{"id":3956,"date":"2020-05-06T13:20:21","date_gmt":"2020-05-06T13:20:21","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3956"},"modified":"2020-05-06T13:20:23","modified_gmt":"2020-05-06T13:20:23","slug":"dinner-for-three","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/dinner-for-three\/","title":{"rendered":"DINNER FOR THREE"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>ENDSPIEL 20<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soll sie doch bleiben, wo der\nPfeffer w\u00e4chst. Alois Hohenleitner hat die einsame Frau Wei\u00dfgerber auf der Bank\nam Seehaus gefragt, ob ihr etwas fehle, ob er vielleicht helfen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgeschreckt hat sie ihn angestarrt.\nEin Penner! Redete sie an! Das durfte nicht sein!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frau Wei\u00dfgerber wedelte mit der\nRechten, als wollte sie ein Insekt verscheuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ekel. Panik. Wut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann eben nicht. Hohenleitner ging\nweiter, durch den Tunnel unterm gro\u00dfen Verkehr, zu den Freunden, die es sich\nschon gem\u00fctlich gemacht hatten. \u00c4chzend stellt er die Tasche ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eUnd?\u201c fragt Sabine. \u201ewas hast\ndabei?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eGanz was Feines.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zeit f\u00fcr die Bescherung.\nEdelvernatsch, drei Flaschen. Wodka \u2013 und kein ganz billiger. Zwei \u00fcbrige\nFlaschl Bier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beschenkten kriegen den Mund\nnicht mehr zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAber\u201c, sagt Sabine, \u201edas kriegt\nman nicht bei der Tafel.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Alois erz\u00e4hlt, wie der Tag\ngelaufen ist. Dass er es nicht bis zur Tafel geschafft hat, das Zeug sei vom\nRewe, er selbst habe an der Isar gesessen und ein Buch geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWas hast Du?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt, erkl\u00e4rt Alois, sei der\nMoment, in dem sich das anbietet. Er werde ein Buch schreiben. \u00dcber alles. \u00dcber\nsich und die Frauen. \u00dcber seine Freunde und die Stadt, in der man nicht mehr\nauf die Beine kommt, wenn man mal auf den Arsch gefallen ist. \u00dcber die Tr\u00e4ume\nund das Leben. \u00dcber die B\u00fcrger und die Angst, die jetzt alles gleich macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEin Buch schreiben! Hast nix\nBesseres zum Tun? Naja, wurscht.\u201c Ernst wendet sich den wichtigen Dingen des\nAlltags. Woher denn die wunderbaren edlen Getr\u00e4nke k\u00e4men?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da seien sozusagen die letzten\nnennenswerten Barschaften drauf gegangen. Jetzt habe Alois f\u00fcr den Rest des\nMonats nicht mehr viel. Von morgen an werde er den Wein aus dem Tetrapak\nsaufen, auch nicht schlimm. Heute m\u00fcsse man feiern, heute habe er mit der\nArbeit am Buch begonnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gut, sagt Sabine, gut, dass sie\nbeim Containern heute Gl\u00fcck gehabt habe. Da k\u00f6nne sie das Ihre zur\nstandesgem\u00e4\u00dfen Feier beisteuern. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ernst z\u00fcndet den Gaskocher an. Die\nFlamme faucht, es d\u00e4mmert nun stark. Woher sie die zaubert, wei\u00df keiner genau \u2013\naber Sabine stellt drei Kerzen (Vanilleduft, Stumpen) in die Mitte. Da es windstill\nist, brennen sie friedlich und machen ein warmes Licht. Mit dem richtigen Pegel\nwird einem ganz lieblich, wenn man in Sabines Gesicht sieht. Besonders wenn sie\nl\u00e4chelt, ist es wie im Kino. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und an diesem Abend l\u00e4chelt sie\nviel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie hat H\u00fchnchen und W\u00fcrstl\norganisiert. Dazu Wei\u00dfbrot und Nutella.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">K\u00f6stlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er solle doch mal vorlesen, was er\nheute geschrieben habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alois Hohenleitner setzt die Brille\nauf und tr\u00e4gt vor. Sabine und Ernst trinken behaglich und finden alles ganz\nklasse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDa machst weiter\u201c, sagt der Ernst,\nals Alois zu Ende ist. \u201eDa h\u00f6rst nicht auf. Des is a Kunst.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ENDSPIEL 20 Soll sie doch bleiben, wo der Pfeffer w\u00e4chst. Alois Hohenleitner hat die einsame Frau Wei\u00dfgerber auf der Bank am Seehaus gefragt, ob ihr etwas fehle, ob er vielleicht helfen k\u00f6nne. Aufgeschreckt hat sie ihn angestarrt. Ein Penner! Redete sie an! Das durfte nicht sein! Frau Wei\u00dfgerber wedelte mit der Rechten, als wollte sie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[929],"tags":[],"class_list":["post-3956","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-endzeit","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3956","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3956"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3956\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3957,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3956\/revisions\/3957"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3956"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3956"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3956"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}