{"id":3421,"date":"2017-12-07T13:33:21","date_gmt":"2017-12-07T13:33:21","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3421"},"modified":"2017-12-07T13:33:21","modified_gmt":"2017-12-07T13:33:21","slug":"scheinheilige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/scheinheilige\/","title":{"rendered":"SCHEINHEILIGE"},"content":{"rendered":"<p><b><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; line-height: 150%; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201e2017\u201d*, Folge 79, 5. Dezember. \u201cDurchs Land\u201d\/XXI.<\/span><\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>N\u00fcrnberg. Hier, in der Weststadt, ist der Mann aufgewachsen. Er hat seinen Eltern, die ein kleines Baugesch\u00e4ft bewerkelten, immer Freude gemacht. Hat zwar eine gro\u00dfe \u201eBabbn\u201c gehabt, war immer schon ein Protzkopf. Aber er hat auch Leistung gebracht. Einser-Abi, Staatsexamen, Stipendium an einer konservativen Lehranstalt, Staats-, Verwaltungs- und Kirchenrecht hat er studiert und ist ein umtriebiger Journalist geworden.<\/p>\n<p>1991 lernte er in einem Sonnenstudio die Angestellte Ulrike B. kennen. Man telefonierte miteinander, man traf sich, sie himmelte ihn an, man trieb so dies und jenes, sie wurde schwanger, sie gebar eine Tochter.<\/p>\n<p>Da machte er sich flugs sich vom Acker.<\/p>\n<p>\u201eMarkus hat das Kind nicht gewollt. Als ich ihm von der Schwangerschaft erz\u00e4hlt hatte, hat er mir gesagt, dass er mich auf keinen Fall heiraten werde. Ich glaube, ich war ihm wohl zu arm. Au\u00dferdem sei er gerade dabei, eine neue, feste Beziehung aufzubauen\u201c, hat Ulrike B. der \u201eBunten\u201c sp\u00e4ter gesteckt. Da war Markus\u00a0 schon bekannt wie ein scheckiger Hund. Und immer f\u00fcr einen schlechten Spruch gut. N\u00fcrnberg war ihm mittlerweile viel zu eng.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was er so von sich gegeben hat?<\/p>\n<p>Na, da h\u00e4tten wir beispielshalber:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eWenn wir Reformen machen wollen, brauchen wir einen Mannschaftsgeist. Und dieser Mannschaftsgeist ist der Patriotismus.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eSchuld am Zuwachs der NPD ist Schr\u00f6ders (<\/em>Gerhard Schr\u00f6der, deutscher Bundeskanzler<em>) Politik der faulen Hand.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eSchr\u00f6der ist der unglaubw\u00fcrdigste Kanzler, den es je in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gegeben hat. Schr\u00f6der hat nicht nur das Land ruiniert, er l\u00fcgt sich im Moment durchs Land und durch die Fernsehstationen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eIrgendwann muss jeder bei der Mama ausziehen, und die Griechen sind jetzt so weit.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eNicht jeder, der in der Welt unterwegs ist, kann automatisch zu uns kommen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eWir helfen auch den kleinen Bundesl\u00e4ndern, wie Saarland und Berlin, aber halt etwas weniger. Denn bayerisches Geld ist am besten in Bayern aufgehoben.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eDie APO-Opas haben Deutschland in die Krise gef\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eWir m\u00fcssen den Menschen zeigen, was uns Begriffe wie Heimat, Tradition, Brauchtum, Nationalhymne und Schulgebet bedeuten.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eWir m\u00fcssen uns auf unsere deutschen Tugenden zur\u00fcckbesinnen: Das sind Flei\u00df, Leistungsbereitschaft, Disziplin, H\u00f6flichkeit und P\u00fcnktlichkeit.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eWir brauchen eine gewisse Orientierung in der Erziehung und in den Schulen. Dazu geh\u00f6rt zum Beispiel Benimmunterricht statt Erlebnis- und Kuschelp\u00e4dagogik. Es ist sinnvoll, auch \u00fcber unsere nationale Identit\u00e4t und deren Symbole zu reden. Daher ist es wichtig, die Nationalhymne aber auch die Bayernhymne zu lernen und zu singen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eIch glaube fest daran, dass Kindersch\u00e4ndern Gerechtigkeit widerfahren wird. Dass sie nie wieder eine Sekunde ihres Lebens verbringen k\u00f6nnen, ohne an das Wimmern und an die \u00e4ngstlichen Augen ihres Kindes denken zu m\u00fcssen. Dass sie nie wieder einen einzigen Funken Gl\u00fcck versp\u00fcren werden. Dass sie jede Nacht von f\u00fcrchterlichen Albtr\u00e4umen geplagt aufwachen. Ich glaube fest daran, weil es einfach so sein muss.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eTrambahn-Schwarzfahrer geh\u00f6ren an einen Internet-Pranger.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eDie Gr\u00fcnen geh\u00f6ren alle zum Drogentest.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eGerhard Schr\u00f6der geh\u00f6rt abgeschafft.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eIn Klassenzimmer geh\u00f6ren Kruzifixe und keine Kopft\u00fccher.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eUnsere Kinder geh\u00f6ren wieder deutsch getauft. Wir haben genug Kevins. Wir brauchen wieder Klaus.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Solche Sachen hat er gesagt, der Markus aus N\u00fcrnberg. Manche sagen, er sei ein scheinheiliger Zeitgenosse, ein windiger Patron, In Bayern sagen Freunde, er sei ein \u201everreckter Hund\u201c.<\/p>\n<p>2017 ist sein Jahr. Endlich &#8211; Anfang Dezember ist\u2019s &#8211; hat er es geschafft, in Bayern jeden wegzubei\u00dfen, der ihm im Weg stand. Nun musste auch der Horst Seehofer dran glauben. Der ist bald nicht mehr Ministerpr\u00e4sident. Den Job wird bald der Markus S\u00f6der machen. Braungebrannt und skrupellos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">xxx<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Krohn Sebastian: ein verreckter Hund. Er hat seinen Weg im fernen D\u00fcsseldorf gemacht. Man schrieb 1955, als er zureiste. Und es dauerte gerade mal ein paar Jahre, da war er einer der vielversprechenden Architekten der Region<\/p>\n<p>40 Jahre sp\u00e4ter traf Hans einen Freund des Vaters. Sie standen stundenlang beim Alt und wurden gespr\u00e4chig.<\/p>\n<p>Ja, der Vatter, das war ein ganz Besonderer, erz\u00e4hlte der \u00e4ltere Herr. Der habe sich nicht bremsen lassen. Einer, der sich die Arbeiten der Erfolgreichen genau ansah. &#8220;Der hat das genauso wie gemacht wie er&#8217;s abgucken konnte, da war er Spezialist.<\/p>\n<p>Vor allem aber hat er sich Liebkind bei den Wichtigen gemacht. Da war er ganz gro\u00df.<\/p>\n<p>Man kann ja von so einem Jungspund nicht erwarten, dass er sofort den ganz gro\u00dfen Wurf landet. Der soll sich erst einmal unterordnen und dann hochdienen.<\/p>\n<p>So ist es normalerweise gewesen, seinerzeit.<\/p>\n<p>Nicht bei Sebastian Krohn.<\/p>\n<p>Er kam als ungehobelter Bayer mit einem preiswerten Anzug von der Stange \u2013 aber nach einem halben Jahr trug er nur noch feinen Zwirn.<\/p>\n<p>Eishockey spielte er immer noch. War wichtig f\u00fcr die Karriere.<\/p>\n<p>Er war der Erste im B\u00fcro und der, der das Licht ausmachte.<\/p>\n<p>Er schaute allen alles ab, kopierte es perfekt \u2013 und schon bald glaubten die Kollegen und Chefs, es sei ihm selbst eingefallen.<\/p>\n<p>\u201eUnd das hat Dir nicht gestunken?\u201c, fragte Krohn.<\/p>\n<p>Der Kollege seines Vaters z\u00f6gerte. \u201eJa doch, es hat genervt. Aber Dein Vater hat es mit dem Chef gekonnt. Dem hat er die besten Karten f\u00fcrs Eishockey hinterlegen lassen, sogar in die Kabine ist der Boss nach den Spielen gegangen. Daf\u00fcr sind die Beiden dann unter der Woche zum Mittagsessen. Das konnte sich Dein Alter nicht leisten, hat alles der Chef bezahlt. Und da haben sie dann an den Auftr\u00e4gen rumgedoktert. Keiner von uns hat sich noch gewundert \u2013 auch nicht als dieser Bayer nach zwei Jahren nach ganz oben bef\u00f6rdert worden ist.\u201c<\/p>\n<p>Es war eine bittere Geschichte f\u00fcr viele. Diesem Krohn konnte keiner was. Der machte sich breit wie das Fettauge auf der Suppe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEr hat es sogar in die Wochenschau geschafft.\u201c<\/p>\n<p>Hans Krohn hat sp\u00e4ter den Ausschnitt aus der Wochenschau\u201c organisiert, wollte ihn dem Vater zum 70.en schenken.<\/p>\n<p>Er hat es dann nicht getan.<\/p>\n<p>Da trat ein junger schlanker Mann auf, in dem Krohn nicht den Mann erkannte, der der Familie \u201evorstand\u201c. Das war ein hungriger ausgemergelter Raubmensch im Anzug, der gl\u00fchende Augen hatte und mit r\u00fccksichtsloser Rhetorik \u00fcber die Konkurrenz herzog.<\/p>\n<p>\u201eMir geht es um die Zukunft von Deutschland\u201c, hatte Sebastian Krohn gepoltert. \u201eWie in der Wirtschaft, der Politik, wie in allen Bereichen m\u00fcssen wir auch in der Architektur r\u00fccksichtslos aufr\u00e4umen. Die Epigonen eines Albert Speer haben bei uns nichts zu suchen. Wir bauen ein neues, sch\u00f6nes, heiteres Land. Wir schneiden alte Z\u00f6pfe ab.\u201c<\/p>\n<p>Daf\u00fcr holte er sich dann das Lob des Chefs ab. Der musste es wissen. Schlie\u00dflich hatte er dem gro\u00dfen Schelling assistiert, als dieser sein B\u00fcro in Stra\u00dfburg baute. Dass Schelling Nazi war, wusste man. Na und?<\/p>\n<p>Dass Sebastian Krohn ein Mann ohne Gesinnung war:<\/p>\n<p>Na und?<\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">*\u201c2017\u201c beginnt in der Kalenderwoche 38 des Jahres 2017 und endet am 31. Dezember. Thema: 105 Tage Deutschland. Unterwegs in der \u201eHeimat\u201c.<\/span><\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e2017\u201d*, Folge 79, 5. 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