{"id":4639,"date":"2021-02-23T10:48:23","date_gmt":"2021-02-23T10:48:23","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=4639"},"modified":"2021-02-23T10:48:24","modified_gmt":"2021-02-23T10:48:24","slug":"fjs-und-andere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/fjs-und-andere\/","title":{"rendered":"FJS UND ANDERE"},"content":{"rendered":"\n<p>TANZ DER VIREN II<\/p>\n\n\n\n<p>So bin ich nach dem Zweiten Weltkrieg endg\u00fcltig\nin der Politik gelandet. <\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft: Eigentlich war ich ein immer <em>ioculator\npoliticus<\/em>, ein spa\u00dfiger Strippenzieher. Der Lola habe ich den Monarchen\nunter den Rock gejubelt, und schon hatte sie in M\u00fcnchen die Hosen an. Mit den Theater-Diezens\nhabe ich die Salons aufgemischt und bestimmt, was an der Oper aufgef\u00fchrt wurde.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Der Oskar von Miller ist pl\u00f6tzlich mit meiner\nIdee daher gekommen, man muss ein Kraftwerk in Kochel bauen, das durch das\nWasser vom 200 Meter h\u00f6her gelegenen Walchensee betrieben wird \u2013 da haben sie\nihn erst einmal ausgelacht \u2013 <em>Herr von Miller,<\/em> habe ich gesagt<em>, das\nmachen wir jetzt, das Kraftwerk,<\/em> er hat sich den Bart gekrault, und am Ende\nist es gebaut worden. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Gauleiter Wagner h\u00e4tte mir fast\ndie ganze Welt geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun war ich der Berater von Thomas\nWimmer. Angekommen sozusagen in der Demokratie. Wiederaufbau. Weg mit den\nTr\u00fcmmern. Her mit den Millionen. FJS. Edmund Stoiber. Hanns Seidl. Alfons\nGoppel. Der Seehofer Horst. Der Beckstein G\u00fcnther.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle haben sie mich gehabt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt der Herr Markus.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche waren wunderbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Alfons Goppel hat sich alles sagen lassen.\nDu hast nur aufpassen m\u00fcssen, dass er auch etwas unternommen hat. Am liebsten\nwar es dem n\u00e4mlich, wenn nichts passierte. Seine Ruhe wollte er haben, dem\n\u00c4rger ging er aus dem Weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Stoiber war willig, aber spr\u00f6de ist er\nhalt gewesen. Hat in seinen Steinkr\u00fcgen Wasser gehabt und so getan, wie wenn er\nsaufen t\u00e4te. Dabei war er so n\u00fcchtern, dass es gestaubt hat. Und wehe, wenn er\ngeredet hat. Eine Katastrophe.<\/p>\n\n\n\n<p>Da war der Seehofer schon ein anderer\nKerl. Daheim habe ich ihn mir vorgenommen, wenn er mit seiner Eisenbahn spielte.\n<em>Herr Horst<\/em>, habe ich gesagt<em>, jetzt schimpfen wir einmal sauber auf\ndie Ausl\u00e4nder, die brauchen es schon lang.<\/em> Dann ist er hinaus gegangen und\nhat das Migranten-Gschwerl zur Sau gemacht. Ein Schau war das.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Liebste war mir nat\u00fcrlich der FJS.\nMei, was haben wir gelacht! \u00dcber die K\u00f6rnerfresser vom \u201eSpiegel\u201c und die\nArmenh\u00e4usler von den Roten. Wir haben mit dem Schalck aus der DDR\nzusammengehockt und Schnaps gesoffen, bis aus der Jagdh\u00fctte ein Dreimaster\ngeworden ist. Dann haben wir alle beschissen \u2013 die DDR und die BRD, die Russen\nund die Amis. Was f\u00fcr eine Gaudi!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war dabei, als es den FJS \u201eaus dem\nLeben gerissen\u201c hat, wie man so sagt. Einer, wie der FJS, habe ich gedacht,\nkommt nicht so schnell wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Zumal es da ja auch so Totalversager wie\nden Streibl Max gegeben hat. An dem habe sogar ich mir die Z\u00e4hne ausgebissen. Da\ngibt es nichts: <\/p>\n\n\n\n<p>Der war einfach ein Depp, ein\ngeschniegelter.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere mich noch, wie ich einmal an\nihn hingeredet habe, er muss etwas f\u00fcr sein bajuwarisches Image tun. Die Leute\ndenken sonst, er kann nicht bis drei z\u00e4hlen, aus lauter Dummheit kann er keinen\nbeschei\u00dfen, und nicht mal das gepflegte Saufen nimmt man ihm ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ist im Badezimmer verschwunden, zum\nNachdenken. Hat sich die Haare gegelt und dann gemeint, jetzt packen wir\u2019s,\njetzt tun wir was f\u00fcrs Image.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat einen Bus Fotografen nach Oberammergau\nbestellt und ist mit ihnen auf den Kofel gewandert. Wie ein Preu\u00df\u2018 in\nLederhosen ist er auf den Berg. Oben hat er posiert. Die Knipser haben sich vor\nihn auf den Felsen geflackt und ihn von unten nach oben fotografiert. Er hat\ngemeint, so sieht er wie ein Trenker-m\u00e4\u00dfiger Held aus. K\u00f6nig der Berge, K\u00f6nig\nder Bayern, K\u00f6nig der Welt. <\/p>\n\n\n\n<p>Er war aber nur ein l\u00e4cherlicher Wicht.\nGanz Bayern hat gelacht \u2013 und ich habe mich gesch\u00e4mt, als w\u00e4r\u2018 ich ein\nHeinzelm\u00e4nnchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Naja, <em>tempi passati <\/em>w\u00fcrde der FJS\nsagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt habe ich den Herrn Markus.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da habe ich was.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\"><em>\u00a9 BILDKUNST JOHANNES TAUBERT<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TANZ DER VIREN II So bin ich nach dem Zweiten Weltkrieg endg\u00fcltig in der Politik gelandet. Das hei\u00dft: Eigentlich war ich ein immer ioculator politicus, ein spa\u00dfiger Strippenzieher. Der Lola habe ich den Monarchen unter den Rock gejubelt, und schon hatte sie in M\u00fcnchen die Hosen an. 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