{"id":3793,"date":"2019-08-02T13:01:14","date_gmt":"2019-08-02T13:01:14","guid":{"rendered":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3793"},"modified":"2019-08-02T13:01:16","modified_gmt":"2019-08-02T13:01:16","slug":"kleinholz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/kleinholz\/","title":{"rendered":"KLEINHOLZ"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Startschuss: 17. August 2019, 6.00 Uhr. Zielschluss: 18. August 2019, 12.00 Uhr. Dazwischen: 160 Kilometer zu Fu\u00df rund um Berlin. Das Event hei\u00dft \u201cMauerweglauf\u201d. In \u201cVettensjournal\u201d das Protokoll der Vorbereitung. Es beginnt am 9. M\u00e4rz 2019 und endet am 17. August: 22 WOCHEN. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Krohn notiert, 1. August<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Streit mit\nSabrina. Eine Kleinigkeit. Im Garten habe ich es ihr nicht recht gemacht. ist\nkeine Absicht gewesen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sitze\nunterm Sonnenschirm und lese die Texte von Gassenhauern, die um 1900 auf dem\nMontmartre getr\u00e4llert wurden. Es sind schr\u00e4ge Lieder von Liebe, Lust und\nhackdichten Huren &#8211; das macht Laune, alsofolglich bin ich harmlos-heiter.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Sabrina\nbaut sich vor mir auf.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eHast\nDu keine Augen im Kopf?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Wie bitte?\nfrage ich.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Was\nmir einfalle im Beet umzugraben, bevor ich mit ihr gesprochen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Achso,\ndas. Ja, ich h\u00e4tte schon mit ihr geredet &#8211; aber sie habe so fest geschlafen\nnach der Bestrahlung, da habe ich sie nicht wecken wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eWei\u00dft\nDu, was Du da gemacht hast?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eNein,\naber ich vermute, Du wirst es mir jetzt sagen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eGenau:\nDu hast alles umgegraben, was ich gestern ges\u00e4t habe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nschweige.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eIch\nfinde das schei\u00dfe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Ja,\nsage ich. Das k\u00f6nne ich verstehen. Aber so schlimm sei es doch nun wieder\nnicht. Dann w\u00fcrde ich eben nach ihrer Anleitung noch einmal s\u00e4en und hernach\nnichts umgraben. Versprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist\nleicht: sich lustig machen. Das tust Du immer in solchen Situationen. Du ziehst\ndie Dinge ins L\u00e4cherliche &#8211; und ich komme mir vor wie der Depp.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein,\nSabrina, tut mir leid, das wollte ich nicht. Ich meine, es ist doch nicht so\nschlimm, da m\u00fcssen wir doch nicht unsere Lebenszeit f\u00fcr so einen bl\u00f6den Streit\ndran geben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eDas\nist kein bl\u00f6der Streit. Hier geht es ans Eingemachte. Ich habe das Gef\u00fchl, dass\nwir nicht mehr miteinander umgehen wie fr\u00fcher. Wir sollten nachdenken, ob es\ndas alles noch wert ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nverschwindet sie im Haus. T\u00fcren schlagen. Wir sehen uns bis zum n\u00e4chsten Morgen\nnicht mehr. Ich habe Magendr\u00fccken, sie sieht auch ganz grau aus, als ich sie\nzur Bestrahlung fahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal\nhaben wir raue Zeiten. Das Kranksein hat uns m\u00fcrbe gemacht. Sabrina wird jeden\nAbend von Schmerzen besucht, ihre Brust ist wund und hei\u00df, ihre Angst\nunaussprechlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Selten die Tage, an denen sie die Kraft f\u00fcrs Bildhauern aufbringt. Dann steht sie vor ihrer <em>mater dolorosa<\/em> und werkt sich m\u00fcde. Aber es geht nicht voran. Die <em>mater<\/em> ist immer noch eckig und unweiblich, das Kind in ihrem Scho\u00df ein h\u00f6lzerner Klumpen. \u00dcbermenschlich gro\u00df scheint der Ahornklotz. Wie ein Gegner, an dem sich Sabrina abarbeiten wird &#8211; aber er wird sie besiegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch an\nden meisten Tagen r\u00fchrt Sabrina das Werkzeug nicht an. Sie liest etwas und\nvergisst es wieder. Sie nimmt sich eine Mail vor, bleibt bei der H\u00e4lfte stecken\nund l\u00f6scht das Geschriebene. Sie ist am Telefon z\u00e4nkisch, sie sagt\nVereinbarungen im letzten Augenblick ab. Wenn sie trinkt, dann ist sie dabei\ntraurig. Der Fernsehapparat in ihrem Zimmer l\u00e4uft die ganze Nacht, einschlafen\nkann sie trotz der Tabletten nur m\u00fchsam. Daf\u00fcr ist sie tags\u00fcber wie ger\u00e4dert.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie\nk\u00e4mpft. Und wie sie k\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es\nzuviel, zuviel, zuviel, wenn es unertr\u00e4glich ist, wenn sie vor lauter Angst nur\nnoch Panik sp\u00fcrt &#8211; dann streitet sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nschaffe manchmal die Liebe. Finde den Satz, der den Zank zerplatzen l\u00e4sst. <\/p>\n\n\n\n<p>Da musst\nDu wie ein Schachspieler sein. Du planst die n\u00e4chsten Antworten wie\nFigurenz\u00fcge. Wenn ich dies sage, was wird sie antworten, wohin wird das f\u00fchren?\nWie vermeide ich \u00c4rgernis, bes\u00e4nftige Zorn, wie bekommen wir einen Frieden hin?<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist\nsch\u00f6n, wenn wir den Ausweg finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal\nbin ich aber auch zu m\u00fcrbe. Gebe Contra. Gebe die falsche Antwort. Gebe nicht\nnach.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann wird\nes f\u00fcrchterlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nbeharken uns und f\u00fchlen uns schrecklich dabei. Ich kann mich nicht ausstehen,\nsie kann sich nicht leiden &#8211; wir wissen das vom Anderen und kriegen doch die\nKurve nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann sagt sie schon mal: \u201eIch glaube es ist besser, wenn wir uns trennen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Startschuss: 17. August 2019, 6.00 Uhr. Zielschluss: 18. August 2019, 12.00 Uhr. Dazwischen: 160 Kilometer zu Fu\u00df rund um Berlin. Das Event hei\u00dft \u201cMauerweglauf\u201d. In \u201cVettensjournal\u201d das Protokoll der Vorbereitung. Es beginnt am 9. M\u00e4rz 2019 und endet am 17. August: 22 WOCHEN. Krohn notiert, 1. August Streit mit Sabrina. Eine Kleinigkeit. 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