{"id":4708,"date":"2021-03-15T09:20:24","date_gmt":"2021-03-15T09:20:24","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=4708"},"modified":"2021-03-15T09:20:26","modified_gmt":"2021-03-15T09:20:26","slug":"das-meeting","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/das-meeting\/","title":{"rendered":"DAS MEETING"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>TANZ DER VIREN II<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mischa Grahammer wartet im Vestib\u00fcl auf seine\nG\u00e4ste. Sein Haus liegt an der gro\u00dfen Stra\u00dfe nach Freising, Mischa passt auf,\ndass man das Dorf nicht mit Namen nennt. Bald, hat der Grahammer gesagt, wird\ner ohnehin umziehen \u2013 nur noch seine Freunde sollen wissen, wo er sich aufh\u00e4lt.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Aber noch wohnt er in dem Anwesen, das er vor\n30 Jahren gebaut hat. Zur Stra\u00dfe hin stehen die Gesch\u00e4ftsgeb\u00e4ude. Das Lager,\nder einst\u00f6ckige Bau mit den B\u00fcros und Verkaufsr\u00e4umen. Ein weitl\u00e4ufiger gekiester\nHof mit den Carports f\u00fcr die Limousinen, die Motorr\u00e4der und die Oldtimer\nschlie\u00dft sich an, der Brunnen in der Mitte des Platzes ist schon jetzt am\nsp\u00e4ten Nachmittag mit Lichters\u00e4ulen bestrahlt. Am Ende des Hofs residieren\nGrahammer und seine Freundin.<\/p>\n\n\n\n<p>Festbeleuchtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist kein Haus, es ist eine Villa. Wei\u00df,\nmit einem hellgr\u00fcnen Kupferdach. Zwei runde T\u00fcrme, ein m\u00e4chtiges Haupthaus mit\n\u00fcbergro\u00dfen Fenstern. Den Eingangsbereich hat Grahammer mit wei\u00dfem Carrara-Marmor\naus der eigenen Firma fliesen lassen, links und rechts s\u00e4umen griechische\nS\u00e4ulen das Entree. Flankiert sind von Eiben in K\u00fcbeln, die der Hausherr\nliebevoll zu Kugeln trimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hausherr, Mischa Grahammer, tr\u00e4gt eine\ndunkelgraue Hose von Alexander McQueen, dazu eine graugescheckte Bomberjacke\nund schwarzgl\u00e4nzende Schuhe von Givenchy. K\u00fchner Dreitagebart, raspelkurz\ngeschorener Kopf. Wei\u00dfbierglas in der Hand, es ist nicht das erste Weizen des\nNachmittags.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHerein, herein! Alle sind schon da.\nClaude, ich brauch\u2018 Dich erstmal nicht. Lass\u2018 Dein Handy an, ich ruf\u2018 Dich,\nwenn wir hier fertig sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Neger deutet ein Kopfnicken an,\nschlie\u00dft den Wagen ab und geht \u00fcber den Hof zum G\u00e4stehaus, wo er ein Zimmer\nhat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKommt\u2019s weiter.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie queren das Atrium, die Anna nimmt\nFerdls Anorak und Severins Feldjacke in Empfang.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMir geh\u2019n nachher runter in die Bar.\nJetzt sind wir erst einmal im Wohnzimmer.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Freunde haben es sich in den Sitzm\u00f6beln\nbequem gemacht. Man trinkt Bier, die Anna serviert H\u00e4ppchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die alten Bekannten. Die meisten kommen\naus M\u00fcnchen, ein paar sind aus Freising oder Dachau oder Landshut, ein paar\nsind aus dem Oberland. Bis auf Severin und Ferdl sind sie mit ihren Autos\nangereist, sie werden beim Mischa \u00fcbernachten, Zimmer hat es genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Grahammers Freundin schaut kurz rein, sagt\nGr\u00fc\u00df Gott und ist auch schon wieder weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Frauen braucht man nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSch\u00f6n, dass Ihr alle da seid. Der Severin\nund der Ferdl waren gerade noch auf der Demo. Erz\u00e4hlt\u2019s amal: Wie war\u2019s?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ferdl Ostler h\u00e4lt sauber das Maul. Braucht keiner zu wissen, dass er den Tag daheim verbracht hat. Soll der Severin reden. Der h\u00f6rt sich ohnehin selbst am liebsten. Und so berichtet der Severin vom beginnenden B\u00fcrgerkrieg in der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\"><em>\u00a9 BILDKUNST JOHANNES TAUBERT<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TANZ DER VIREN II Mischa Grahammer wartet im Vestib\u00fcl auf seine G\u00e4ste. 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