{"id":449,"date":"2015-02-03T12:39:33","date_gmt":"2015-02-03T12:39:33","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=449"},"modified":"2015-02-03T12:39:33","modified_gmt":"2015-02-03T12:39:33","slug":"priester-pinkeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/priester-pinkeln\/","title":{"rendered":"&#8220;PRIESTER&#8221;-PINKELN"},"content":{"rendered":"<div><em><strong>berlin, 3. februar 2015<\/strong><\/em><\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>Nee, &#8220;Sputnik&#8221; is keen Russe. &#8220;Sputnik&#8221; is Balina \u2013 mit spanische Wurzeln. Jeborn in Mallorca. Ausjesetzt von beese Menschn. Mit drei Tage halbdod im Park jefunden. Hochjep\u00e4ppelt. In Balin jelandet. Wat \u2019n Jl\u00fcck. Nu is &#8220;Sputnik&#8221; wohnhafta Sch\u00f6neberger \u2013 mit Datsche in Brandenburg. Und weil sonne preussische Stadt-Land-T\u00f6le \u2019ne Menge erlebt, wird dit jetz uffjeschriebn. Imma wieda und imma wieda: Dit sin dann die Berichte aus &#8220;sputniks welt&#8221;.<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Hinter &#8220;S\u00fcdkreuz&#8221; geht die Rute hoch, und &#8220;Sputnik&#8221; spannt sich kr\u00e4ftig ins Geschirr. Noch \u00fcber die Autobahnbr\u00fccke \u2013 er wei\u00df das, das hat man schon zigmal durchexerziert -, dann kommt der Hund von der Leine los. &#8220;Sputnik&#8221; bebt vor Ungeduld.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>&#8220;Sitz!&#8221; Der Mensch nestelt an der Leine. Endlich ist er fertig.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Frei.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>&#8220;Sputnik&#8221; rennt nach rechts in die B\u00fcsche. Vergisst vor Lebensfreude erstmal das Pinkeln. Bremst ab, hetzt ein paar Spr\u00fcnge zur\u00fcck, stellt sich mit gekr\u00fcmmtem R\u00fccken an einen schrundigen Stamm und vertieft sich in die Ger\u00fcche auf der Rinde. Da waren doch echt ein paar Kerle vor ihm zugange.<\/div>\n<div>Kein Problem \u2013 die strullt er weg. Er markiert ausgiebig, kratzt mit Inbrunst Schnee gegen den Baum und rennt wieder los.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Der Priesterweg ist um acht Uhr morgens ein Paradies. Die Radfahrer auf dem Weg in die Innenstadt sind weg, die hocken sich jetzt schon die Hintern in ihren B\u00fcros platt. Keine Kids unterwegs, noch nicht viele Spazierg\u00e4nger, die joggenden Hausfrauen st\u00f6ren nicht.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Wenn er Gl\u00fcck hat, l\u00e4uft dem &#8220;Sputnik&#8221; um diese Zeit die Pudeldame \u00fcber den Weg. Die ist zwar zurecht gestutzt wie ein \u00fcberkandidelter Bonsai, aber sie ist verspielt \u2013 und wenn die dazu geh\u00f6rige Menschenfrau\u00a0 (eine mit sehr blonden Haaren und ganz roten Lippen) nicht Acht gibt, dann rennt die Pudeldame zum n\u00e4chsten Kackhaufen und rodelt drin rum. Dann quiekt die Menschenfrau, was f\u00fcr ein Hundohr zwar schmerzhaft aber doch interessant ist.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Unterwegs ist um diese Zeit auch ein sehr rustikales Paar. Der Mann hat viele Haare im Gesicht und raucht die ganze Zeit. Seine Stimme ist rau wie die eines B\u00e4ren. Er riecht gut, nach Schwei\u00df und Essbarem, vorzugsweise Fleisch. Sein Hund hat genauso viele Haare wie der Mensch, kann gar nicht richtig aus den Augen schauen. Er ist schon ein bisschen \u00e4lter, beim Rennen macht &#8220;Sputnik&#8221; deswegen nicht ganz so enge Kurven, sonst verliert der Andere den Anschluss und die Lust.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Daf\u00fcr hat er \u2013 obgleich von der Gr\u00f6\u00dfe eines Schafbocks \u2013 eine freundliche Art. Er wedelt beh\u00e4big mit dem Schwanz, und &#8220;Sputnik&#8221; darf ihm den Riechkolben in den Hintern stecken, solange er Lust hat. Geil&#8230;<\/div>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-451\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P1000988-300x186.jpg\" alt=\"P1000988\" width=\"300\" height=\"186\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P1000988-300x186.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P1000988-600x372.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/P1000988.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Ein sch\u00f6ner Teil von Berlin, dieser Priesterweg. Irgendwann ist er zu Ende \u2013 und zur\u00fcck f\u00fchrt die Wanderung, immer noch ohne Leinenzwang, durch einen interessanten Schrebergarten. Interessant, weil die Menschen dort immer wieder mal Nahrung \u00fcber den Gartenzaun schmei\u00dfen. Ein St\u00fcck Br\u00f6tchen, eine Wurstpelle, Chips, \u2019ne M\u00f6hre.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>&#8220;Sputnik&#8221; nimmt alles.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Man muss schlie\u00dflich bei Kr\u00e4ften bleiben. Schlie\u00dflich zehrt so ein Gang \u00fcber den Priesterweg an den Kr\u00e4ften.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Wie das? Naja, es war so:<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Man hatte sich schon total leer markiert. Bein-Heben wurde zur anstrengenden Pflicht. Da erreichte man den Umkehrpunkt der Tour, den Bahnhof Priesterweg. Der ist schon im 1989 erschienen Band &#8220;Verloren, gef\u00e4hrdet, gesch\u00fctzt &#8211; Baudenkmale in Berlin&#8221; verewigt:<\/div>\n<div><\/div>\n<div><em>&#8220;Der S-Bahnhof Priesterweg wurde Ende der zwanziger Jahre als einziger Teil der Bebauungspl\u00e4ne f\u00fcr das Sch\u00f6neberger S\u00fcdgel\u00e4nde im Rahmen des Chapman-Projektes realisiert. Ein kleiner Schmuckplatz, der portalartige Eingang und die \u00fcberh\u00f6hte Ecke mit Uhr und Fahnenhalter verweisen auf die explizite urbanistische Disposition des heute als Solit\u00e4r dastehenden Empfangsgeb\u00e4udes, das keine ad\u00e4quate bauliche Erwiderung fand. 1928 durch den Reichsbahnrat G\u00fcnter L\u00fcttich in der sachlichen Formensprache der Moderne errichtet, geh\u00f6rt die Anlage zu den ersten und auch stilbildenden Beispielen eines neuen Typus des Vorortbahnhofes. Die streng voneinander geschiedenen Funktionsbereiche des Empfangsbereiches artikulieren sich klar in einzelnen Bauk\u00f6rpern. Von grosser \u00e4sthetischer Qualit\u00e4t ist das Zusammenspiel ihrer blau-braun changierenden Klinkerschale mit einer an Bruno Taut erinnernden Farbigkeit insbesondere der Fenster und leicht expressionistischen Ankl\u00e4ngen in den Details&#8230;&#8221;<\/em><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Beeindruckend?<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\u00dcberhaupt nicht!<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Nicht f\u00fcr einen wie &#8220;Sputnik&#8221;.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Der trabte l\u00e4ssig auf den architektonischen &#8220;Solit\u00e4r&#8221; zu, Schn\u00fcffelte hier, schn\u00fcffelte da.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Er hob das Bein. Wenn nicht alles t\u00e4uschte, hatte er eine Sorgenfalte auf der Stirn. Dann strullte er. Nein, er pullerte. Nein, er pillerte. Nein, es war ein Tr\u00f6pfchen.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Basta.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Das musste reichen f\u00fcrs Baudenkmal.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>berlin, 3. februar 2015 Nee, &#8220;Sputnik&#8221; is keen Russe. &#8220;Sputnik&#8221; is Balina \u2013 mit spanische Wurzeln. Jeborn in Mallorca. Ausjesetzt von beese Menschn. Mit drei Tage halbdod im Park jefunden. Hochjep\u00e4ppelt. In Balin jelandet. Wat \u2019n Jl\u00fcck. Nu is &#8220;Sputnik&#8221; wohnhafta Sch\u00f6neberger \u2013 mit Datsche in Brandenburg. Und weil sonne preussische Stadt-Land-T\u00f6le \u2019ne Menge erlebt, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":450,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[144,14,143,145],"class_list":["post-449","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reportage","tag-priesterweg","tag-schoneberg","tag-sputniks-welt","tag-sudkreuz","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/449","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=449"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/449\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":453,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/449\/revisions\/453"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/450"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=449"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=449"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=449"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}