{"id":3455,"date":"2017-12-21T12:55:44","date_gmt":"2017-12-21T12:55:44","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3455"},"modified":"2017-12-21T12:55:44","modified_gmt":"2017-12-21T12:55:44","slug":"herrgott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/herrgott\/","title":{"rendered":"HERRGOTT"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>\u201e2017\u201d*, Folge 92, 18. Dezember. \u201cDurchs Land\u201d\/XXXIII<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wittenberg. Noch verkauft sich Luther \u2013 sein Jubil\u00e4umsjahr haben wir ja, ohne gro\u00df R\u00fclpsen und Furzen, ganz ordentlich verdaut . In Wittenberg schlagen sie noch einmal Penunzen aus dem Kirchenmann.<\/p>\n<p>Es gibt:<\/p>\n<p>Luther-Baumschmuck \u00e0 20.90 Euro.<\/p>\n<p>Mini-Adventskalender, 3.95.<\/p>\n<p>Weihnachts-Postkarte, 1,00.<\/p>\n<p>Flip-Flops, 15.17.<\/p>\n<p>Badeente, 6.95.<\/p>\n<p>Playmobil-Luther, 2.95.<\/p>\n<p>R\u00e4ucherm\u00e4nnchen \u201eLuther mit Apfelbaum\u201c \u00e0 46.50.<\/p>\n<p>Just in dieser noch-frommen Zeit erreicht uns d\u00fcstere Kunde:<\/p>\n<p>Beim Amtsgericht zu Wittenberg ist Klage gegen die Stadtkirchengemeinde eingereicht worden. Der Kl\u00e4ger: Michael Dietrich D\u00fcllmann, ein Mitglied der Synagoge Sukkat Schalom der J\u00fcdischen Gemeinde Berlin.<\/p>\n<p>Er schreibt, dass das in rund vier Meter H\u00f6he angebrachte Sandsteinrelief am S\u00fcdostfl\u00fcgel von Luthers Kirche \u201eden objektiven und subjektiven Tatbestand der Beleidigung\u201c erf\u00fclle. Das Teil, im Volksmund die \u201eJudensau\u201c, soll weg. Es sei eine in Stein gehauene Beleidigung.<\/p>\n<p>Angeh\u00f6rige der j\u00fcdischen Konfession w\u00fcrden \u201eerniedrigt, diffamiert und als unerw\u00fcnscht gebrandmarkt und ausgegrenzt\u201c. Der Stadtkirchengemeinde wird vorgeworfen, dass sie durch ihr Festhalten an der \u201eJudensau\u201c die \u201ebeleidigende Wirkung dieser Schm\u00e4hskulptur zumindest billigend in Kauf nimmt\u201c.<\/p>\n<p>Die Entscheider der Kirche winden sich ein wenig: \u201eGeschichte soll nicht versteckt werden und Geschichtsvermittlung gelingt am eindr\u00fccklichsten am authentischen Ort. Das ist ein immer auch schmerzlicher und paradoxer Prozess, weil etwas Negatives etwas Positives bewirken soll: Ein antijudaistisch motiviertes Sandsteinrelief warnt vor den Gefahren und Folgen einer abwertenden und ausgrenzenden Haltung in Kirche und Gesellschaft.\u201c<\/p>\n<p>Also: Nichts entschieden in der Causa \u201eJudensau\u201c.<\/p>\n<p>Macht nichts. Kommt in die Schublade \u201eWiedervolage\u201c. Da haben wir zum Beispiel \u201eStuttgart 21\u201c, den Flughafen Sch\u00f6nefeld zu Berlin, die Baustellen am Berliner Ring oder Regierungsbildung\u2026<\/p>\n<p>Das Land hat Geduld, echt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>xxx<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Mutter hatte mit Gott nichts zu schaffen. Sie kam zur Welt, war ein Kind der Natur, lebte, Tag f\u00fcr Tag, mal lachend, mal k\u00e4mpferisch. Sie machte sich keine Gedanken \u00fcber das Leben nach dem Tod. Fast 80 Jahre hat sie z\u00e4h und gut gelebt. Sie betete nicht, sie ging nicht in die Kirche, sie regte sich nicht \u00fcber den Papst auf.<\/p>\n<p>Mit 80 brach der Krebs aus. Er war \u00fcberall und t\u00f6tete die Frau. Sie hat sich gegen die Qualen gewehrt. Das Fromm-Sein fing sie in diesem Jahr nicht mehr an.<\/p>\n<p>Die Mutter war eine kleine querk\u00f6pfige Frau, der die Liebe Gott nichts anhaben konnte.<\/p>\n<p>Der Vater hatte da schon mehr zu schaffen mit sich selbst. Er w\u00e4re ja gerne der K\u00fchle, der \u00dcberlegene gewesen. Sebastian Krohn br\u00fcstete sich gern mit seinem Unglauben. Er gab sich als couragierter Nachdenker aus. Er spielte den Epikureer und den smarten Lebens-K\u00f6nner.<\/p>\n<p>Aber diese Jahreszeit, die Tage vor und nach Heiligabend, schubste den erfolgreichen Sebastian Krohn aus der Spur.<\/p>\n<p>Hans erinnert sich an den Abend, als er verschwand. Zur Bescherung gab es keinen Vater. Hans bekam die Ritterburg, die er sich gew\u00fcnscht hatte, die Mutter spielte ein bisschen mit ihm, dann zog sie sich mit einem Buch zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Sp\u00e4t in der Nacht kam dann der Vater. Sehr betrunken, der Sportwagen vor dem Haus hatte eine Delle.<\/p>\n<p>Vater war zwei Tage im Bett.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter erfuhr Krohn, dass an diesem Abend der Vater in der N\u00e4he der Wieskirche einen Unfall verursacht hatte, nachdem er die Mitternachtsmesse besucht hatte. Ein paar Monate, bevor er starb, erz\u00e4hlte auch der alte Mann von dieser Nacht.<\/p>\n<p>Er war zur Wallfahrtskirche gefahren, weil die Wirtschaften schlossen. Was also sollte er Anderes tun, als in der letzten Reihe eines Gotteshauses zu flennen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>*\u201c2017\u201c beginnt in der Kalenderwoche 38 des Jahres 2017 und endet am 31. Dezember. Thema: 105 Tage Deutschland. Unterwegs in der \u201eHeimat\u201c.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e2017\u201d*, Folge 92, 18. Dezember. \u201cDurchs Land\u201d\/XXXIII &nbsp; Wittenberg. Noch verkauft sich Luther \u2013 sein Jubil\u00e4umsjahr haben wir ja, ohne gro\u00df R\u00fclpsen und Furzen, ganz ordentlich verdaut . In Wittenberg schlagen sie noch einmal Penunzen aus dem Kirchenmann. Es gibt: Luther-Baumschmuck \u00e0 20.90 Euro. Mini-Adventskalender, 3.95. Weihnachts-Postkarte, 1,00. Flip-Flops, 15.17. Badeente, 6.95. Playmobil-Luther, 2.95. 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