{"id":3452,"date":"2017-12-17T20:05:44","date_gmt":"2017-12-17T20:05:44","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3452"},"modified":"2017-12-17T20:06:41","modified_gmt":"2017-12-17T20:06:41","slug":"blender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/blender\/","title":{"rendered":"BLENDER"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>\u201e2017\u201d*, Folge 91, 17. Dezember. \u201cDurchs Land\u201d\/XXXII<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dessau. Grauer, nasskalter Tag. Tr\u00fcbe Stimmung, nicht aufgeheitert durch den Besuch des Bauhaus-Museums. Keine Freude an Schlemmer und Scheper, St\u00f6lzl, Werner, Breuer, Meyer oder Pohl. Schlechter Kaffee, br\u00f6sliges Geb\u00e4ck.<\/p>\n<p>Am Bahnhof die Sonntagszeitungen und die \u201eZeit\u201c gekauft.<\/p>\n<p>Das h\u00e4tte Hans Krohn besser nicht getan.<\/p>\n<p>Die \u201eZeit\u201c macht ihn zornig. Genauer gesagt: Das \u201eZeit Magazin\u201c m\u00f6chte er in die Tonne treten.<\/p>\n<p>Der Kollege J\u00fcrgen Teller knipst Schulkinder in Bubenreuth, die die \u201eBilder des weltber\u00fchmten Fotografen\u201c nachstellen. Krohn kann\u2019s nicht begreifen: Er sieht unbegabte Bilder, er erinnert sich an eine Fake-Ausstellung im Berliner Gropius-Bau, er hat den unappetitlichen J\u00fcrgen Teller vor Augen: einen K\u00fcnstler-Darsteller, der es dreist zum Weltruhm geschafft hat.<\/p>\n<p>Krohn hat mal ein Interview gelesen, in dem Teller sagte:<\/p>\n<p>\u201eEin Gro\u00dfteil der Fotos ist in und um mein neues, 70 Meter langes, doppelst\u00f6ckiges Studio in North Kensington herum entstanden. Ich habe drei H\u00e4user dort reingebaut, mit K\u00fcche, Sauna, Bibliothek. Zwei G\u00e4rten angelegt, B\u00e4ume gepflanzt. Die ganze Stra\u00dfe musste f\u00fcr einen Tag gesperrt werden, weil sie mittels eines Krans \u00fcbers Dach gehievt werden mussten. Das hat mich so viel Geld gekostet, dass ich dachte: Dann muss ich die B\u00e4ume unbedingt fotografieren. So steckt immer eine Geschichte hinter jedem Foto. Im Englischen gibt es das Wort \u201estoryteller\u201c. Es geht auch um Geschichten aus meinem Leben. Ja, es ist ziemlich komplex, schwierig, ernst, lustig und nachdenklich zugleich.\u201c<\/p>\n<p>Uihh, m\u00f6gen da viele sagen, wenn sie das lesen.<\/p>\n<p>Hans Krohn kriegt das Kotzen. Er denkt:<\/p>\n<p><em>Noch einer wie mein Vater.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>xxx<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sebastian Krohn.<\/p>\n<p>Architekt.<\/p>\n<p>Der teuerste im Land.<\/p>\n<p>Lie\u00df sich nicht in die Karten gucken.<\/p>\n<p>Behauptete, er sei der Beste.<\/p>\n<p>Behauptete, er habe eine Vision.<\/p>\n<p>Behauptete, ihm gehe es um sch\u00f6ne H\u00e4user und nicht ums Geld.<\/p>\n<p>Lie\u00df keine Anderen neben sich bestehen.<\/p>\n<p>Lernte vor \u00f6ffentlichen Auftritten zwei exotische Fremdw\u00f6rter, die er dann geschickt in seinen Ausf\u00fchrungen unterbrachte. Alle sagten: Uihh!<\/p>\n<p>Dabei hatte er keine Ahnung. Aber das wussten nur seine Frau und er.<\/p>\n<p>Er war ein Kaiser ohne Kleider \u2013 aber alle schrieen:<\/p>\n<p>UIHH!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>*\u201c2017\u201c beginnt in der Kalenderwoche 38 des Jahres 2017 und endet am 31. Dezember. Thema: 105 Tage Deutschland. Unterwegs in der \u201eHeimat\u201c.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e2017\u201d*, Folge 91, 17. Dezember. \u201cDurchs Land\u201d\/XXXII &nbsp; Dessau. Grauer, nasskalter Tag. Tr\u00fcbe Stimmung, nicht aufgeheitert durch den Besuch des Bauhaus-Museums. Keine Freude an Schlemmer und Scheper, St\u00f6lzl, Werner, Breuer, Meyer oder Pohl. Schlechter Kaffee, br\u00f6sliges Geb\u00e4ck. Am Bahnhof die Sonntagszeitungen und die \u201eZeit\u201c gekauft. Das h\u00e4tte Hans Krohn besser nicht getan. 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