{"id":434,"date":"2015-01-31T12:29:31","date_gmt":"2015-01-31T12:29:31","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=434"},"modified":"2015-01-31T12:33:12","modified_gmt":"2015-01-31T12:33:12","slug":"neue-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/neue-zeiten\/","title":{"rendered":"NEUE ZEITEN?"},"content":{"rendered":"<div><em><strong>tv-deutschland, 31. januar 2015<\/strong><\/em><\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>\u00c4chz! Heute Abend ist Showdown im Dschungel. Gegen Mitternacht (MEZ) steht fest, wer sich &#8220;K\u00f6nig&#8221; nennen und damit hausieren gehen darf. Zwei Damen (eine Blonde mit Brille und eine Dunkelhaarige mit pr\u00e4chtigen Br\u00fcsten) und ein Herr (jung, unscheinbar, wahrscheinlich recht nett) balgen sich unter Lianen. Danach m\u00fcssen sich die Fernsehkonsumenten nach neuer Faulkost umsehen. Und ernsthafte Menschen werden sich auch ab und an mal die Frage stellen: War fr\u00fcher alles viel besser?<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div>War es wohl nicht. Vor exakt 50 Jahren hatte ein Bergfex aus S\u00fcdtirol fest eingeplante Sendezeiten. Es waren Highlights des Fernsehens (das sind sie noch heute), als der Trenker Luis in seinem Janker oder in seinem Norweger-Pullover von den Bergen und den Madln und den Burschen und \u00fcberhaupt der sch\u00f6nen weiten Welt ohne Punkt und Komma fabulierte.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_438\" aria-describedby=\"caption-attachment-438\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-438 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/IMG_1438-1-300x213.jpg\" alt=\"IMG_1438-1\" width=\"300\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/IMG_1438-1-300x213.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/IMG_1438-1-600x426.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/IMG_1438-1.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-438\" class=\"wp-caption-text\">Griass Eich, alle mitanand! Der Trenker Luis als TV-Star, das ist ein Everbrown. FOTO\/digitalis: BARBARA VOLKMER<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Fasziniert sa\u00dfen die Fernseh-Novizen vor der Glotze und lauschten. Es war herrlich, es dufte so tausendundeine N\u00e4chte weiter gehen.<\/div>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<div align=\"center\">&#8212;<\/div>\n<div align=\"center\">Klammer auf:<\/div>\n<div align=\"center\">Dass dieser Trenker seine Joppe tief nazibraun eingef\u00e4rbt hatte, z\u00e4hlte damals und in den folgenden Jahrzehnten nicht. Erst 2015 soll nun ein Film mit Tobias Moretti im Fernsehen diese dunkle Seite des Gr\u00f6baz (Gr\u00f6\u00dfter Bergf\u00fchrer aller Zeiten) ausleuchten. Ein Gl\u00fccksfall im TV<\/div>\n<div align=\"center\">Klammer zu.<\/div>\n<div align=\"center\">&#8212;<\/div>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<div>&#8220;Fernsehen in den 60ern war noch recht beschaulich und nicht so actionlastig und hyperaktiv wie heute.&#8221; So steht es auf\u00a0<a href=\"https:\/\/3c.web.de\/mail\/client\/dereferrer?redirectUrl=http%3A%2F%2Fwww.das-waren-noch-zeiten.de%2F\" target=\"_blank\">www.das-waren-noch-zeiten.de<\/a>. Und weiter:<\/div>\n<div><\/div>\n<div>&#8220;Die meiste Zeit des Tages \u00e4nderte sich am Fernsehbild nichts, es blieb dunkel, da ausgeschaltet. Schaltete man den Fernseher kurz vor Programmbeginn ein, sah man auf dem Bildschirm eine bildf\u00fcllende Uhr (nat\u00fcrlich analog) und man konnte dem Sekundenzeiger auf seinen Runden folgen. Die einzelnen Sendungen wurden durch eine Fernsehansagerin vorgestellt, damit der Zuschauer wusste, was ihn in der kommenden Sendung erwartete.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Im Programm selbst \u00fcberwogen eher ruhige Sendungen. Dokumentarfilme, Nachrichtensendungen, Theaterauff\u00fchrungen, Operetten, Kom\u00f6dien und Sport\u00fcbertragungen bildeten die Schwerpunkte. Es wurde noch erz\u00e4hlt (Luis Trenker, in fr\u00f6hlicher, munterer Weise oft auch wild gestikulierend \u00fcber Abenteuer in den Bergen und seine Filme) oder vorgelesen (Margot Trooger, z.B. aus Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren). Nachmittags gab es Sendungen f\u00fcr Kinder und in den Regionalprogrammen zwischen 18:00 und 20:00 Uhr die eine oder andere 25min\u00fctige TV-Serie.&#8221;<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Das war ja wohl auch nicht so prickelnd. Heute wird nicht mehr parliert und die Realit\u00e4t durch Sch\u00f6n-Filmerei poliert, sondern vermehrt gep\u00f6belt, gebr\u00fcllt, geprotzt und geprollt.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Seri\u00f6se Protagonisten k\u00f6nnen da manchmal schon den Glauben verlieren. Doch nicht so ausgepr\u00e4gte Ego-Frauen wie Iris Berben. Als Schauspielerin hat sie sich seit Generationen unter den Top Ten gehalten. Heute ist sie eine der Wenigen, denen die Klasse-Rollen nachgeschmissen werden.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Frau Berben hat ihren Sohn Oliver ordentlich erziehen wollen \u2013 doch ihn dr\u00e4ngte es zum Film. Und da hatte sie die Bescherung:<\/div>\n<div><\/div>\n<div>&#8220;Ich wollte ihn einfach in die Verantwortung zwingen. Ich habe versucht, ihm zu erkl\u00e4ren, dass das, was er bei mir sah, ein langer Weg war. Dass es die letzten 35 Jahre nicht nur Erfolg gab, dass man viel Durchhalteverm\u00f6gen haben muss und vor allem dass es darauf ankommt, wie man diesen Beruf definiert &#8211; ob als gesellschaftliches Dabeisein nach dem Motto ,Ich bin beim Film&#8217; oder als Leidenschaft. Als ich, nachdem ich vier Stunden lang das Negative aufgez\u00e4hlt hatte, dann einmal Atem holen musste, hat er gefragt: Dann erkl\u00e4r&#8217; mir doch mal, warum du immer noch dabei bist. 1:0 f\u00fcr ihn. Er ist eben noch analytischer als ich. Und dann habe ich ihm erz\u00e4hlt, was dieser Beruf auch ist.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Bei unserem ersten gemeinsamen Projekt arbeitete er als Regieassistent. Da kam schon irgendwie das Muttertier in mir durch &#8211; da musste ich mich mehr zusammenrei\u00dfen. Diese Rolle fiel mir schwer. Man ist sich pl\u00f6tzlich so nah, in einer Arbeit, was ja bedeutet, dass er meine Unsicherheiten und Verunsicherungen sieht. Und nat\u00fcrlich will man als Mutter immer das Kraftvolle sein, das ihn besch\u00fctzt &#8211; egal wie alt der Sohn ist. Aber letztlich habe ich dadurch auch gelernt, wie wichtig es ist, ihn an den eigenen \u00c4ngsten und Misserfolgen teilnehmen zu lassen. Mittlerweile arbeiten wir l\u00e4ngst auf Augenh\u00f6he.&#8221;<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_437\" aria-describedby=\"caption-attachment-437\" style=\"width: 198px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-437 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Barbara-Ellen-Volkmer-00076478-HighRes-198x300.jpg\" alt=\"Barbara-Ellen-Volkmer-00076478-HighRes\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Barbara-Ellen-Volkmer-00076478-HighRes-198x300.jpg 198w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Barbara-Ellen-Volkmer-00076478-HighRes-600x907.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Barbara-Ellen-Volkmer-00076478-HighRes.jpg 648w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-437\" class=\"wp-caption-text\">Gestatten, TV-Familienunternehmen: Iris und Oliver Berben.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Nun ist also Oliver schon seit einiger Zeit nicht mehr &#8220;der Sohn von der Berben&#8221;, sondern der Produzent, der im Zweifel die ganz gro\u00dfe Kohle locker machen kann. Und einer, der auch eine dezidierte Meinung zur \u00dcberm\u00fcllung des Fernsehens hat:<\/div>\n<div><\/div>\n<div>&#8220;Ich gebe zu, dass der gro\u00dfe Anspruch oftmals fehlt. Nat\u00fcrlich haben wir zu viel Mittelma\u00df. Aber da empfehle ich jedem, mal in den USA den Fernseher einzuschalten: Man schaltet schneller als gedacht entnervt und verzweifelt ab.<\/div>\n<div>Ich finde es \u00e4rgerlich, dass es auf dem R\u00fccken der Kreativit\u00e4t im Fernsehen ausgetragen wird. Erreicht eine Produktion ein Millionenpublikum, wird kritisiert, es gehe ja nur noch nach Quote. Holt eine Produktion aber ein \u00fcberschaubares Publikum in der Nische, hei\u00dft es wiederum: Geb\u00fchrenverschwendung.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Wir sind gerade dabei, das zu \u00e4ndern. Bisher war das ein finanzielles, aber auch ein planungstechnisches Problem, weil sie niemanden finden konnten, der bereit war, auf der einen Seite viel Geld zu investieren und andererseits klare Sendepl\u00e4tze daf\u00fcr zu haben. Die Zeiten \u00e4ndern sich hier allerdings.&#8221;<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Man h\u00f6rt es geradezu: Wie Herr Berben bei diesen Worten dreimal auf Holz klopft.<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>tv-deutschland, 31. januar 2015 \u00c4chz! Heute Abend ist Showdown im Dschungel. Gegen Mitternacht (MEZ) steht fest, wer sich &#8220;K\u00f6nig&#8221; nennen und damit hausieren gehen darf. Zwei Damen (eine Blonde mit Brille und eine Dunkelhaarige mit pr\u00e4chtigen Br\u00fcsten) und ein Herr (jung, unscheinbar, wahrscheinlich recht nett) balgen sich unter Lianen. 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