegelei. Pizzaviertel. Sie sehen mitgenommen aus von der letzten Nacht und haben bislang kaum geredet.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Der junge Mann \u2013 glattrasierter Sch\u00e4del, dicke Oberarme, schwarzes T-Shirt, kurze schwarze Hosen, schwere Schn\u00fcrstiefel \u2013 kommt mit einer Flasche Augustiner in der Hand an den Tisch, l\u00e4sst sich in den Stuhl fallen, seufzt lange und gemartert. Dann beginnt er zu lachen und zu reden. Die Kumpels h\u00f6ren zu und finden komisch, was er erz\u00e4hlt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Der Glatzkopf sieht auf die Stra\u00dfe, er sch\u00fcttelt den Sch\u00e4del.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>GLATZE<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0 Kuck, sie werden immer mehr. Immer mehr Elektro-Autos. Hey, ich sag\u2018 Dir, Digger, bald ham wir keine normalen Autos mehr. Nur noch so \u2018n Elektro-Schrott. Haben die gesagt. Da kommt ein Gesetz oder so. 2030 kannste keine echte Karre mehr kaufen. Nur Elektro-Autos, kannste Dir das vorstellen, Digger?<\/p>\n<p>Voll zugesch\u00fcttet hab\u2018 ich mich gestern. Ihr auch, ich wei\u00df, war ja dabei. Aber Ihr seht beschissen aus mit Euerm Kaffee heut\u2018 \u2013 und mir geht es gut.<\/p>\n<p><strong>MIKE<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0 Wo sind die Anderen?<\/p>\n<p><strong>GLATZE<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Liegen noch am See und fangen das Stinken an. Hey, habt Ihr mitgekriegt, was der Carlo gestern abgezogen hat. Nicht? Ich sag\u2018s Euch.<\/p>\n<p>Der Typ hat ja nur kranken Schei\u00df im Kopf, wenn er s\u00e4uft. Also, gestern baggert er die Marokkanerin an \u2013 ja genau, die Alte mit den Falten, voll die Milf. Erz\u00e4hlt ihr, dass er einen tollen Job hat und viel rum kommt und so. Und dass er flie\u00dfend Spanisch spricht. Er, der Carlo!<\/p>\n<p>,Du kannst doch nicht mal Englisch, Digger\u2018, sage ich zu ihm. Er zieht eine Fresse und meint, ,Leck mich, was bist Du f\u00fcr ein Asi-Freund?\u2018, die Marokkanerin lacht und fragt, was ich denn f\u00fcr eine linke Bazille bin, dass ich dem Carlo so in den R\u00fccken falle. Und sie knutscht ihn ab, einfach so.<\/p>\n<p><strong>MIKE\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong>Echt? Voll ungerecht.<\/p>\n<p><strong>GLATZE<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sag\u2018 ich doch. Der Carlo verdr\u00fcckt sich in eine Ecke und googelt was mit dem Handy. Kommt zur\u00fcck, t\u00e4tschelt die Marokkanerin und sagt auf Spanisch, dass er Carlo hei\u00dft.<\/p>\n<p>\u201eWei\u00df ich, wei\u00df ich\u201c, hat sie gemeint. Zwei Minuten sp\u00e4ter waren sie weg. \u2018ne halbe Stunde drauf ist er wieder da und hat gegrinst.<\/p>\n<p>Egal.<\/p>\n<p>Ich habe mich angesoffen.<\/p>\n<p>Was soll ich sonst auch machen?<\/p>\n<p>Jetzt ist noch Sommer. Dann kommt der Herbst, dann haben wir alle keine Heizung. Strom f\u00fcr die Elektro-Autos \u2013 aber keine Heizung und nix zum Ficken. Wird ein harter Winter, Digger, das steht jetzt schon mal fest.<\/p>\n<p>Hoffentlich hat wenigstens der K\u00fchlschrank Saft \u2013 dann bleibt das Bier kalt.<\/p>\n<p>Das wird noch heftig, Digger. Derb wird das, ganz derbe.<\/p>\n<p>Egal.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Er hat ausgetrunken. Die Kumpels haben aufgegessen. Sie lassen alles stehen, abr\u00e4umen kann, wer will.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Die vier jungen M\u00e4nner gehen zu zwei Autos (Super, Auspuff angebohrt, Motoren aufgemotzt), sie lachen laut, quetschen sich in die Schalensitze. Es r\u00f6hrt \u00fcber den Parkplatz, weg sind die Kerle mit ihren Karren. Jetzt werden sie erst mal die Anderen am See wecken. Dann ist Party.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; scheisszeitenwende 38 30 Stunden vor dem Strategietreffen am See. Im Kaffeehaus. Es ist ein Samstagvormittag im Norden der Stadt. Der junge Mann\u00a0 setzt sich zu seinen drei Freunden, die Kaffee trinken und fr\u00fchst\u00fccken. Leberk\u00e4ssemmeln. Spiegelei. Pizzaviertel. Sie sehen mitgenommen aus von der letzten Nacht und haben bislang kaum geredet. 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