{"id":499,"date":"2015-02-10T14:55:56","date_gmt":"2015-02-10T14:55:56","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=499"},"modified":"2015-02-10T14:55:56","modified_gmt":"2015-02-10T14:55:56","slug":"der-getriebene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/der-getriebene\/","title":{"rendered":"DER GETRIEBENE"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>berlin, 10. februar 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Es ist wie in der Fabel vom Hasen und dem Igel. Du rennst von Kino zu Kino, du hastest von Party zu Party auf der \u201eBerlinale\u201c. Und am Ende steht da einer und qu\u00e4kt: &#8220;Ick b\u00fcn all hier.&#8221; Das ist der Wim Wenders \u2013 es scheint, der Mann habe in der ganzen Hauptstadt Replikanten am Feiern und Reden und L\u00e4cheln.<\/strong><\/p>\n<p>Dem Wenders und seinen Klonen geht es momentan saugut. &#8220;Mann der Stunde&#8221; nennen ihn die Film-Freunde und werden ganz ehrf\u00fcrchtig. Am Donnerstag bekommt er einen Ehren-B\u00e4ren, verbunden mit der Wiederauff\u00fchrung von sieben restaurierten Filmen, sein neuer Film l\u00e4uft heute Abend, seine j\u00fcngste Dokumentation ist f\u00fcr den Oscar nominiert, im M\u00e4rz gibt\u2018s eine Wenders-Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art.<\/p>\n<figure id=\"attachment_508\" aria-describedby=\"caption-attachment-508\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-508 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P10100231-300x112.jpg\" alt=\"P1010023\" width=\"300\" height=\"112\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P10100231-300x112.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P10100231-600x225.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P10100231.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-508\" class=\"wp-caption-text\">Der Mann der Stunde&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>69, kein bisschen leise, ein Job nach dem anderen \u2013 dabei k\u00f6nnte er sich zur\u00fccklehnen und zufrieden sein mit sich. Seit den Siebzigerjahren hat der geb\u00fcrtige D\u00fcsseldorfer mehr als 60 Filme gedreht. &#8220;Der Stand der Dinge&#8221; (1982) etwa. &#8220;Paris, Texas&#8221; (1984). &#8220;Der Himmel \u00fcber Berlin&#8221; (1987). &#8220;Buena Vista Social Club&#8221; (1999). Das 3-D-Projekt &#8220;Pina&#8221; \u00fcber Pina Bausch und ihr Wuppertaler Tanztheater, f\u00fcr den Oscar nominiert.<\/p>\n<p>Heute stellt er wieder was Neues vor. Das Beziehungsdrama &#8220;Every Thing will be Fine&#8221; mit James Franco und Charlotte Gainsbourg ist in 3D gedreht und l\u00e4uft au\u00dfer Konkurrenz. Erz\u00e4hlt wird die Geschichte des Schriftstellers Tomas, der ein Kind \u00fcberf\u00e4hrt. Der Film folgt \u00fcber zw\u00f6lf Jahre seinem Versuch, dem Leben wieder einen Sinn zu geben und eine eigene Familie aufzubauen. Parallel dazu verl\u00e4uft die Geschichte von Kate und Christopher, der Mutter und dem Bruder des Opfers, bis dieser 17 Jahre alt ist und sich entschlie\u00dft, den Fremden wiederzusehen, den er nur einmal, an jenem verh\u00e4ngnisvollen Abend, getroffen hat.<\/p>\n<p>Als er noch mit diesem Film besch\u00e4ftigt war, musste Wenders &#8220;ein Angebot mit ganz gro\u00dfen Schmerzen ablehnen. Aber im Kopf schwirrt die Offerte noch immer.&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_507\" aria-describedby=\"caption-attachment-507\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-507 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P10100221-300x200.jpg\" alt=\"P1010022\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P10100221-300x200.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P10100221-600x400.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P10100221.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-507\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;h\u00e4tte ja gut lachen&#8230;,<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenders \u2013 den Rastlosen, der so behutsam formuliert \u2013 zieht es zum Fernsehen. &#8220;Die richtig guten Leute arbeiten dort, weil sie nur da wirklich erz\u00e4hlen, fabulieren, sich kreativ ausleben k\u00f6nnen. Im kommerziellen Kino sind die Z\u00fcgel so hart angezogen und die Rezepte so ausgekocht, dass das Abenteuer des Filmemachens verloren gegangen ist.&#8221;<\/p>\n<p>Dann schweigt der Mann erst einmal. Jetzt geht\u2018s eben nicht \u00fcber die Erfolge und das Gewesene \u2013 jetzt denkt er dar\u00fcber nach, was sich gerade in seinem Metier tut.<\/p>\n<p>Und die Vorg\u00e4nge bereiten ihm Sorgen.<\/p>\n<p>3D, die Technik, in die er so gro\u00dfe Hoffnung gesetzt hat: &#8220;Das ist wie eine Kuh, die jeder melken will; eines Tages gibt sie keine Milch mehr. Dabei f\u00e4ngt ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr 3D doch gerade erst an!&#8221;<\/p>\n<p>Die &#8220;neuen&#8221; Bilder, ein Gr\u00e4uel:<\/p>\n<p>&#8220;Vieles funktioniert im Kino heute ja, indem es die alte Filmsprache regelrecht in Grund und Boden stampft&#8221;, unkt Wenders in der FAZ. &#8220;Vieles wird heute so geschnitten, dass ein Cutter und gar ein Publikum aus der klassischen Zeit des Kinos nur schreiend den Saal verlassen w\u00fcrde. In dieser ,Verhunzung\u2018 ist gleichzeitig schon wieder eine neue zeitgen\u00f6ssische Sprache entstanden, die Sachen zeigt, die man vorher nicht erz\u00e4hlen konnte, eine Sprache, die nicht mehr wie von uns fr\u00fcher bewusst eingesetzt wird, sondern ganz intuitiv und manchmal auch nur einfach brutal. Viele Filme werden heute ziemlich brutal gemacht.&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_508\" aria-describedby=\"caption-attachment-508\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-508 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P10100231-300x112.jpg\" alt=\"P1010023\" width=\"300\" height=\"112\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P10100231-300x112.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P10100231-600x225.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P10100231.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-508\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;doch er sorgt sich.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wim Wenders hat sich nicht sehr ge\u00e4ndert seit 1967, als er mit &#8220;Schaupl\u00e4tze&#8221; seinen Erstling zuwege brachte. Wim Wenders macht sich immer noch Sorgen. Dem Kritiker Michael Althen sagte er einmal:<\/p>\n<p>&#8220;Ich habe oft ziemlich viele \u00c4ngste ausgestanden und fand auch das Drehen nicht besonders angenehm. Nach dem ersten Drehtag will ich nur fertig werden.&#8221;<\/p>\n<p>Fertig werden, bis zum Schluss das Sagen haben, dann abliefern, auf eine Party gehen, einen Preis entgegen nehmen \u2013 und ab zum n\u00e4chsten Projekt. So ist das, wenn man ein Getriebener ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>berlin, 10. februar 2015 Es ist wie in der Fabel vom Hasen und dem Igel. Du rennst von Kino zu Kino, du hastest von Party zu Party auf der \u201eBerlinale\u201c. 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