{"id":4990,"date":"2022-05-09T08:09:26","date_gmt":"2022-05-09T08:09:26","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=4990"},"modified":"2022-09-29T18:06:12","modified_gmt":"2022-09-29T18:06:12","slug":"scheisszeitenwende-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/scheisszeitenwende-5\/","title":{"rendered":"STATUS QUO"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-left\"><strong>scheisszeitenwende 6<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Mai ist in seinen jungen Tagen. Grauer Fr\u00fchling, aber es l\u00e4sst sich auf der Terrasse aushalten. Axel Kerr liest Reden des Ukrainers Wlodomyr Selenskyi. Der hat heute &#8211; wir schreiben den 8. Mai, wir &#8220;feiern&#8221; den 77. Jahrestag zur bedingungslosen Kapitulation der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg &#8211; eine dramatische Ansprache an sein Volk und an die Welt gehalten. Er ist ja ohnehin ein gro\u00dfer Theatraliker, der Pr\u00e4sident in Kriegszeiten. Er kann die W\u00f6rter fl\u00fcstern, sagen, spucken, belfern, knurren, grummeln, abschie\u00dfen, setzen, streicheln, schnurren, kotzen. Ein kleiner Mann ist er &#8211; aber wenn er eine Rede zelebriert, wirkt er wie ein Riese. Er hat die B\u00fchne f\u00fcr sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt hat Selensky wieder eine gro\u00dfe Rede gehalten. Eine Rede voller Leben und \u00dcberleben.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;<em>Das B\u00f6se ist zur\u00fcck. In der Ukraine haben die Russen eine blutige Neuauflage des Nazismus organisiert. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Mit 250 Kilogramm schweren Sprengbomben hat die Supermacht Russland die kleine Stadt Borodjanka beschossen. Sehen Sie sich nur dieses Haus an. Hier gab es einmal W\u00e4nde. An ihnen hingen einst Fotos. Und auf den Fotos waren diejenigen zu sehen, die einst durch die H\u00f6lle des Zweiten Weltkrieges gegangen sind.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Diejenigen, die bei lebendigem Leib verbrannt wurden, als die Nazis hier mehr als 100 H\u00e4user niederbrannten. 250 Soldaten, die an den Fronten des Zweiten Weltkriegs gefallen sind, und insgesamt fast 1.000 Einwohner von Borodjanka, die gek\u00e4mpft und den Nationalsozialismus besiegt haben. Um sicherzustellen: nie wieder. Sie k\u00e4mpften f\u00fcr die Zukunft der Kinder, f\u00fcr das Leben, das bis zum 24. Februar hier war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Stellen Sie sich vor, in jeder dieser Wohnungen gehen Menschen zu Bett. Sie w\u00fcnschen sich gegenseitig <em>eine gute Nacht. Machen das Licht aus. Umarmen ihre Liebsten. Sie schlie\u00dfen die Augen. Sie tr\u00e4umen von etwas. Es herrscht absolute Stille. Sie schlafen alle ein, ohne zu wissen, dass nicht alle aufwachen werden. Sie schlafen tief und fest. Sie tr\u00e4umen von etwas Angenehmem. Aber in ein paar Stunden werden sie von Raketenexplosionen geweckt. Oder sie werden nie wieder aufwachen. Nie wieder.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Welt hat gesehen, was in Butscha, Irpin, Borodjanka, Wolnowacha und Trostyanez geschehen ist. Sie sieht die Besetzung von Cherson, Melitopol, Berdjansk und anderen St\u00e4dten, in denen die Menschen nicht aufgeben. Hunderttausende in der Welt ihnen gehen zu friedlichen Kundgebungen, die au\u00dferhalb der Macht der Besatzer liegen &#8211; und alles, was die russischen Soldaten tun k\u00f6nnen, ist auf Zivilisten zu schie\u00dfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ex<em>plosionen, Sch\u00fcsse, Sch\u00fctzengr\u00e4ben, Verwundungen, Hungersnot, Bombardierungen, Blockaden, Massenexekutionen, Strafaktionen, Besetzungen, Konzentrationslager, Gaskammern, gelbe Sterne, Ghettos, das Massaker in Babyn Jar, Chatyn in Belarus, Gefangenschaft, Zwangsarbeit \u2013 all die Menschen starben, damit jeder von uns wei\u00df, was diese Worte bedeuten, aus B\u00fcchern, nicht aus eigenem Erleben. Aber es ist anders gekommen. Das ist ihnen allen gegen\u00fcber ungerecht. Aber die Wahrheit wird siegen. Und wir werden alles \u00fcberwinden!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Und der Beweis daf\u00fcr hei\u00dft &#8216;Werwolf&#8217;. Dies ist Hitlers ehemaliges Hauptquartier und Bunker in der N\u00e4he von Winnyzja. Und alles, was davon \u00fcbrig ist, sind ein paar Steine. Ruinen. Die Ruinen eines Menschen, der sich f\u00fcr gro\u00df und unbesiegbar hielt. Dies ist ein Leitfaden f\u00fcr uns alle und f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen. Wof\u00fcr unsere Vorfahren gek\u00e4mpft haben. Und bewiesen, dass sich kein B\u00f6ses der Verantwortung entziehen kann. In dem Bunker wird man sich nicht verstecken k\u00f6nnen. Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Wir werden alles \u00fcberwinden. Und es wird wieder Frieden geben. Endlich wieder!&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist k\u00fchl geworden auf der Terrasse. Kerr fr\u00f6stelt, er hat G\u00e4nsehaut. Naja, vielleicht auch wegen Selenskys Rede. Er geht ins Haus, schlie\u00dft die Gartent\u00fcr, schaltet das Fernsehen an. Da redet schon wieder einer. Unscheinbar. D\u00fcnne Lippen. Augen wie eine Echse. J\u00e4mmerliche, jammernde Stimme.<\/p>\n\n\n\n<p>Olaf Scholz ist ein beschissener Rhetoriker. Er misshandelt W\u00f6rter und S\u00e4tze, er quetscht und quengelt, er nuschelt und n\u00e4selt, er \u00e4ngstelt und verschluckt sich an dem, was er sagen will. Wenn Scholz redet, stirbt die Sprache.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer hat den Olaf Scholz mal als &#8220;Schlumpf&#8221; bezeichnet. Womit? Mit Recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der deutsche Kanzler also hat das Wort:<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;<em>Das Schweigen der Waffen am 8. Mai 1945 glich einer Friedhofsruhe \u2013 \u00fcber den Gr\u00e4bern von mehr als 60 Millionen Frauen, M\u00e4nnern und Kindern. Millionen von ihnen sind auf den Schlachtfeldern gefallen. Millionen sind in ihren St\u00e4dten und D\u00f6rfern, in Konzentrations- oder Vernichtungslagern ermordet worden. Deutsche haben dieses Menschheitsverbrechen ver\u00fcbt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Umso schmerzhafter ist es mitzuerleben, wie heute, 77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, erneut rohe Gewalt das Recht bricht, mitten in Europa. Wie Russlands Armee in der Ukraine M\u00e4nner, Frauen und Kinder umbringt, St\u00e4dte in Schutt und Asche legt, ja selbst Fl\u00fcchtende angreift. F\u00fcr mich ist dies ein 8. Mai wie kein anderer. Deshalb wende ich mich heute an Sie.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Aus der katastrophalen Geschichte unseres Landes zwischen 1933 und 1945 haben wir eine zentrale Lehre gezogen. Sie lautet: &#8216;Nie wieder!&#8217; Nie wieder Krieg. Nie wieder V\u00f6lkermord. Nie wieder Gewaltherrschaft. Und doch ist es wieder passiert \u2013 Krieg in Europa.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir helfen, damit die Gewalt ein Ende finden kann. Daher haben wir in den vergangenen Tagen und Wochen weitreichende und schwierige Entscheidungen getroffen \u2013 z\u00fcgig und entschlossen, durchdacht und abgewogen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich kann heute noch nicht sagen, wann und auf welche Weise Russlands der grausame Krieg gegen die Ukraine enden wird. Klar ist aber: Einen russischen Diktatfrieden soll es nicht geben. Den werden die Ukrainerinnen und Ukrainer nicht akzeptieren \u2013 und wir auch nicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Selten standen wir mit unseren Freunden und Partnern so geschlossen und geeint da wie heute. Ich bin zutiefst \u00fcberzeugt: Putin wird den Krieg nicht gewinnen. Die Ukraine wird bestehen. Freiheit und Sicherheit werden siegen \u2013 so wie Freiheit und Sicherheit vor 77 Jahren \u00fcber Unfreiheit, Gewalt und Diktatur triumphiert haben. Dazu nach Kr\u00e4ften beizutragen, das bedeutet heute &#8216;Nie wieder&#8217;! Darin liegt das Verm\u00e4chtnis des 8. Mai.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Fertig. Kerr schaltet aus. Er sitzt im dunklen Wohnzimmer und wei\u00df nicht, was er denken soll. Aber eines wei\u00df er: Das ist nicht der Tag der Kapitulation. So schnell wird er nicht aufgeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>\u00a9&nbsp;Barbara Ellen Volkmer<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>scheisszeitenwende 6 Der Mai ist in seinen jungen Tagen. Grauer Fr\u00fchling, aber es l\u00e4sst sich auf der Terrasse aushalten. Axel Kerr liest Reden des Ukrainers Wlodomyr Selenskyi. Der hat heute &#8211; wir schreiben den 8. Mai, wir &#8220;feiern&#8221; den 77. 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