{"id":3239,"date":"2017-10-19T18:39:31","date_gmt":"2017-10-19T18:39:31","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3239"},"modified":"2017-10-19T18:39:31","modified_gmt":"2017-10-19T18:39:31","slug":"habt-euch-lieb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/habt-euch-lieb\/","title":{"rendered":"HABT EUCH LIEB!"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>\u201e2017\u201d*, Folge 26, 13. Oktober.<\/em><\/strong> <strong><em>Der letzte planm\u00e4\u00dfige Flug der Air Berlin \u2013 er kommt aus M\u00fcnchen &#8211; wird am 27. Oktober in Berlin Tegel landen. \u201eWir als Flughafen wollen uns angemessen von der Airline verabschieden\u201c, sagt Flughafensprecher Daniel Tolksdorf. Aha, jetzt werden auch Kapital-Abst\u00fcrze schon gefeiert.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es ist eine f\u00fcrchterliche Woche. Die Mauer ist weg, an einem Donnerstag sackt die Grenze in sich zusammen. Ein bacchantisches Wochenende bricht \u00fcber Berlin herein. Unbedacht lieben sich die Menschen, Ost und West fallen \u00fcbereinander her wie lang Getrennte.<\/p>\n<p>Die Frau meint, man solle sich das unbedingt ansehen. Sch\u00f6neberg liegt ein bisschen weit weg vom Geschehen. Sie will r\u00fcber zum Bahnhof Zoo oder an den Ku\u2019damm, sogar Kreuzberg oder der Wedding gehen noch an. Aber doch nicht Sch\u00f6neberg. Gefeiert wird nun mal anderswo.<\/p>\n<p>Eddy will nicht dahin. Zu gef\u00e4hrlich f\u00fcr Viola, zu viele Menschen \u2013 und \u00fcberhaupt, was soll das Ganze? Pl\u00f6tzlich entdecken die Ostdeutschen, dass sie die Westdeutschen so sehr m\u00f6gen \u2013 und umgekehrt. Da stimmt doch was nicht. Er wird sich nicht anstecken lassen.<\/p>\n<p>\u201e<em>Du<\/em> musst reden. Gerade Du!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas soll das denn hei\u00dfen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGlaubste, ich bin bl\u00f6d? Seit Jahren rennste zu der Schnalle dr\u00fcben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa, ick z\u00e4hl\u2018 nur zwei und zwei zusammen. Ost-Z\u00fcndh\u00f6lzer. S-Bahn-Karten. Deine Klamotten stinken nach Kneipe und billigem Parf\u00fcm. Ich bin nicht von gestern, verstehste. Du kannst ja rum machen, mit wem Du willst \u2013 juckt mich nicht. Aber wenn ich mich jetzt freuen will, wirste mich nicht abhalten. Pass auf Viola auf. Brauchst nicht auf mich warten heute.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist ja nun wirklich nebens\u00e4chlich. Nat\u00fcrlich wartet Eddy nicht. Er schl\u00e4ft ordentlich \u2013 aber wenn er morgens aufwacht, bedr\u00fcckt ihn, dass er im Westen fest h\u00e4ngt. Er w\u00fcrde gerne in die Frankfurter Allee fahren und mit Mandy die Zukunft planen.<\/p>\n<p>Nun, das muss warten. Sp\u00e4testens am Donnerstag sieht man sich. Vielleicht ist es zum letzten Mal dieser Donnerstagstermin. Eddy stellt sich vor, wie das sein wird, wenn man zusammen lebt. Lang ist da nicht mehr hin.<\/p>\n<p>Charly ruft an. Eddy erz\u00e4hlt ihm die Geschichte. Alles. Das Kennenlernen auf der Messe. Die Donnerstage. Das Gef\u00fchl einer gro\u00dfen unerwarteten Liebe. Die Freude auf das, was kommt.<\/p>\n<p>Charly ist baff. Er hat geahnt, dass da etwas mit einer Frau am Laufen ist. Aber mit einer aus der DDR? Das ist undenkbar gewesen. Und dass Eddy die Geschichte so lange f\u00fcr sich behalten konnte.<\/p>\n<p>\u201eSag\u2018 mal, die ganzen Geschichten von wegen Ost-Business und tolle Kontakte \u2013 das hat alles nicht gestimmt?\u201c<\/p>\n<p>Doch, widerspricht Eddy. Sie haben ja eine Menge Gesch\u00e4fte einf\u00e4deln k\u00f6nnen. Und da war Mandy manchmal echt hilfreich. \u201eDu glaubst ja gar nicht, wen die wegen ihrer Arbeit kennt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu wei\u00dft schon, dass ich wegen der Geschichten im Augenblick ein paar Probleme habe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNee. Wie meinste das?\u201c<\/p>\n<p>Vor ein paar Wochen hatten wir so komische Fahnder im Haus. Wirtschaftskriminalit\u00e4t, Zollbestimmungen, so ein Schei\u00df. Die haben \u2018ne Menge Akten mitgenommen. Wollen sich wieder melden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas haben die genau gesucht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eKann ich nicht sagen, ich blick\u2018 da auch nicht durch. Naja, wird schon gutgehn.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Montagabend ist die Frau wieder da. Wenn er sich nicht t\u00e4uscht, l\u00e4chelt sie. Soll sie. Vielleicht hat sie einen gefunden, der sie durchgefickt hat. Aber wer will so eine fette Schlampe schon v\u00f6geln? Vielleicht ein ausgehungerter DDR-Macker, der glaubt, im Westen k\u00f6nnen\u2019s die Frauen besser.<\/p>\n<p>Wie auch immer \u2013 bald ist Donnerstag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>*\u201c2017\u201c beginnt in der Kalenderwoche 38 des Jahres 2017 und endet am 31. Dezember. Thema: 105 Tage Deutschland. Unterwegs in der \u201eHeimat\u201c.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e2017\u201d*, Folge 26, 13. Oktober. Der letzte planm\u00e4\u00dfige Flug der Air Berlin \u2013 er kommt aus M\u00fcnchen &#8211; wird am 27. Oktober in Berlin Tegel landen. \u201eWir als Flughafen wollen uns angemessen von der Airline verabschieden\u201c, sagt Flughafensprecher Daniel Tolksdorf. Aha, jetzt werden auch Kapital-Abst\u00fcrze schon gefeiert. \u00a0 Es ist eine f\u00fcrchterliche Woche. 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