{"id":3441,"date":"2017-12-13T20:48:47","date_gmt":"2017-12-13T20:48:47","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3441"},"modified":"2017-12-13T20:48:47","modified_gmt":"2017-12-13T20:48:47","slug":"stillgehalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/stillgehalten\/","title":{"rendered":"STILLGEHALTEN"},"content":{"rendered":"<p><b><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201e2017\u201d*, Folge 87, 13. Dezember. \u201cDurchs Land\u201d\/XXVIII<\/span><\/i><\/b><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Zeutsch. Dass er auch noch kochen kann, findet sie bemerkenswert. Ihr Ex hat nicht einmal gern gegessen. Der hat sich dreimal am Tag ges\u00e4ttigt, dazu das Bier \u2013 mehr war da nicht.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Und jetzt einer wie Hans Krohn! Der steht ganz selbstverst\u00e4ndlich an der Arbeitsplatte, schnippelt und sch\u00e4lt, mixt und kocht und k\u00f6chelt, er hat Spa\u00df daran.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Sie sitzt in ihrer K\u00fcche, sieht dem fremden Mann zu und wird ganz wuschig.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Es gibt was Italienisches, das macht nicht viel M\u00fche. Er gie\u00dft den Barolo behutsam ein, nicht randvoll, er hat Manieren.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cDas seiner wie Du solo ist \u2013 ich kann das gar nicht glauben.\u201d<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Ach, sagt er, er habe so viele Marotten, er sei ganz gerne f\u00fcr sich. Es habe irgendwie nie gepasst mit den festen Beziehungen. Und die Ehe habe ihn g\u00e4nzlich verdorben.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cSchade.\u201d<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Er ringelt ein Nudel-Nest auf den Teller, hebt eine Filetscheibe drauf, zeichnet mit leichter Hand einen So\u00dfenspiegel, drapiert mit dem al-dente-Gem\u00fcse. Er serviert.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Sie k\u00fcssen sich \u2013 und das Essen wird kalt.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Schmeckt hernach auch so.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Sp\u00e4ter sind sie satt und haben sich f\u00fcrs Erste beruhigt. Sie sind umgezogen in ihr Schlafzimmer, lieben sich vorsichtig und ohne Hast. Danach trinken sie einen Schluck (bei ihr macht ihm der Alkohol keine Angst, er ist beschwingt, wird sich aber nicht betrinken), liegen kreuz und quer auf dem Bett.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Er hat den Kopf in ihrem Scho\u00df, er ist ohne Furcht, denkt nicht an gestern und morgen. Sie streicht ihm \u00fcber die Haare wie einem Kind.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cDu bist ein seltsamer Mensch.\u201d<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Wie sie das meine?<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cSo eine gescheiter Kerl. Aber Du machst nichts aus Dir.\u201d<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Halt mal! Er habe Preise gewonnen. Sei mal ein bekannter Fotograf gewesen, er habe\u2026<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cJaja, hast Du ja erz\u00e4hlt. Aber dann hast Du Dir alles selbst kaputt gemacht. Warum hast Du nicht mehr aus der Zeit nach Laasdorf gemacht?\u201d<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Es habe ihn gelangweilt. Immer wieder wollte man von ihm die Fotos aus dieser untergehenden DDR sehen wollen. Eine Reportage aus einem Edelpuff in Leipzig. Fotos aus der Leichtathletik-Doping-Schmiede in Zinnowitz. Ein Mauermarsch von der Ostsee bis nach Tschechien. Alleen-Sch\u00f6nheiten in der Mark. Nackte Ossi-Tussis f\u00fcr den \u201cPlayboy\u201d\u2026<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Es wurde zuviel. Er schloss mit der DDR ab.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cDas war ein Fehler\u201d, sagt die Wirtin. \u201cDu h\u00e4ttest noch viel Kohle verdienen k\u00f6nnen. Oder?\u201d<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Ja. <\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cBist Du sicher, dass Du abgeschlossen hast? Oder biste nur weg gelaufen?\u201d<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Seltsam, dass sie das fragt. Auf der Br\u00fccke von Laasdorf ist ihm durch den Kopf gegangen, dass er damals versagt hat. Er hat sich erinnert, dass er zum Beispiel nichts aus seinem M\u00fcnchner Archivfund gemacht hat.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">In der Staatsbibliothek ist er auf den Text gesto\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cAus dem <\/span><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Tagebuch des Rittmeisters von Colomb &#8211; \u00a0Streifz\u00fcge 1813 und 1814\u201c, hei\u00dft das Buch, herausgegeben 1854 zu Berlin bei Mittler und Sohn. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">F\u00fcr den <\/span><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">22 Mai 1813 beschreibt der Autor seinen kleinen Kriegszugs-Knockout gegen den Feind in Laasdorf.<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Gegen sieben Uhr zeigte sich, hinter dem Dorfe Laasdorf hervorkommend, die Avantgarde, die zwischen zwei- und dreihundert Pferde stark war, dieser folgten Maultiere mit gro\u00dfen Decken und mehrere Mamelucken.<\/span><\/i><\/p>\n<p align=\"center\"><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Dann kam eine Reihe von Wagen, vor und neben welchen Infanterie marschierte, die ich auf ein Bataillon sch\u00e4tzte.<\/span><\/i><\/p>\n<p align=\"center\"><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">F\u00fcr den Augenblick war also nichts zu tun, doch da die Chaussee nicht fern von diesem Punkt in eine tiefe Schlucht und dann in die engen Stra\u00dfen des St\u00e4dtchens Roda f\u00fchrt, so konnte angenommen warden, dass, wenn die Avantgarde und ein Teil der Wagen in den engen Gassen steckten, man vom Ende der Kolonne her etwas wegfischen k\u00f6nne.<\/span><\/i><\/p>\n<p align=\"center\"><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Nachdem etwa 60 Wagen vorbei waren, trennte ich die Kolonne, und die, welche sich vor uns befanden, hielten, w\u00e4hrend die anderen fortfuhren und wegen der Biegung der Stra\u00dfe um eine H\u00f6he bald nicht mehr gesehen warden konnten.<\/span><\/i><\/p>\n<p align=\"center\"><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Nun schien der rechte Augenblick gekommen. Ich schickte Leopold von Katte mit 30 Pferden links durch den Wald, mit dem Auftrag, zu tun, was die Umst\u00e4nde erheischten oder zulie\u00dfen. Denn da das Ende der Kolonne nicht zu sehen war, konnte ich ihm keinen bestimmten Befehl geben.<\/span><\/i><\/p>\n<p align=\"center\"><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Zugleich hielt ich auf einem Seitenweg von der H\u00f6he hinunter der M\u00fchle zu, fand aber die Furt ganz anders, als ich sie erwartet hatte. Man konnte nur einzeln durch reiten und musste auf einem Steig f\u00fcr das Vieh, zwischen zwei B\u00e4umen hindurch, das steile Ufer ersteigen.<\/span><\/i><\/p>\n<p align=\"center\"><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Ich ritt hinauf und befand mich kaum 300 Schritt von der Stra\u00dfe, zwischen der und mir ein schmaler Streifen Wiese und au\u00dferdem Acker lag. Ich lie\u00df den S\u00e4bel einstecken und einzeln heraufreiten.<\/span><\/i><\/p>\n<p align=\"center\"><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Der Feind schien uns nicht zu beachten, dann wurde er doch aufmerksam.<\/span><\/i><\/p>\n<p align=\"center\"><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Nun war nichts \u00fcbrig, als mit dem, was oben war, vorzugehen, doch kaum waren wir einige Schritte in die Wiese hinein gegangen, als die Pferde bis an die Kniee einsanken, sodass wir nur langsam hindurch kommen konnten. Zuerst sah uns die feindliche Infanterie verwundert an und schien ungewiss, ob wir Feind oder Freund w\u00e4ren, ergriff aber bald die zusammengesetzten Gewehre.<\/span><\/i><\/p>\n<p align=\"center\"><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Gleichzeitig hatten wir festen Boden gewonnen. Das Kommando \u201cGewehr auf! Marsch! Marsch!\u201d &#8211; und im schnellsten Lauf drauf, das war die Sache weniger Augenblicke.<\/span><\/i><\/p>\n<p align=\"center\"><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Die Baskets hatten mich erkennen lassen, dass wir Rheinb\u00fcndner, W\u00fcrttemberger oder Bayern vor uns hatten. Ich rief ihnen zu \u201cWerft die Gewehre weg, und Ihr sollt alle Pardon haben\u201d \u2013 und wie auf ein Kommando legten 54 Mann die Gewehre nieder, ohne einen Schuss zu tun.<\/span><\/i><\/p>\n<p align=\"center\"><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Ein Beweis, wie \u00dcberraschung wirkt.<\/span><\/i><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Er sieht die Wirtin an.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cIch h\u00e4tte wirklich mehr aus dem machen sollen, was ich hier erlebt habe.\u201d<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Die Hexenverfolgungen. Der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg. Goethe und Schiller in der Nachbarschaft. Napoleon. Zeiss. Krieg I und Krieg II. Die Bomben 1945. Die grauen 40 Jahre.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Deutschland. Laasdorf. Und er, Hans Krohn, am Ausl\u00f6ser.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Er hat nicht abgedr\u00fcckt.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Wie so oft:<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Keine Courage! Feigheit vor sich selbst. <\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cDas stimmt nicht\u201d, sagt die Wirtin und r\u00e4kelt sich. \u201cDu bist nicht feig.\u201d<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Jetzt ist es an ihm. Ran an die Frau!<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">xxx<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Wenn er ihm wenigstens mal eine Watschn verpasst h\u00e4tte! Er h\u00e4tte ihn auch anbr\u00fcllen d\u00fcrfen, das w\u00e4re okay gewesen.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Doch Sebastian Krohn tat\u2019s nicht. Er lie\u00df seinen Sohn in Ruhe. <\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Vor dem privaten Sebastian Krohn hatten sie Bammel \u2013 obwohl er sich doch nicht im Ton vergriff. Er war von einem leisen Zorn. Er beobachtete die Menschen und wartete, bis sie schutzlos waren. Dann sagte er ihnen Dinge, die weh taten.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Darin war er ein Gro\u00dfer.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Seine Frau hielt still. Sie schrieb seine wichtigen Briefe ins Reine, sie k\u00fcmmerte sich um den Haushalt, regelte die Gesch\u00e4fte mit Handwerkern und Steuerpr\u00fcfern. Sie erfand Ausreden, wenn er zu sehr gesoffen hatte (und das geschah immer \u00f6fter). Sie war charmant, lebenst\u00fcchtig und immer freundlich. Sie war die perfekte Familie.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Ansonsten hielt sie still.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Krohn senior w\u00e4re verloren gewesen ohne seine Frau. Er musste sie besitzen. Kein Fitzelchen von ihr r\u00fcckte er raus.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Einmal lernte sie beim Skifahren eine gleichaltrige Frau kennen. Agnes. Auch Mutter, auch lebenszugewandt, auch ohne Laster. Geschieden. Der Lebensgef\u00e4hrte: ein Arschloch.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Eine neue Freundin. Die erste Freundin seit Jahrzehnten.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Eve bl\u00fchte auf.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Sie ging mit Agnes ins Kino, sie besuchten Konzerte, fuhren nach M\u00fcnchen zum Einkaufsbummel. Einmal kam Eve sogar mit einem Schwips vom Italiener zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Sebastian Krohn platzte der Kragen, als Agnes ihrer Freundin ein Herm\u00e8s-Tuch schenkte. Es war das erste Mal, das Hans seinen Vater erlebte, wie der br\u00fcllte.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cWas hei\u00dft da, Du hast Geburtstag? Die Frau hat Dir nichts zu schenken. Das tue ich \u2013 und kein Anderer. Verstehst Du?\u201d<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Er riss seiner Frau das Tuch \u2013 es war in pastellzarten Rosat\u00f6nen gehalten und kleidete Eve allerliebst \u2013 aus den H\u00e4nden und versuchte es zu fleddern. Es gelang nicht so recht, das Textil hielt stand. Er kn\u00fcllte es zusammen und schmiss es in den M\u00fcllk\u00fcbel in der K\u00fcche.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cDas passiert in meinem Haus nie wieder\u201d, schrie Sebastian Krohn und hatte ein ungesund-bl\u00e4uliches Gesicht.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201cNie wieder.\u201d<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Agnes war von diesem Tag an persona non grata.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Und Frau Krohn hielt wieder einmal still..<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">*\u201c2017\u201c beginnt in der Kalenderwoche 38 des Jahres 2017 und endet am 31. Dezember. Thema: 105 Tage Deutschland. Unterwegs in der \u201eHeimat\u201c.<\/span><\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e2017\u201d*, Folge 87, 13. Dezember. \u201cDurchs Land\u201d\/XXVIII \u00a0 Zeutsch. Dass er auch noch kochen kann, findet sie bemerkenswert. Ihr Ex hat nicht einmal gern gegessen. Der hat sich dreimal am Tag ges\u00e4ttigt, dazu das Bier \u2013 mehr war da nicht. Und jetzt einer wie Hans Krohn! 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