{"id":4631,"date":"2021-02-18T14:04:52","date_gmt":"2021-02-18T14:04:52","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=4631"},"modified":"2021-02-18T14:05:22","modified_gmt":"2021-02-18T14:05:22","slug":"chefsache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/chefsache\/","title":{"rendered":"CHEFSACHE"},"content":{"rendered":"\n<p>TANZ DER VIREN II<\/p>\n\n\n\n<p>Gestern war der Herr Markus grantig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas haben\u2019S denn, Herr Markus?\u201c, habe ich gefragt.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat gemeint, dass ihm der Fasching abgeht. In den\nletzten Jahren hat er sich immer so fesch verkleiden k\u00f6nnen, f\u00fcr den\nfr\u00e4nkischen Fasching hat er sich aufgebrezelt wie die Heidi Klum und unters\nVolk gemischt, ein Bier aus dem Steinkrug oder einen Wein ausm Bocksbeutel\ngenommen. Er war die Monroe und der M\u00e4rchenk\u00f6nig Ludwig, der Shrek war er und\nder Homer Simpson.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war immer gut f\u00fcr den Herrn Markus, hat er sich\nerinnert. Da ist er nicht der Streber und der Ehrgeizling gewesen, er hat einen\nHumor zeigen k\u00f6nnen und sich f\u00fcr den Orden wider den tierischen Ernst qualifiziert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd jetzt\u201c, sagte der Herr Markus, \u201ewas ist jetzt?\nFaschingsdienstag, und ich muss den Bocksbeutel daheim mit der Gemahlin\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe ihn unterbrochen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHerr Markus, so d\u00fcrfen\u2019S nicht denken. Alle m\u00fcssen\ndaheim bleiben. Aber Sie! Sie d\u00fcrfen morgen ins Fernsehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da habe ich ihn gehabt. Klar, er darf am\nAschermittwoch zu den Menschen in Bayern sprechen. Was er sagen soll? Und wie\ner es sagen soll? Ob ich ihm einen Rat geben will?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHerr Markus, kein Problem. Am Aschermittwoch zeigen\nSie, dass der Ministerpr\u00e4sident auch nur ein Mensch ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat aus der Schublade einen Zettel und einen Stift\ngeholt und notiert, was zu tun ist.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>&#8212;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gut macht er es. Herr Markus sitzt an dem einfachen\nbayerischen Esstisch vor seiner Ma\u00df Bier und vor dem Brotzeitbrettl und ist er\nselbst. Ich habe ihm gesagt, er soll lebhaft sein. Mit den H\u00e4nden fuchteln,\nsich nachdenklich ins Gesicht langen, ein faltige Stirn haben und dann wieder\nganz aufrichtig dreinschauen. Hinter sich an der Wand sind Portr\u00e4ts von FJS und\nHerrn Edmund. Einmal l\u00e4uft einer im R\u00fccken von Herrn Markus durchs Bild und\ntr\u00e4gt ein Schild, auf dem steht:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>\u201eMARKUS WIR BRAUCHEN\nDICH\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dann begreift es auch der letzte Depp.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHerr Markus\u201c, habe ich gesagt, \u201eSie m\u00fcssen es einfach\nf\u00fcr die Leute machen. Verstellen Sie sich nicht. Versuchen Sie nicht, nach der\nSchrift zu sprechen. Seien Sie authentisch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Authentisch? Soso. Jaja. <\/p>\n\n\n\n<p>Und wie authentisch er heute am Aschermittwoch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Er erz\u00e4hlt stolz, dass die Bayern alles richtig\ngemacht haben. Er wird auch weiterhin aufs Volk aufpassen. Da gibt es kein\nPardon. Er ist nicht so bl\u00f6d wie viele andere.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch werde jetzt, wo die Zahlen besser sind, nicht einfach\nohne Sinn und Verstand loslaufen und dann feststellen: Wir stehn wieder mal in\nder Sackgasse.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe ihm gesagt, er soll zeigen, wie gut er ist.\nAlso erkl\u00e4rt Herr Markus:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir sind so stolz aufs bayerische Bildungswesen. Man\nsoll ja net \u00fcberh\u00f6hen und sagen <em>,Mir sen die Besten<\/em>\u2018\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Markus kratzt sich in den von einem Experten \u00fcber\ndie Glatze gek\u00e4mmten frisch gef\u00e4rbten Haaren, schaut m\u00e4nnlich in die Kamera.\nDann besinnt er sich. \u201eMir sen die Besten? Naja, vielleicht doch. Und eines\nnoch zum Thema:<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Kindergipfel wird es geben. Schule mache ich zur\nChefsache.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>&#8212;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gestern habe ich dem Herrn Markus prophezeit, dass er\nan diesem Aschermittwoch einen ganz gro\u00dfen Auftritt haben kann. Eine\nwegweisende Botschaft an die Menschen. Eine Rede f\u00fcrs Kanzleramt. Er hat sich\ndann brav auf den Hosenboden gesetzt und nach meinen Vorschl\u00e4gen die Rede geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut hat er\u2019s gemacht. Seine Fastenbotschaft muss ins\nArchiv der Republik. Vor allem die Passage \u00fcber die Fris\u00f6re.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ist sie, Hergottla noch amool, was bin ich stolz\nauf meinen Herrn Markus.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Jeder macht sich\nl\u00e4cherlich \u00fcber Friseure. Wir diskutieren des auch im Kabinett. Albert F\u00fcracker\nh\u00e4lt das Thema f\u00fcr \u00fcbertrieben., Hubert Aiwanger sagt, des is ihm egal. Ich hab\nVerst\u00e4ndnis daf\u00fcr. \u00dcbrigens: Meine Haar\u2018 wachsen auch f\u00fcrchterlich, man siehts\nan die Koteletten. Ich w\u00e4r\u2018 da auch dankbar f\u00fcr ein Feedback. Soll man sie\nl\u00e4nger lassen \u2013 oder doch schneiden? Feedback w\u00e4r ganz spannend. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Aber ist das das\nEntscheidende? N\u00e4\u00e4!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Mich haben Briefe von\n\u00e4lteren Menschen erreicht, die k\u00f6nnen sich nicht allein die Haare waschen. Die\nm\u00f6chten nach zehn Wochen wieder eine Hygiene haben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Das ist doch\nverst\u00e4ndlich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Oder ich erz\u00e4hle Ihnen\neine Geschichte, wo es um W\u00fcrde geht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Meine Mutter ist 1994 verstorben. Am vierten\nSeptember. Am 12. August 1994 hatte mein Vater Geburtstag. Das war das letzte\nMal, dass wir den gemeinsam gefeiert haben. Zu der Zeit war meine Mutter schon\nim Krankenhaus. Den Geburtstag haben wir in der Klinikkantine N\u00fcrnberg S\u00fcd\nbegangen. Und das Wichtigste f\u00fcr meine Mutter war, dass sie sich f\u00fcr ihren Mann\nhat sch\u00f6n machen k\u00f6nnen. Und der Krankenhausfris\u00f6r hat ganze Arbeit geleistet.\nIch wei\u00df noch, wie stolz und gl\u00fccklich sie war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Und deswegen finde ich\ndas so unfair, wenn man das jetzt niedermacht. Und schlecht redet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So redet ein k\u00fcnftiger Kanzler. Und nicht anderst.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\"><em>\u00a9 BILDKUNST JOHANNES TAUBERT<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TANZ DER VIREN II Gestern war der Herr Markus grantig. \u201eWas haben\u2019S denn, Herr Markus?\u201c, habe ich gefragt. Er hat gemeint, dass ihm der Fasching abgeht. 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