{"id":3445,"date":"2017-12-15T16:42:38","date_gmt":"2017-12-15T16:42:38","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3445"},"modified":"2017-12-15T16:42:38","modified_gmt":"2017-12-15T16:42:38","slug":"eve-traumt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/eve-traumt\/","title":{"rendered":"EVE TR\u00c4UMT"},"content":{"rendered":"<p><b><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201e2017\u201d*, Folge 89, 15. Dezember. \u201cDurchs Land\u201d\/XXX<\/span><\/i><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Merseburg. Im Stadtrat geht\u2019s rund. #Streit. #Angst. #Schulden. #Stadt am Abgrund.<\/p>\n<p><b>&#8220;<\/b>Merseburg bezaubert&#8221; steht auf der Homepage. Und weiter: &#8220;Merseburg gilt manchem als Mutter der mitteldeutschen St\u00e4dte. Diese Zuschreibung verdankt die Stadt an der Saale einer Person: Bischof Thietmar von Merseburg (1009 &#8211; 1018). Bereits in seiner Bibliothek m\u00fcssen sich die Merseburger Zauberspr\u00fcche befunden haben &#8211; die \u00e4lteste althochdeutsche Handschrift mit heidnischem Inhalt.\u201c<\/p>\n<p>36500 Einwohner. 222 Kilometer Geh- und Radwege. 48 Br\u00fccken. Elf Schulen. Eine Schwimm-, eine Turnhalle. 1037 G\u00e4stebetten. 1891 Gewerbeanmeldungen.<\/p>\n<p>Bezaubernde Stadt, gell?<\/p>\n<p>\u201eOb Sie schwimmen, kegeln oder skaten wollen, ob Sie ein Buch lesen oder ein Konzert erleben m\u00f6chten, ob Sie in einer der wundersch\u00f6nen Parkanlagen spazieren oder lieber den Saale-Rad-Wanderweg per Rad erkunden wollen &#8211; in Merseburg ist es m\u00f6glich. Mit einer Flo\u00dffahrt und eigenem Boot k\u00f6nnen Sie Merseburg auf dem Wasserwege erkunden. Ein besonderer H\u00f6hepunkt f\u00fcr jeden Gast sind die Merseburger Kelleranlagen, die einen Einblick in das unterirdische Merseburg bieten. Wenn Sie wollen, k\u00f6nnen Sie zum Abschluss der Besichtigung ein von Merseburgern selbst ausgew\u00e4hltes Merseburger Kellerbr\u00e4u genie\u00dfen. Merseburger Biergeschichten gibt es gratis dazu.\u201c<\/p>\n<p>Hui! Wie toll! Es kommt noch besser.<\/p>\n<p>\u201eVom 2. bis zum 3. Advent bilden der Renaissance-Schlosshof und der Domplatz die zauberhafte Kulisse f\u00fcr die Merseburger Schlossweihnacht. Der Duft von Feuerzangenbowle und Gl\u00fchwein mischt sich auf besondere Weise mit dem aus weihnachtstypischem Naschwerk, Geb\u00e4ck und Gebratenem. Dazu zauberhafte Kinderkarussells und ein Warenangebot, das dieser Jahreszeit gerecht wird &#8211; fertig ist ein Handelsmarkt, der kaum W\u00fcnsche offen l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p>Auf diesem Weihnachtsmarkt h\u00e4tten es sich nun die Stadtr\u00e4te bei Gl\u00fchwein und Gesottenem gutgehen lassen wollen. Wurde nichts draus \u2013 die Herrschaften haben m\u00e4chtig \u00c4rger.<\/p>\n<p>Sie m\u00fcssen ein Haushaltsloch stopfen. 2,1 Millionen Euro fehlen. Was tun?<\/p>\n<p>Die Stadt plant die Erh\u00f6hung von Hunde-, Vergn\u00fcgungs- und Grundsteuer. Im Finanz- und Hauptausschuss sind die Vorhaben durch, der Stadtrat wird sie vermutlich abnicken.<\/p>\n<p>Jetzt kriegen sie aber Angst vor der eigenen Courage.<\/p>\n<p>\u201eWenn wir die Grundsteuer wie geplant erh\u00f6hen, sind wir der Spitzenreiter in Sachsen-Anhalt und wir machen die Attraktivit\u00e4t der Stadt kaputt\u201c, unkt CDU-Stadtrat Bernd Seifert. Um die Grundsteuererh\u00f6hung zu verhindern, hatte sich eine Arbeitsgruppe die Ausgaben der Stadt f\u00fcr Dienstleistungen Dritter vorgenommen, um nach Einsparm\u00f6glichkeiten zu suchen. Gefunden wurde allerdings fast nichts, was eingespart werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Doch wo soll denn nun gespart werden? Bei den freiwilligen Aufgaben wie Bibliothek oder Schwimmhalle? Oder kommt doch die Grundsteuererh\u00f6hung, die alle gleicherma\u00dfen treffen w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Die Stadtr\u00e4te brauchen den Gl\u00fchwein vor allem zum gem\u00fctlichen Vergessen.<\/p>\n<p>\u201eDas ist nicht der Weg, der uns in die Zukunft f\u00fchrt\u201c, zeigt sich Bernd Seifert sehr emotional. \u201eUnd eins sage ich Euch &#8211; ich will, dass diese Stadt lebenswert bleibt, sonst trete ich als Stadtverordneter zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>#Zukunft. #Nein danke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>xxx<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rh\u00f6n und Rheinland, Hunsr\u00fcck und Hessen \u2013 die heimatlose \u00dcberlebenssippe ist h\u00fcbsch herum gekommen in den Jahren nach dem Krieg. Von verlassenem Gasthof zu \u00f6der Wirtschaft, von einer Entt\u00e4uschung zur n\u00e4chsten. Eves Mutter hat sich nicht entmutigen lassen. Sie packte Kind und Krempel (es wurde immer weniger, was sie besa\u00dfen) zusammen und zog weiter.<\/p>\n<p>Irgendwann waren sie in einem kleinen bayerischen Dorf angekommen. Der Gasthof hie\u00df \u201eZum Hirschen\u201c, das Nachbargeb\u00e4ude war die Kirche. Die Leute aus dem Dorf mochten die neue Wirtin, sie war eine patente Frau, die auch Raufereien im Schankraum schlichten konnte. Eines Tages stand auch wieder der Vater in der Stube, hatte aus der Gefangenschaft zur\u00fcck gefunden. Er war nicht mehr der Mann von fr\u00fcher, das Unbeschwerte hatte er im Krieg gelassen. Aber er betrank sich nicht zu oft und \u00fcberlie\u00df seiner Frau das Regiment.<\/p>\n<p>Eve durfte endlich eine Lehre als Sekret\u00e4rin beenden. Sie lachte viel, sie war ein Sonnenschein. Es gab niemanden, wirklich niemanden, der sie nicht mochte. Das Mindeste war, dass man sagte, mit der jungen Frau k\u00f6nne man Pferde stehlen.<\/p>\n<p>Eve kaufte neue Skier und gewann im Winter viele Rennen. Sie freute sich wie ein Kind \u00fcber Siege. Nach St\u00fcrzen oder schlechten Fahrten lachte sie die Entt\u00e4uschung weg.<\/p>\n<p>Sie tr\u00e4umte von einem heiteren Leben. Sie w\u00fcrde nicht viel brauchen. Einen Apfel und einen Kanten Brot im Rucksack. Freunde, mit denen sie auf die Berge steigen konnte. Das Zusammensein mit den Sportkameraden nach den Wettk\u00e4mpfen. Sp\u00e4ter w\u00fcrde sie Kinder bekommen und einen braven Mann haben. Vielleicht ging er sogar mit auf die Berge.<\/p>\n<p>Musste aber nicht sein. Nett w\u00e4re ihr Mann, immer galant. Er w\u00fcrde sich um die Kinder k\u00fcmmern, und sie k\u00f6nnte zu ihm aufschauen.<\/p>\n<p>Einen Langweiler wollte sie nicht. Doof sollte er auch nicht sein. Er sollte ihr keine Sorgen machen, dann w\u00fcrde man gemeinsam fr\u00f6hlich alt werden. Enkel w\u00fcrde man haben, an den Feiertagen einen guten Braten auf dem Tisch, vielleicht sogar mal ein Auto\u2026<\/p>\n<p>Ach, sie wollte das Tr\u00e4umen nicht \u00fcbertreiben.<\/p>\n<p>W\u00e4re ja schon wundervoll, wenn ihr K\u00fcnftiger sie lieb haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dann traf sie Sebastian.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">*\u201c2017\u201c beginnt in der Kalenderwoche 38 des Jahres 2017 und endet am 31. Dezember. Thema: 105 Tage Deutschland. Unterwegs in der \u201eHeimat\u201c.<\/span><\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e2017\u201d*, Folge 89, 15. Dezember. \u201cDurchs Land\u201d\/XXX &nbsp; Merseburg. Im Stadtrat geht\u2019s rund. #Streit. #Angst. #Schulden. #Stadt am Abgrund. &#8220;Merseburg bezaubert&#8221; steht auf der Homepage. Und weiter: &#8220;Merseburg gilt manchem als Mutter der mitteldeutschen St\u00e4dte. 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