{"id":4687,"date":"2021-03-06T15:46:08","date_gmt":"2021-03-06T15:46:08","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=4687"},"modified":"2021-03-06T15:46:37","modified_gmt":"2021-03-06T15:46:37","slug":"germany-null-punkte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/germany-null-punkte\/","title":{"rendered":"NULL PUNKTE"},"content":{"rendered":"\n<p>TANZ DER VIREN II<\/p>\n\n\n\n<p>Seit zwei Monaten hat Hans den \u201eSpiegel\u201c nicht mehr in\nder Hand gehabt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun schl\u00e4gt er ihn auf \u2013 auf einer Parkbank vor dem\nFranz-Marc-Museum in Kochel, neben sich einen warmen Kaffee und eine T\u00fcte mit\nBrezn, vor sich die untergehende Sonne, neben sich den Rucksack mit den\nEink\u00e4ufen \u2013 und er sp\u00fcrt bei der Ber\u00fchrung des glatten Papiers eine sch\u00f6ne\nAndacht. Der \u201eSpiegel\u201c wiegt soviel wie ein Laufschuh oder eine kleine\nFrauenbrust oder ein gro\u00dfer Semmelkn\u00f6del, er wiegt weniger als fr\u00fcher, aber es\nist der \u201eSpiegel\u201c. Die Samsung-Anzeige auf der R\u00fcckseite ist unattraktiv und in\nBlaut\u00f6nen, das Cover eine quietschgelbe Farbfl\u00e4che, auf der&nbsp; steht:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>DUD*IN<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>GENDERGERECHTE\nSPRACHE<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>IST DAS NOCH\nDEUTSCH?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Der Kulturkampf um\ndie Sternchen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das wird er in Ruhe auf dem Berg studieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt nur schnell durchbl\u00e4ttern und die Vorfreude\nanfeuern. Was ihn wohl erwarten wird, wenn er sich oben auf der H\u00fctte mit dem \u201eSpiegel\u201c\nder Woche und mit dem Leben der Anderen besch\u00e4ftigt?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Es reicht! Die\nKrisenpolitik wird zur Farce. Der Gesundheitsminister sollte zur\u00fccktreten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Germany, null\nPunkte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>\u201eMuslime sind nicht\nintegrierbar.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Die neue Politik\ndes Negativen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Gegen neun Uhr\nfehlen pl\u00f6tzlich 2000 Megawatt, die Leistung von zwei Atomkraftwerken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Rationaler Irrsinn.\nDie Menschen rei\u00dfen sich um Aktien, Bitcoins, Immobilien und Rohstoffe. Hat\nniemand Angst, dass die Blase platzt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>\u201eUns l\u00e4uft die\nZeit davon.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Giganten des Drecks.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>K\u00fcnstliche\nIgnoranz<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>\u201eEuropa treibt ein\nsehr riskantes Spiel.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Verzweiflung in\nBeirut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Myanmar: Drohendes\nBlutbad.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>\u201eDer Papst f\u00fchlt\nunseren Schmerz.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Chronist des\nGrauens<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>\u201eWas mich am Leben\nh\u00e4lt, ist, dass ich hier helfen kann. Wenn ich nichts machen k\u00f6nnte, w\u00fcrde ich\nmich einfach aufl\u00f6sen und verschwinden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>\u201eDer Kreml und\nPutin wollen keine Freunde. Sie versuchen die Demokratie zu untergraben, durch\nKorruption, durch Desinformation.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Meist bleibt Trump\nein Phantom, ein Exilant hinter Schutzmauern und Zierhecken. Drau\u00dfen bewachen\nschwarz gekleidete, schwer bewaffnete Cops die Einfahrten am South Ocean\nBoulevard. Drinnen, im neuen B\u00fcro \u00fcber dem Ballsaal, assistiert von einem\nkleinen Beraterstab, verbringt Trump seine Tage damit, seine Zukunft zu planen \u2013\nund seine Rache an denen, von denen er sich verraten f\u00fchlt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Wenn Kenichi\nHasegawa von seinem Bauernhof in die Landschaft blickt, sp\u00fcrt er Einsamkeit und\nWut. Seine Milchk\u00fche, 50 an der Zahl, wurden notgeschlachtet und entsorgt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>T\u00f6dlicher Schaum.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>\u201eWir m\u00fcssen die\nNerven behalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Das Gift des Ruhms.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>\u201eDie n\u00e4chsten zehn\nJahre werden verr\u00fcckt. Das wird ein wilder Ritt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>\u201eVon morgens bis\nabends daran zu denken, dass die Welt untergeht, das ist kein Spa\u00df.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Gott ist schwul.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Kampf ohne Sieger.\nDoping. L\u00e4sst sich das Kontrollsystem missbrauchen, um Athleten fertigzumachen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Nachruf. Chris\nBarber. Er war ein Popstar unter den britischen Jazzmusikern. Paul McCartney\nbedankte sich bei ihm in den Sechzigerjahren, indem er das Instrumental \u201eCat\nCall\u201c schrieb. Sp\u00e4ter spielte Barber mit seiner Band auch komplexe\nKompositionen von Charles Mingus und Joe Zawinul und arbeitete mit Musikern wie\nVan Morrison zusammen. Bis ins hohe Alter hielt er sein Ensemble zusammen und\ngab mit ihm Konzerte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Nachruf. Hannu\nMikkola. In der Rennsportszene bekannt als der \u201efliegende Finne\u201c wurde er nicht\nnur in seiner Heimat eine Legende.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Leserbrief: \u201eDas\nriesige moralische Problem ist, dass Politiker, die durch die Krise in keiner\nWeise materiellen Schaden erleiden, die Entscheidungen treffen und nicht daf\u00fcr\ngeradestehen m\u00fcssen. Frau Merkel hat das im Interview auf abschreckende Weise\nbest\u00e4tigt: Man habe im Gro\u00dfen und Ganzen keine Fehler gemacht. Diese Arroganz\nist unertr\u00e4glich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hans trinkt aus. Er schultert den Rucksack, den \u201eSpiegel\u201c\nwirft er in den M\u00fcllkorb neben der Bank. Er will das Ding nicht oben auf der\nH\u00fctte haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch den Park geht er zu den Bergen. Im Wohnzimmer eines\nder letzten H\u00e4user vor dem Wald l\u00e4uft auf einem Gro\u00dfbildschirm \u201eCagney und\nLacey\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Hans bleibt stehen und schaut \u00fcber die Hecke zu den\nstummen Bildern. Die Polizistinnen jagen im New York der Achtziger einen Verbrecher\ndurch Manhattan Durch die Stra\u00dfen eilen gesch\u00e4ftige Menschen. Manche rauchen,\nandere tragen Zeitungen. Keine Masken, das pulsende Leben, alles hat eine\nZukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist wundervoll gewesen. Hans stand mehr auf Cagney \u2013\naber Lacey h\u00e4tte er auch\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Er marschiert auf den Berg. Noch drei Stunden, dann ist er in der H\u00fctte. Und morgen denkt er wieder an Martha Wimberger.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\"><em>\u00a9 BILDKUNST JOHANNES TAUBERT<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TANZ DER VIREN II Seit zwei Monaten hat Hans den \u201eSpiegel\u201c nicht mehr in der Hand gehabt. 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