{"id":325,"date":"2015-01-19T07:36:29","date_gmt":"2015-01-19T07:36:29","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=325"},"modified":"2015-01-19T07:36:29","modified_gmt":"2015-01-19T07:36:29","slug":"wohl-bekomms","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wohl-bekomms\/","title":{"rendered":"WOHL BEKOMM&#8217;S!"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>berlin, 19. januar 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Ja, wo schieben sie denn? Das wissen sie oft selbst nicht, die Besucher der 80.en &#8220;Gr\u00fcnen Woche&#8221; in Berlin. Sie reihen sich in den Mahlstrom der Fress-Freunde ein und sind nicht mehr die Meister ihres Tuns. &#8220;Nimm Dir Zeit&#8221; hei\u00dft es am Eingang. Zeit braucht einer in der Tat auf der &#8220;Gr\u00fcnen Woche&#8221;. Zeit. Ausdauer. Belastbarkeit.<\/strong><\/p>\n<p>Die letzte freie Entscheidung trifft der W\u00f6chner vor dem Betreten der ersten Halle. Nehmen wir mal an, er entscheidet sich f\u00fcr den Gang von S\u00fcd nach Nord. Dann f\u00e4ngt alles mit den wichtigen, grenz\u00fcbergreifenden Themen an (Bio-Bewusstsein, Freundlichkeit zu Tieren, der Schutz von Wald, Wiesen und Wellen), der Gast m\u00fcht sich anschlie\u00dfend im gebremsten Schritttempo einmal um den Globus (wie isst und trinkt es sich in Asien, Afrika oder auch Aserbaidschan?).<\/p>\n<figure id=\"attachment_332\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000937a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-332 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000936-300x298.jpg\" alt=\"P1000936\" width=\"300\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000936-300x298.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000936-150x150.jpg 150w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000936-600x596.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000936.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">Oans, zwoa &#8211; machma Brotzeit. FOTOS: DETLEF VETTEN<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das allein ist ein langer harter Gang. Aber ein &#8220;Gr\u00fcne-Woche&#8221;-Teilnehmer) gibt nicht auf. Der Weg nach Norden f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig nach Hause. Irgendwann, nach Stunden \u2013 die Kinder haben nicht mal mehr Kraft zum Quengeln, die Alten rasten immer \u00f6fter auf Fenstersimsen, die Durstigen lassen sich jetzt schon Biere der seltsamsten Art andrehen -, wird der Durchgang zu Halle 22 gequert\u2026<\/p>\n<p>\u2026Gro\u00dfes Aufatmen: Heimgefunden!<\/p>\n<p>Es gr\u00fc\u00dft ein selbstbewusster bayerischer Landwirtschaftsminister vom \u00fcbermannshohen Plakat, davor rastet eine Trachtenkapelle aus dem Berchtesgadener Land. Die Mannsbilder haben die Instrumente in die Ecke gestellt und widmen sich dem Weizen. Es ist zwar nicht Bayerns Bestes, doch was soll\u2019s? Bier bleibt Bier.<\/p>\n<p>Auf der B\u00fchne pl\u00e4rrt eine hochgeschn\u00fcrte Dame begeistert ins Mikro, dass die Glasbl\u00e4ser des Bayerischen Waldes ihr Handwerk trefflich verstehen, am Grainauer Stand erkl\u00e4rt ein Dirndl die sch\u00f6nsten Mountain-Bike-Routen rund ums Zugspitzmassiv, und der Ort Pottenstein wirbt mit einer potth\u00e4sslichen Sommer-Rodelbahn.<\/p>\n<figure id=\"attachment_334\" aria-describedby=\"caption-attachment-334\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-334 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000942-1-300x246.jpg\" alt=\"P1000942-1\" width=\"300\" height=\"246\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000942-1-300x246.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000942-1-600x491.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000942-1.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-334\" class=\"wp-caption-text\">Alles wurscht &#8211; Hauptsache, das Land verkauft sich gut.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was das mit Essen und Trinken zu tun hat? Wurscht, auf der Nahrungs-Messe geben gern die Touristik-Menschen den Senf dazu. Die Besucher st\u00f6rt es augenscheinlich nicht. Im Schatten des Zugspitzmassivs entern sie im Biergarten Pl\u00e4tze und spielen das \u201eOktoberfest\u201c-Spiel.<\/p>\n<p>Es summt und brummt, die Musik ist sehr laut, Tuben scheppern, Trommeln dr\u00f6hnen. Schw\u00fcl ist es, der Nachbar schwitzt, und das Austreten ger\u00e4t zu einem kleinen Abenteuer.<\/p>\n<p>Eine Halle weiter pr\u00e4sentiert sich Berlin grausig grell und modern, bei den Brandenburgern riecht es nach hei\u00dfem Fett, in Sachsen k\u00e4mpft sich der Mensch durch D\u00fcnste von Sauerkraut und Wurst. Irgendwo will einem eine schwarzhaarige Sch\u00f6nheit einen Fingerhut, gef\u00fcllt mit Sahnelik\u00f6r, aufn\u00f6tigen. Das mutet an wie eine Pr\u00fcfung aus dem &#8220;Dschungelcamp&#8221; \u2013 und es gibt immer wieder Mutige, die den Test bestehen wollen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_331\" aria-describedby=\"caption-attachment-331\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-331 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000934-300x234.jpg\" alt=\"P1000934\" width=\"300\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000934-300x234.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000934-600x468.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000934.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-331\" class=\"wp-caption-text\">Habe die Ehre &#8211; und t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das &#8220;Oktoberfest&#8221;.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mal ehrlich: Dieser &#8220;Gr\u00fcne-Woche&#8221;-Gewaltmarsch ist schon ein Event f\u00fcr die ganz Harten! Fast eine halbe Million Menschen nehmen f\u00fcr 14 Euro Startgeld die Strapazen unterm Funkturm auf sich.<\/p>\n<p>Und sie lieben es.<\/p>\n<p>Silvia Hartmann aus Neuk\u00f6lln ist eine. Am Sonntag wurde sie als Besucherin Nummer 100000 registriert, wurde abgefangen und bekam vom Partnerland Lettland Blumen und einen Pr\u00e4sentkorb mit Quittenbonbons, Apfelchips, K\u00e4se, Honig und dem ber\u00fcchtigten Schnaps &#8220;Riga Black Balsam&#8221;. L\u00e4chelnd \u00fcberstand sie die allf\u00e4llige lettische Volksmusik.<\/p>\n<p>Silvia Hartmann ist eine ganz normale Berlinerin. Will Richterin werden, hat gerade ihr Jurastudium beendet. &#8220;Ich gebe einen Gro\u00dfteil meines Gehalts f\u00fcr gutes Essen aus&#8221;, sagt sie, &#8220;und da lasse ich mich auf der Messe inspirieren.&#8221;<\/p>\n<p>Da scheut sie dann eben auch keine M\u00fchen und ist ebenso z\u00e4h wie der neue Regierende B\u00fcrgermeister der Hauptstadt. Michael M\u00fcller tankt sich durch 27 Stationen. Der asketische Politiker mutet seinem Morgen-Magen ungarische Salami und holl\u00e4ndischen K\u00e4se, Nordseefisch und Bio-Fleisch, Schnaps, Bier und s\u00fc\u00dfen Wein zu. Alles bunt durcheinander und in rasanter Abfolge. Zu Guter Letzt h\u00e4lt er gar noch eine Rede in fast einwandfreiem Deutsch. Dass er aus Lettland &#8220;Lettauen&#8221; macht, goutieren die Umstehenden mit h\u00e4mischem R\u00fclpsen.<\/p>\n<p>Uups, Herr M\u00fcller, so \u2018ne Gr\u00fcne Woche geht an die Substanz, nicht wahr?<\/p>\n<p>In der Tat. Jetzt erstmal ein B\u00e4uerchen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_335\" aria-describedby=\"caption-attachment-335\" style=\"width: 226px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-335 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000939-226x300.jpg\" alt=\"P1000939\" width=\"226\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000939-226x300.jpg 226w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000939-600x798.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/P1000939.jpg 737w\" sizes=\"auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-335\" class=\"wp-caption-text\">Rauschendes Fest, friedvoller Plausch. &#8220;Gr\u00fcne&#8221; Impression.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>berlin, 19. januar 2015 Ja, wo schieben sie denn? Das wissen sie oft selbst nicht, die Besucher der 80.en &#8220;Gr\u00fcnen Woche&#8221; in Berlin. Sie reihen sich in den Mahlstrom der Fress-Freunde ein und sind nicht mehr die Meister ihres Tuns. &#8220;Nimm Dir Zeit&#8221; hei\u00dft es am Eingang. 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