{"id":3206,"date":"2017-10-07T11:40:08","date_gmt":"2017-10-07T11:40:08","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3206"},"modified":"2017-10-07T16:28:54","modified_gmt":"2017-10-07T16:28:54","slug":"vater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/vater\/","title":{"rendered":"VATER"},"content":{"rendered":"<p><b><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201c2017\u201d*, Folge 14, 1. Oktober. Merkur, der Kommunikationsplanet, tritt in die Waage, den Planeten der Liebe<\/span><\/i><\/b><\/p>\n<p><b><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Eddy ist wieder der kleine Edmund. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Spindeld\u00fcrr, von Mai bis Oktober in kurzen Hosen, au\u00dfer bei kirchlichen Festen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Der Edmund vom Forstamt. In der Schule hat er einen Spitznamen. Er ist der \u201eGr\u00fcne\u201c \u2013 da ahnt noch keiner, dass es mal Gr\u00fcne geben wird, mit denen Edmund wunderbar klar kommt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Ein Einzelkind ist er, die Mutter hat ihn sehr lieb. Sie liest mit ihm, er lernt das Kochen und das Fl\u00f6te-Spielen. Sie hilft bei den Hausaufgaben und tr\u00f6stet ihn, wenn er als der \u201eGr\u00fcne\u201c mal wieder Dresche bezogen hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Die anderen Kinder m\u00f6gen den Edmund aus dem Wald nicht besonders. Und sie haben Angst vor seinem Vater. Das ist ein d\u00fcsterer Mensch, der aus dem Nichts auftaucht, wenn die Kinder im Wald etwas bauen oder als Cowboys und Indianer unterwegs sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Pl\u00f6tzlich tritt dann dieser furchteinfl\u00f6\u00dfende F\u00f6rster hinter einer Tanne hervor und br\u00fcllt, dass selbst W\u00f6lfe Rei\u00dfaus nehmen w\u00fcrden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Edmund sieht den Vater nicht sehr oft, der ist eben meistens im Wald. Aber wenn er mal zuhause ist, ist er nicht ganz \u00fcbel. Ein gro\u00dfer Mann mit einem vollen r\u00f6tlichen Bart. Der Vater l\u00e4sst die Axt in gro\u00dfe Tr\u00fcmmer Holz rauschen, dass sie sich verbei\u00dft. Er kann dann alles \u00fcber den Kopf heben und auf den Hackstock wummern lassen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Das Holz zersplittert, schnaufend steht der Vater vor dem Chaos, das er anrichtet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Zackrums!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Der Vater ist sehr stark.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Er redet nicht viel. Wenn er das Holz zerschl\u00e4gt, brummt er seinem Sohn zu (er hat eine Stimme, tief wie das Knurren des B\u00e4ren): \u201eZur\u00fcck, Du musst aufpassen. Das ist gef\u00e4hrlich.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Scheu macht Edmund drei Schritte nach hinten und schaut bewundernd dem Vater bei der n\u00e4chsten Runde zu.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Rrums! Rrrums!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">So ist der Vater:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Rrums! Man darf ihm nicht zu nahe kommen. Gef\u00e4hrlich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Als Edmund zehn ist, l\u00e4sst sein Vater zum ersten Mal N\u00e4he zu. Er nimmt den Sohn mit auf den Hochsitz. Stundenlang hocken sie wortlos da und gucken in den Wald. Edmund mag diese Zeiten. Er h\u00e4ngt seinen Gedanken nach, muss nichts tun, nur still sitzen. Er sp\u00fcrt den Vater neben sich, riecht den feuchten Filz der Lodenjoppe. Manchmal kramt der Vater ein Wurstbrot aus dem Rucksack und gibt es wortlos an den Sohn weiter. Sogar Kaffee darf er trinken, zus\u00e4tzlich zur Limo, die er sich einteilen muss.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Einmal schie\u00dft der F\u00f6rster. Sie stapfen vom Hochsitz durchs Unterholz, bis sie das tote Reh finden. Edmund f\u00fchlt sich elend. Schlimmer kann\u2019s nicht werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Doch, es wird schlimmer. Der Vater schultert das Tier, das sich weich um seine Schultern legt. Zur\u00fcck im Forstamt schlitzt er das Reh auf und entnimmt die Innereien. Edmund ist ganz bang \u2013 er mag gar nicht zusehen, wie das Leben aus dem Tier gezerrt wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Aber der Vater entl\u00e4sst ihn nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">\u201eDu lernst das jetzt. Vielleicht wirst selbst mal ein F\u00f6rster.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Als alles vorbei ist, will Edmund sich in seinem Zimmer verstecken. Die Mutter f\u00e4ngt ihn im Gang ab und fragt, was er habe. Edmund sagt:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">\u201eIch werde nie ein F\u00f6rster. Nie.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman;\">Die Mutter nickt. Wie gut sie doch ihren Sohn versteht.<\/span><\/p>\n<p><b><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/i><\/b><\/p>\n<p><b><i><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">*\u201c2017\u201c beginnt in der Kalenderwoche 38 des Jahres 2017 und endet am 31. Dezember. Thema: 105 Tage Deutschland. Unterwegs in der \u201eHeimat\u201c.<\/span><\/i><\/b><\/p>\n<p><span lang=\"EN-US\" style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201c2017\u201d*, Folge 14, 1. Oktober. Merkur, der Kommunikationsplanet, tritt in die Waage, den Planeten der Liebe \u00a0 Eddy ist wieder der kleine Edmund. 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