{"id":4679,"date":"2021-03-04T16:27:05","date_gmt":"2021-03-04T16:27:05","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=4679"},"modified":"2021-03-04T16:27:06","modified_gmt":"2021-03-04T16:27:06","slug":"maske","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/maske\/","title":{"rendered":"MASKE!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>TANZ DER VIREN II<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Stopp! kommandiert Hans sich selbst. Er ist tief in\nErinnerungen an die Erz\u00e4hlungen der Martha Wimberger ins Tal marschiert, quert die\nTrasse eines Schlepplifts, sieht mitf\u00fchlend die B\u00fcgel an den Seilen baumeln\n(den ganzen Winter haben sie keinen Skifahrer den Berg hoch transportieren\nd\u00fcrfen); aus dem Kocheler Moos tutet die Eisenbahn, Hans ist ger\u00fchrt, weil die \u201eLok\u201c\nso jammert, wie das auch die Oberland-Z\u00fcge im letzten Jahrhundert getan haben.\nEs h\u00f6rt sich an wie die gute alte Zeit, denkt der Hans, stellt das Erinnern an Marthas\nErz\u00e4hlungen hintan und konzentriert sich aufs Einkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach links wendet er sich, Zwei Kilometer, dann\nerreicht er Kochel, linkerhand ist der Edeka. Hans passiert zwei Menschen, die\nsehr unfreundlich wirken, passiert die automatische T\u00fcr und wird von einem\nMitarbeiter des Markts aufgehalten. Der Mensch stellt sich einfach in den Weg\nund knurrt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMaske!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Bitte, kein Danke. Nur:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMaske!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen an der Kasse sehen vorwurfsvoll her\u00fcber.\nAlso, Hans nimmt zumindest an, sie gucken vorwurfsvoll, so genau wei\u00df man das\nnicht, weil ja jeder eine Maske unter den Augen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEntschuldigung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hans henkelt das Ding an den Ohrwascheln ein. Mit dem\nWagen arbeitet er sich durch den Markt. <\/p>\n\n\n\n<p>Nudeln. Reis. \u00c4pfel. Tomaten in der Dose. Gurke, Kohlrabi,\nPaprika. Tee. Kaffee. Red Bull und Cola Light. Schokolade, holla, es gibt schon\nOstereier, die mit Nougat-Marzipan sind lecker. K\u00e4se. Papiertaschent\u00fccher,\nSp\u00fclmittel, Zahnpaste, Rasierklingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut ist es. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Zeitungen bleibt Hans stehen. Er denkt nach,\nentscheidet sich dann f\u00fcr den \u201eSpiegel\u201c. Der soll reichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans zahlt und verpackt die Eink\u00e4ufe im Rucksack. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Ort holt er beim B\u00e4cker ein Brot, Brezen und einen\ngro\u00dfen Kaffee auf den Weg. Er geht zehn Minuten weiter, kommt zum Parkplatz des\nFranz-Marc-Museums, biegt in den Park ab und setzt sich auf eine freie Bank.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachmittagssonne. Der Kaffee ist hei\u00df, die Brezn sind\nnoch knusprig. Den \u201eGeist\u201c von Franz Marc kann man sp\u00fcren, wenn man denn will.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans schl\u00e4gt den \u201eSpiegel\u201c auf. Ihn giert es nach\nLesen. Er hat Zeit, er wird das Magazin von vorne bis hinten durchlesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kaffee steigt zu Kopf, jedenfalls bildet sich Hans\ndas ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihm ist ganz kannibalisch wohl, als wie f\u00fcnfhundert S\u00e4uen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\"><em>\u00a9 BILDKUNST JOHANNES TAUBERT<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TANZ DER VIREN II Stopp! kommandiert Hans sich selbst. 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