{"id":3851,"date":"2019-09-25T11:15:03","date_gmt":"2019-09-25T11:15:03","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3851"},"modified":"2019-09-25T11:15:06","modified_gmt":"2019-09-25T11:15:06","slug":"wut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wut\/","title":{"rendered":"WUT"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Herbst \u201819, #2.\u00a0<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>In Ismaning sitzt\nan einem ehemaligen Bauernhof an der M\u00fcnchner Stra\u00dfe ein alter Mann und\nvertreibt sich die Zeit bis zum Sterben mit Bier-Trinken und W\u00fctend-Sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Von der Kirche ist\ndas Mittagsl\u00e4uten zu h\u00f6ren \u2013 das juckt den Mann nicht, er isst untertags nicht.\nMorgens ein Brei, abends ein Brot, mehr mag er nicht. Der Rest ist Bier.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nSchwiegertochter hat es aufgegeben, dem Opa mehr Essen hinein zu infiltrieren.\nSoll er doch krepieren. Eigentlich \u2013 wenn sie ehrlich ist \u2013, je schneller er\ndie Biege macht, desto besser f\u00fcr alle.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eHurenweiber\u201c,<\/em> brummt\nder alte Mann. <em>\u201eSan zu nix guat. Bixn.\nBrunzn. Britschn. Mistamsel.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Er tr\u00e4gt einen\nStrohhut und nassgepieselte braune Cordhosen. Wahrscheinlich stinkt er recht \u2013\naber keins kommt ihm mehr so richtig nah. Einmal in der Woche steckt die\nSchwiegertochter seine Bettsachen und die dreckige W\u00e4sche bei 90 Grad in die\nMaschine, l\u00fcftet das Zimmer des Alten. Und sie gibt Obacht, dass der Alte\nseinen Schmutz nicht in die anderen R\u00e4ume des Hauses tr\u00e4gt. Wenn er auf der\nBank beim Vorgarten hockt, ist er nicht im Weg, das ist schon viel wert. Er\nmuss nicht zum Doktor, war noch nie im Krankenhaus. Fr\u00fcher ist er den\nWeibsbildern nachgestiegen und hat eine B\u00e4renkraft gehabt. Jetzt verfl\u00fcchtigt\nsich die letzte Kraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur im Kopf w\u00fctet\nes noch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWos woit\u2019s denn? Kennt\u2019s nix, wisst\u2019s nix, hobt\u2019s nix \u2013\nBagasch\u2018, ausgschamte. Saubande. Zipfeklatscher. Kuttnbrunzer. Kniebiesler.\nTrenzer, loamsiadate.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Afrikaner kommt\nmit einer Netto-T\u00fcte das Trottoir entlang, h\u00f6rt den alten Mann seinen Zorn in\nden Garten belfern \u2013 und wechselt die Stra\u00dfenseite.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Alte pl\u00e4rrt\nhinterher: \u201eDi dawisch i aa no.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie brillanteste propagandistische Technik darf nicht\nintelligent sein; sie muss sich auf einige Punkte beschr\u00e4nken und sie immer\nwieder wiederholen. Die niederen Massen sind meistens viel primitiver als wir\ndenken. Das Wesen der Propaganda ist deshalb unentwegt die Einfachheit und die\nWiederholung. Es kann also keiner sagen, eure Propaganda ist zu roh, zu gemein\noder zu brutal. Sie soll gar nicht anst\u00e4ndig sein. Sie soll zum einen Erfolge\nf\u00fchren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das hat ein\nhinkendes kleinw\u00fcchsiges M\u00e4nnlein gesagt und dann einem ganzen Volk zugebr\u00fcllt,\nob es den \u201etotalen Krieg\u201c wolle. Die Menschen haben gewollt. Da war der Herr\nGoebbels aber froh.<\/p>\n\n\n\n<p>Tief im Osten gab\nes auch so einen Grundb\u00f6ser. Ein Kerl mit Schnauzer &#8211; nur froh, wenn er es den\nLeuten so richtig besorgte. Josef Wissarionowitsch Stalin ist\nin Georgien 1878 zur Welt gekommen und hat als Russen-Chef von 1927 bis 1953\n\u00e4u\u00dferst erfolgreich Menschen vernichtet. Dazu hat er die Massen mit\nwiderw\u00e4rtigen Wut- und Schmeichelreden furchtbar unter Strom gesetzt. Er war in\nseinen Augen schon ein toller Hecht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201cWenn ich einmal nicht mehr bin, werden euch die Imperialisten ers\u00e4ufen wie einen Wurf junger Katzen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Noch einer hat sich auf die\nWutrede trefflich verstanden. Langhaarig. Hinterh\u00e4ltig gutmenschlich. Brutal\ngutes Charisma. Viel Nachruhm. Daf\u00fcr hat er sich sogar ans Kreuz nageln lassen.\nDavor hat er Blut-und-Boden-Super-Ansprachen gehalten: <\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEin Heidenvolk wird\nsich gegen das andere erheben und ein K\u00f6nigreich gegen das andere; und es\nwerden hier und dort Hungersn\u00f6te, Seuchen und Erdbeben geschehen.<\/em><em> Dies alles ist der Anfang der Wehen.Dann\nwird man euch der Drangsal preisgeben und euch t\u00f6ten; und ihr werdet gehasst\nsein von allen Heidenv\u00f6lkern um meines Namens willen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Fehlt\nnur noch, dass Jesus, des Bairischen m\u00e4chtig gewesen w\u00e4re. Er h\u00e4tte sie auch z\u00fcnftig\nin der Mundart abgewatscht. Neben den Alten in der M\u00fcnchner Stra\u00dfe h\u00e4tte er\nsich gehockt und es in die Welt gegeben. <\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eBagasch\u2018, ausgschamte. Saubande. Zipfeklatscher.\nKuttnbrunzer. Kniebiesler. Trenzer, loamsiadate. Zapfn. Haderlumpn. Arschgeign.\nZigarettenb\u00fcrscherl, windige. Rammeln, gscherte. Zeckn, zwiderne.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Solche W\u00f6rter kennt\ndas seltsame M\u00e4dchen aus Schweden nicht. Aber in ihrer Wut ist sie gro\u00df. Irre,\nwie sie da vor der UNO steht \u2013 und die m\u00e4chtigsten Menschen des Globus ziehen\ndie K\u00f6pfe ein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWie k\u00f6nnt Ihr es wagen? Ihr seid nicht reif\ngenug. Ihr lasst uns im Stich. Wir werden Euch das nie vergeben! Wir werden Euch\ndas nicht durchgehen lassen!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das\nBankerl neben dem Alten in Ismaning wird voller und voller. Der Joseph hockt da\nund geifert. Namensvetter<\/em> Wissarionowitsch neben ihm z\u00e4hlt mit dem Taschenrechner\nzusammen, mit wievielen Opfern er es ins Guiness Buch geschafft hat. Der junge\nMann mit den langen Haaren und den Badelatschen \u00fcbt, wie man am besten ganz\nleise ganz b\u00f6se Drohungen los wird. Und nun quetscht sich auch noch Greta dazu,\nlutscht am Zopf und denkt sich was Verr\u00fccktes f\u00fcrs Klima aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Da tut sie sich nicht schwer.<em> &nbsp;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herbst \u201819, #2.\u00a0 In Ismaning sitzt an einem ehemaligen Bauernhof an der M\u00fcnchner Stra\u00dfe ein alter Mann und vertreibt sich die Zeit bis zum Sterben mit Bier-Trinken und W\u00fctend-Sein. Von der Kirche ist das Mittagsl\u00e4uten zu h\u00f6ren \u2013 das juckt den Mann nicht, er isst untertags nicht. 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