{"id":4191,"date":"2020-07-07T10:44:22","date_gmt":"2020-07-07T10:44:22","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=4191"},"modified":"2020-07-07T10:44:23","modified_gmt":"2020-07-07T10:44:23","slug":"gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/gehen\/","title":{"rendered":"&#8220;GEHEN&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>TANZ DER VIREN<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>7. Juni<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst ist die Walli gestorben, dann der Max. Er hat\nsie nicht einmal eine Woche \u00fcberlebt. Die Kinder und die Enkel und alle Freunde\nsagen: Gut ist es so, wie es ist. Ein langes Zusammensein haben die Beiden\ngehabt \u2013 jetzt wollte einer nicht mehr ohne den Anderen weiter machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 14. April 1934 ist Max Hermann auf dem\n\u201eSchnaiter-Hof\u201c in Dietenhausen zur Welt gekommen. Zur Schule ist er in\nOdelzhausen gegangen. Als er 19 war, starb der Vater \u2013 dann war er der Bauer.<\/p>\n\n\n\n<p>Walburga M\u00e4rkl ist, wie der Max, Jahrgang \u201934. Geboren\nan einem 28. Juli \u2013 da begann am Woishofer-Hof in&nbsp; Priel gerade die Ernte.\nWally war das siebte Madl in der Familie. Priel liegt in Richtung Landshut,\nDietenhausen geht nach Augsburg zu \u2013 da liegen Welten dazwischen. Schier ein\nWunder, dass sich die Wally und der Max getroffen und ineinander verschaut\nhaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 28. November 1959 war Hochzeit. Getraut hat das\nPaar der geistliche Rat Gottfried Brugger in der Pfarrkirche St. Benedikt, der\nals Pfarrer bei den Nazis das Maul nicht gehalten hat. Ein&nbsp; patentes\nMannsbild, das beim Hochzeitsmahl im \u201eSonnenwirt\u201c wacker mithielt und dem Paar\nauf ein langes Eheleben zuprostete.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei S\u00f6hne haben sie in die Welt gebracht, den Florian\nund den Max. Ein Haus haben die Wally und der Max gebaut. Auf dem Hof hielten\nsie immer alles sauber in Schuss. Es hat K\u00fche und Katzen, H\u00fchner und Karnickel\ngegeben, das Gem\u00fcse kam aus dem eigenen Garten. Sp\u00e4ter wuselten vier Enkel\ndurch den Hausstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Welt, das waren der Holzgraben und der Hartgraben, das waren Glonn und Odelzhausen und Dietenhausen und die Lampl-Kapelle, in den neuen Zeiten waren es ein Gewerbegebiet und der Golfplatz f\u00fcr die protzerten M\u00fcnchner. Die Welt, das waren ein paar Fahrten mit dem Musikverein, in dem der Max blies (man sagt, dass er auch mit einem R\u00e4uscherl den Ton getroffen hat).<\/p>\n\n\n\n<p>Dann wurden sie alt und gingen gern ins Seniorenheim\nvon Egenhofen. Von da war es nicht weit zum Hof, da f\u00fchlte man sich nicht\nentwurzelt und war besch\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben nach und nach die Freunde begraben. Und sie\nhaben gefeiert. Geburtstage, runde Jubil\u00e4en. Silberhochzeit, Goldene Hochzeit\nund schlie\u00dflich im November 2019 die Diamantene Hochzeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Im 61. Jahr der Ehe ist es sehr bergab gegangen mit\nder Walli. Als sie starb, legte sich auch der Max hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Man hat sie ganz still begraben. \u201eIm kleinsten Kreis\u201c,\nwie es hei\u00dft. \u201eWegen der momentanen Situation\u201c, so stand es im \u201eMerkur\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Momentane Situation? Damit ist wohl Corona\ngemeint.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei:<\/p>\n\n\n\n<p>Corona ist der Wally und dem Max sowas von wurscht\ngewesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TANZ DER VIREN 7. Juni Zuerst ist die Walli gestorben, dann der Max. Er hat sie nicht einmal eine Woche \u00fcberlebt. Die Kinder und die Enkel und alle Freunde sagen: Gut ist es so, wie es ist. Ein langes Zusammensein haben die Beiden gehabt \u2013 jetzt wollte einer nicht mehr ohne den Anderen weiter machen. 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