{"id":3857,"date":"2019-09-26T19:35:34","date_gmt":"2019-09-26T19:35:34","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3857"},"modified":"2019-09-26T19:35:36","modified_gmt":"2019-09-26T19:35:36","slug":"hitler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/hitler\/","title":{"rendered":"HITLER"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Herbst \u201819, #4<\/strong><\/em><em><strong>.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor hundert Jahren war es ein\nsch\u00f6nes Wetter in M\u00fcnchen. Nicht wie heute, wo schweres Gew\u00f6lk \u00fcbers Bayernland\nwalzt. Vor hundert Jahren k\u00f6nnt\u2018 es durchaus gewesen sein, dass ein F\u00f6hn die\nMenschen ein bisserl narrisch gemacht hat. Vielleicht waren sie auch ein wenig\naufgeregt, weil in drei Tagen das Herbstfest beginnen sollte (das war, nach dem\nverreckten Krieg, dem saudummen, die R\u00fcckkehr zum Normalen, vielleicht w\u00fcrde\nman bald wieder eine Wiesn haben mit einem Pschorr-Zelt, in das 12000 Menschen\npassten).<\/p>\n\n\n\n<p>Den zwei M\u00e4nnern, die vor\nhundert Jahren zum Spaziergang in den Englischen Garten einbogen, war das\nHerbstfest wurscht. Sie hatten gro\u00dfe Pl\u00e4ne mit der Welt. Die galt es zu\nbereden. Der Eine von den Beiden, Dietrich Eckart, der \u00c4ltere mit einem runden\nGesicht, in dem der gestutzte Schnauzbart ein wenig klein schien, hat die\nGespr\u00e4che sp\u00e4ter aufgeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>Der Bolschewismus von\nMoses bis Lenin. Zwiegespr\u00e4ch zwischen Adolf Hitler und mir<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:left\">Also, die zwei Herren \u2013 der J\u00fcngere\nwar ein d\u00fcrrer Kriegsheimkehrer, den seine Kameraden f\u00fcr schwul hielten, der\nein recht feiger Hund in der Schlacht gewesen ist und der trotzdem beim\nAngeschossen-Werden fast erblindet w\u00e4re \u2013 wanderten ruhigen Schritts durch die\nBotanik und politisierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00fcngere erz\u00e4hlte, dass er jetzt endlich in einer Partei sei. Bei den Deutschen Arbeitern. Das nenne sich DAP \u2013 aber bei dem Namen lasse sich was machen. Jetzt werde er erst einmal regeln in der Partei. Und dann sei es an der Zeit, in der Welt aufzur\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>Logisch, es ging um die Juden.\nVor allem um sie, diese Granaten-Hintertreiber. Man m\u00fcsse sie bek\u00e4mpfen, sagte\nder d\u00fcrre Mann mit dem zu gro\u00dfen Schnauzer (Hitler Adolf hie\u00df er sich \u2013 und der\n\u00c4ltere, der Eckart dachte, den Namen w\u00fcrde man sich merken m\u00fcssen):<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn\u2019s nach mir ginge, m\u00fcssten\nin allen Schulen, an allen Stra\u00dfenecken, in jeder Gastst\u00e4tte Plakate h\u00e4ngen,\nauf denen st\u00fcnde: Die Juden \u2013 gro\u00dfe Meister im L\u00fcgen. Auf jeden von ihnen\ntrifft das zu, ganz gleich, ob hoch oder niedrig, B\u00f6rsianer oder Rabbiner, getauft\noder beschnitten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd sie sind ja \u00fcberall.\u201c,\nsagte der Eckart.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie wahr. Eine asiatische\nHorde \u2013 an der Isar, an der Spree, am Main, an der Themse, dem Hudson, der\nSeine, an der Newa, an der Wolga. \u00dcberall diese Horde der Falschheit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da erinnerte sich der Eckart\ndoch gleich mal der verhassten Russiaken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEine Kloake der Niedertracht \u2013\nund mittendrin das j\u00fcdische Geschmei\u00df.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Drauf der Hitler: \u201eIch sag\u2018 es\nnoch einmal: Gro\u00dfe Meister im L\u00fcgen. Nur einen Augenblick das vergessen, und\nschon bist Du der Lackierte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Jaja, murmelte zustimmend der\ntreue Eckart. Und hob die Stimme:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchon Luther ruft dem Juden\nzu, ,Du bist nicht ein Deutscher, sondern ein T\u00e4uscher, Du bist kein Welscher,\nsondern ein F\u00e4lscher.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf der Adolf:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWahnwitzig ihre Perversit\u00e4t\nund ihre \u00f6deste Phrasendrescherei in einem Atemzug. In den j\u00fcdischen K\u00f6pfen\nmuss es f\u00fcrchterlich aussehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>So gingen sie f\u00fcrbass.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hitler stand in der\nuntergehenden Sonne, der Monopterus glomm &nbsp;von ferne, von der Ludwigskirche schlug es\nsechs. Gleich musste er, der Adolf, zur Parteiversammlung, doch zuvor wollte er\nnoch etwas f\u00fcr die Ewigkeit los werden: <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn dem Juden nicht Halt\ngeboten wird, vernichtet er die Menschheit. Er kann nicht aus, er muss es tun.\nDieses Gef\u00fchl ist die Hauptursache seines Hasses. Einen mit aller Gewalt\nvernichten zu m\u00fcssen, gleichzeitig aber zu ahnen, dass das rettungslos zum\neigenen Untergang f\u00fchrt, daran liegt\u2019s. Wenn du willst: Das ist die Tragik des\nLuzifer.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>An dieser Stelle brechen die\nAufzeichnungen Dietrich Eckarts ab. Das Hinscheiden dieses rein deutschen\nDichters und K\u00e4mpfers verhinderte die Vollendung dieses hochbedeutsamen Werkes.\nDoch d\u00fcrfen wir hoffen, dass Adolf Hitler nach der Beendigung des gegenw\u00e4rtig\ngegen ihn in M\u00fcnchen anh\u00e4ngigen Hochverratsprozesses die Liebensw\u00fcrdigkeit\nhaben wird, die Vollendung dieses Werkes zu \u00fcbernehmen. M\u00fcnchen, 1. M\u00e4rz 1924.\nHoheneichen-Verlag.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Alles gut, soweit. Hitler hat\ndie \u201eLiebensw\u00fcrdigkeit\u201c gehabt. <\/p>\n\n\n\n<p>Und noch eins: Ein sch\u00f6neres\nWetter hat er auch gehabt, vor hundert Jahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herbst \u201819, #4. Vor hundert Jahren war es ein sch\u00f6nes Wetter in M\u00fcnchen. Nicht wie heute, wo schweres Gew\u00f6lk \u00fcbers Bayernland walzt. Vor hundert Jahren k\u00f6nnt\u2018 es durchaus gewesen sein, dass ein F\u00f6hn die Menschen ein bisserl narrisch gemacht hat. 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