{"id":5089,"date":"2022-11-21T16:55:37","date_gmt":"2022-11-21T16:55:37","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=5089"},"modified":"2023-10-28T18:39:59","modified_gmt":"2023-10-28T18:39:59","slug":"artensterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/artensterben\/","title":{"rendered":"ARTENSTERBEN"},"content":{"rendered":"\r\n<p><strong>scheisszeitenwende 16,\u00a0<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ein Kotzbrocken ist dieser Stuart Shepard. \u201eStu\u201c trickst sich \u2013 daf\u00fcr hat er vor allem zwei Handys, mit L\u00fcgen und Liederlichkeiten durchs Leben. Aber um seine Frau Kelly zu betr\u00fcgen, muss er an der 53. Stra\u00dfe zwischen Broadway und Eighth auf einen Call aus der Telefonzelle warten. Pam wird anrufen, er wird S\u00fc\u00dfholz raspeln, sp\u00e4ter wird er Pam flachlegen. Und niemand kann ihm was nachweisen. Diese Telefonzellen sind ein Gl\u00fcck.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Es klingelt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Stu dr\u00fcckt sich in die \u201ePhone Booth\u201c (so hei\u00dft der Film im Original), zieht die Glast\u00fcr zu, hebt ab. Eine rauhe Stimme raspelt im H\u00f6rer.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eKomm ja nicht auf die Idee, die Telefonzelle zu verlassen.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eSie sind falsch verbunden.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eIch ziele gerade auf Dich. Sp\u00fcrst Du das?\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eWoher kennen Sie meinen Namen? Wer sind Sie?\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eJemand, dem es Spa\u00df macht, Dich zu beobachten. Ich habe ein Kaliber PSG Punkt 30 mit taktischem Zielfernrohr\u2026\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eSie meinen, sowas wie ein Gewehr?\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eBei dieser Entfernung h\u00e4tte die Austrittswunde etwa die Gr\u00f6\u00dfe einer Mandarine.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eSie bluffen nur.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eWie w\u00e4r\u2019s denn mit einer kleinen Kostprobe?\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ein Schuss. Auf der Stra\u00dfe vor der Telefonkabine bricht ein Mann zusammen. Panik.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eMein Gott! Sie haben ihn erschossen!\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Keine Antwort.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eWieso gerade ich? Was habe ich denn getan.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eWenn Du das fragst, bist Du nicht bereit f\u00fcr die Antwort.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Polizei r\u00fcckt an. Dutzende Gewehre sind auf den Mann in der Kabine gerichtet. Die Stimme aus dem H\u00f6rer raunt:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eDu musst Deine S\u00fcnden beichten. Jetzt geht es um Leben oder Tod. Eins. Zwei. Drei. B\u00e4m! B\u00e4m! B\u00e4m!\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\">xxx<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Der Film endet alles in allem \u2013 abgesehen von ein paar Kollateralsch\u00e4den \u2013 verbindlich. Hauptdarstellerin: eine Telefonzelle.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Jetzt, 20 Jahre sp\u00e4ter, ist wieder Showdown, diesmal an deutschen Telefonzellen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>B\u00e4mb\u00e4mb\u00e4m!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die letzten 1200 Kabinen werden heute zwischen Rantum und Reichenhall \u201edeaktiviert\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Naja, sie sind alt, sie haben immer nach nasser Kleidung und schwitzenden Menschen gerochen, sie waren nimmersatt (ganz schlimm war es, als man noch gute Markst\u00fccke, 50- oder Zehnpfennig-M\u00fcnzen in den Schlitz steckte), sie waren besetzt, wenn man sie besonders brauchte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\">xxx<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Und doch waren sie wunderbar. Der Mensch hat sich in die Kabine gestellt und nicht vom Fleck ger\u00fchrt, bis seine Angelegenheit mit dem Anderen besprochen war. Der Mensch musste sich ein wenig M\u00fche geben, um schlie\u00dflich reden zu k\u00f6nnen. Zelle finden. Eventuell in einer Schlange stehen. Kleingeld zur Hand haben. Auf eine Verbindung hoffen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wenn er dann genug gequatscht hatte, h\u00e4ngte er den H\u00f6rer in die Gabel und war wieder Chef in seinem eigenen kleinen Leben. Er verlie\u00df die Zelle und freute sich an der Welt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das war ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl. Wenn er wollte, war er f\u00fcr niemanden erreichbar. Er musste ja nicht dran gehen, wenn es irgendwo in der Stra\u00dfe klingelte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das taten sie nur im Film.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\">xxx<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Heute haben wir keine Zellen mehr. Wir haben Handys.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Und unser eigenes kleines Leben?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>B\u00e4mb\u00e4mb\u00e4m!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-right\"><em><strong>Foto: Barbara Volkmer<\/strong><\/em><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>scheisszeitenwende 16,\u00a0 &nbsp; Ein Kotzbrocken ist dieser Stuart Shepard. \u201eStu\u201c trickst sich \u2013 daf\u00fcr hat er vor allem zwei Handys, mit L\u00fcgen und Liederlichkeiten durchs Leben. Aber um seine Frau Kelly zu betr\u00fcgen, muss er an der 53. Stra\u00dfe zwischen Broadway und Eighth auf einen Call aus der Telefonzelle warten. 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