{"id":3826,"date":"2019-08-10T12:41:39","date_gmt":"2019-08-10T12:41:39","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3826"},"modified":"2019-08-10T12:41:41","modified_gmt":"2019-08-10T12:41:41","slug":"lauf-lusche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/lauf-lusche\/","title":{"rendered":"LAUF-LUSCHE"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\">Startschuss: 17. August 2019, 6.00 Uhr. Zielschluss: 18. August 2019, 12.00 Uhr. Dazwischen: 160 Kilometer zu Fu\u00df rund um Berlin. Das Event hei\u00dft \u201cMauerweglauf\u201d. In \u201cVettensjournal\u201d das Protokoll der Vorbereitung. Es beginnt am 9. M\u00e4rz 2019 und endet am 17. August: 22 WOCHEN.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Krohn notiert, 10.\nAugust<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In einer Woche ist \u201eMauerlauf\u201c,\nes ist der Tag der Generalprobe. Ich versemmle sie v\u00f6llig.<br>\nDer Reihe nach.<br>\nVerst\u00e4ndnislos beobachtet Sabrina, wie ich abends die Laufsachen und den\nRucksack bereit lege. Was das denn nun solle?<br>\n\u201eIch fahre in die Berge und mache Sport.\u201c<br>\n\u201eWann f\u00e4hrst Du in die Berge?\u201c<br>\n\u201eJetzt.\u201c<br>\n\u201eHans es ist zehn Uhr in der Nacht.\u201c<br>\n\u201eEben. Beim Mauerlauf muss ich auch durch die Nacht.\u201c<br>\nSie ist sauer. Weil sie sich Sorgen macht, weil sie nicht allein bleiben will,\nweil ich das nicht besprochen habe.<br>\nIch fahre im Unfrieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine schw\u00fcle Nacht. Die\nersten 30 Kilometer sind fast flach, als dunkle Scheme sehe ich lange den Berg\nvor mir, \u00fcber den ich zum Schluss muss.<br>\nIch laufe am Friedhof vorbei, auf dem die Eltern begraben sind.<br>\nKann mir vorstellen, wie der Vater sich an die Stirn tippt, weil er der \u201eSport\nist Mord\u201c-Typ ist. Die Mutter hingegen interessiert sich f\u00fcr den Nachtlauf, sie\nhat selbst derartige Dinge getan.<br>\nAuf den Berg, \u00fcber den ich muss, sind wir wieder und wieder gegangen. Haben\n\u00fcber Gott und die Welt geredet, alles war immer ganz unschwierig. Noch mit 70\nist die Mutter den Berg hoch wie eine G\u00e4mse.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anstieg beginnt mit einem\nsehr steilen Forstweg. Ich bin gerade mal eine Minute in der Rampe, da beginnt\nes zu regnen, sp\u00e4ter rumpelt ein Nachtgewitter \u00fcber den Wald. Alles sehr laut\nund sehr ungut. Im Nu bin ich klatschnass und habe das letzte Quentchen\nRhythmus verloren.<br>\nIch schnaufe schwer, die Beine schmerzen, die Schritte machen furchtbare M\u00fche.<br>\nNach dem ersten Anstieg wird das Gel\u00e4nde flacher, dann kommt wieder ein\nKletterst\u00fcck, hernach geht es durch ein langes flaches Bergtal. Und am Ende beginnt\nder harte Teil.<\/p>\n\n\n\n<p><br>\n20 Minuten Bergauf-Rennen, bis die Lunge zu bersten droht. So habe ich das\nfr\u00fcher gemacht.<br>\nNun stapfe ich, w\u00fctend \u00fcber meine Schw\u00e4che, so schnell ich kann. Brauche fast\neine halbe Stunde. Oben st\u00fctze ich keuchend die H\u00e4nde auf die Oberschenkel und\nbin alt. Es braucht Zeit, bis ich mich umziehen kann.<br>\nDann der Abstieg. Sieben Kilometer durch unwegsamen Wald. Balancieren zwischen\nWurzeln und gro\u00dfen Steinen. Kriechen unter umgefallenen B\u00e4umen. Ein paar\nFelsb\u00e4nder. Rutschpartien im Schlamm. Es gewittert wieder.<br>\nAls ich ins Tal komme, ist es acht Uhr morgens. Ich jogge auf der Forststra\u00dfe\nzum Parkplatz. Rucksack auf den Beifahrersitz. Trockenes T-Shirt angezogen.\nWasser. Mineraldrink. Koffeinhaltiges.<br>\nIch fahre los. Die ersten 30 Kilometer sind identisch mit der Laufstrecke. Ich\nkomme an die Stelle, an der die kleine Stra\u00dfe zum Berg abzweigt. Bleibe stehen\nund schaue nach oben.<br>\nKeine Zufriedenheit, nur Frust. Der Gipfel, tausend H\u00f6henmeter \u00fcber mir, sieht\nunfreundlich aus. Ich mag mir gar nicht vorstellen, dass ich jetzt noch einmal\nda rauf m\u00fcsste.<br>\nDas sollte ich aber wohl schon k\u00f6nnen, wenn ich den \u201eMauerlauf\u201c machen will.<br>\nIch bin untrainiert, langsam, entmutigt.<br>\nSo wird das nichts mit dem \u201eMauerlauf\u201c.<br>\nKaufe an der Tanke einen Kaffee, fahre missmutig aus den Bergen hinaus. Komme\nschlecht gelaunt zuhause an. Sabrina ist immer noch sauer.<br>\nWenn ich so weiter mache, setze ich das Ding in den Sand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Startschuss: 17. August 2019, 6.00 Uhr. Zielschluss: 18. August 2019, 12.00 Uhr. Dazwischen: 160 Kilometer zu Fu\u00df rund um Berlin. Das Event hei\u00dft \u201cMauerweglauf\u201d. In \u201cVettensjournal\u201d das Protokoll der Vorbereitung. Es beginnt am 9. M\u00e4rz 2019 und endet am 17. August: 22 WOCHEN.\u00a0 Krohn notiert, 10. 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