{"id":5183,"date":"2025-03-15T13:15:57","date_gmt":"2025-03-15T13:15:57","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=5183"},"modified":"2025-10-07T09:49:58","modified_gmt":"2025-10-07T09:49:58","slug":"no-entry","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/no-entry\/","title":{"rendered":"NO ENTRY"},"content":{"rendered":"<p><em>scheisszeitenwende 34<\/em><\/p>\n<p>Die Stiege ins Obergeschoss hat 17 Stufen. Durchgetreten sind sie, speckig, ungewaschen \u2013 sie knarzen nicht, sie \u00e4chzen. Aber sie werden noch halten, bis die ersten Menschen zum Mars reisen \u2013 dann ist das Haus ein halbes Jahrtausend alt.<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt der Familie vom Hans Krohn seit der Goethe-Zeit. Ein riesiger Einfirsthof in der Mitte von O. Hinten das riesige verwahrloste Brachland (teurer Baugrund) mit den rostigen Landmaschinen. Und dieser turnhallengro\u00dfe Hof. Lange leere St\u00e4lle, eine ger\u00e4umige Tenne voller Spinnweben und M\u00e4usedreck.<\/p>\n<p>Nach vorne die Wohnr\u00e4ume. Im Erdgeschoss die K\u00fcche, die Stube, zwei kleine Kammern. Im Obergeschoss vier Zimmer hinter wuchtigen Holzt\u00fcren. Fr\u00fcher, als Hans und seine Geschwister noch zur Schule gingen, war\u2019s da oben grausig kalt.<\/p>\n<p>Dann hat er nach dem Tod der Eltern das Haus \u00fcbernommen und mit seiner Frau modernisiert. Die Zimmer im ersten Stock haben sie f\u00fcr Fremde ausgebaut, damals reichte f\u00fcr die G\u00e4ste noch ein Bad am Ende des Flurs.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter haben sie nicht mehr vermietet. Die Kinder haben drei Zimmer gehabt, jedes eins f\u00fcr sich; der vierte Raum hat ein gro\u00dfes modernes Fenster zum Balkon hin bekommen und war ein Atelier f\u00fcr die Frau vom Hans, die da ihre Blumenbilder gemalt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Naja, dann ist Corona gewesen.<\/p>\n<p>Dann hat er nicht mehr B\u00fcrgermeister sein wollen.<\/p>\n<p>Dann hat seine Frau den Krebs bekommen und nicht mehr oben gemalt \u2013 daf\u00fcr ist sie unten im gemeinsamen Schlafzimmer St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck gestorben, das hat gedauert.<\/p>\n<p>Dann war es still im Haus, selbst der Hund ist eingegangen.<\/p>\n<p>Und eines Tages hat der Max das Glump aus den Kinderzimmern und die Maler-Sachen aus dem Atelier in den Container geschmissen.<\/p>\n<p>Hat sich im ersten Stock seine <em>Soko<\/em> <em>O.<\/em> eingerichtet. Ein Jahr hat es gedauert, bis alles betriebsbereit war. Die Nachbarn haben sich gewundert, dass die Boten immer neue kleine und gro\u00dfe Pakete ablieferten. Aus dem Hof vom Hans waren Bauger\u00e4usche zu h\u00f6ren. Es bohrte, die Schleifmaschinen kreischten, es h\u00e4mmerte. Das waren gro\u00dfe Vorg\u00e4nge, der Hans machte alles alleine, er konnte das \u2013 er ist zeitlebens mit den H\u00e4nden sehr geschickt gewesen. Nun tat sich Gro\u00dfes bei ihm im ersten Stock.<\/p>\n<p>Mehr wusste keiner.<\/p>\n<p>Und aushorchen lie\u00df sich der Mann, der das Reden eingestellt hatte, nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit einem Jahr baut er nichts mehr. Er verschwindet \u00fcber die \u00e4chzende Treppe in den ersten Stock und f\u00fchrt dort etwas im Schilde.<\/p>\n<p>Man sollte sich vielleicht in Acht nehmen.<\/p>\n<p>Oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>scheisszeitenwende 34 Die Stiege ins Obergeschoss hat 17 Stufen. Durchgetreten sind sie, speckig, ungewaschen \u2013 sie knarzen nicht, sie \u00e4chzen. 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