{"id":3166,"date":"2017-09-22T18:37:02","date_gmt":"2017-09-22T18:37:02","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3166"},"modified":"2017-09-22T18:37:02","modified_gmt":"2017-09-22T18:37:02","slug":"landlust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/landlust\/","title":{"rendered":"LANDLUST"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>D 2017*, Folge 5. 22. September. Auf nach Berlin!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ein linder Herbsttag. Heute steht in der \u201eBild\u201c, dass es den Menschen in Neuruppin teilteils geht. Die Einen sind zufrieden, weil sie ordentlich leben k\u00f6nnen. Nicht doll, aber sie haben ihr Einkommen. Die Anderen w\u00e4hlen AfD oder gar nicht, weil sie sich verarscht f\u00fchlen. St\u00fctze. Die Rente reicht hinten und vorne nicht. Die Ausl\u00e4nder, \u00fcberall die Ausl\u00e4nder. Frau Merkel und die ganzen Mischpoke sind schuld.<\/p>\n<p>Zum Kotzen ist das alles.<\/p>\n<p>Eine ganze Seite Neuruppin in der \u201eBild\u201c. Das hat man sonst nie \u2013 nicht mal, wenn in der Stadt gemordet wird oder die Rechten alles zu Klump hauen.<\/p>\n<p>An diesem lauen Herbsttag f\u00e4llt es schwer, die Stadt in Richtung Berlin zu verlassen. Neuruppin hat sowas Ruhiges, Harmloses.<\/p>\n<p>Aber es hilft nicht \u2013 die gro\u00dfe Stadt wartet schon. Und so nimmt der Reisende seinen Weg s\u00fcdw\u00e4rts auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Ausgestreckt am H\u00fcgelabhang, den Wald zu H\u00e4upten, den See zu F\u00fc\u00dfen, so tr\u00e4umst du hier, bis die wachsende Stille dich erschreckt. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>R\u00e4tselmusik der Einsamkeit. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Aus dem Walde klingt es, als w\u00fcrden Geigen gestrichen, und nun schweigt es, und ein fernes, fernes L\u00e4uten beginnt. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Wer will sagen, wenn er die Ruppiner Schweiz durchwandert, wo ihr Zauber am m\u00e4chtigsten wirkt?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Die K\u00e4rglichkeit unserer m\u00e4rkischen Scholle. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Der ,Totenberg\u2018 macht seinem Namen Ehre. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Eine alte Kiefer h\u00e4lt Wacht, und so weit ihre Nadeln fallen, ist verbotener Grund. Sch\u00e4del liegt da an Sch\u00e4del, so hei\u00dft es. Nat\u00fcrlich aus der Schwedenzeit.<\/em> (Theodor Fontane)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Nasseheide ist ein Laster umgekippt. Der Verkehr steht. Im Radio erz\u00e4hlt jemand, dass die Autofahrer in diesem Stau eine knappe Stunde verlieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Einer steigt aus und starrt, die Arme verschr\u00e4nkt, nach vorn. Er sieht w\u00fctend aus. Nichts bewegt sich. Der Mann tritt von einem Fu\u00df auf den anderen. Es ist wie eine Szene aus dem Western: Gleich zieht er den Colt und schie\u00dft tot.<\/p>\n<p>Die Maisfelder sind noch nicht abgeerntet und ein Bild des Jammers. Hier hat im Juli wochenlang das Wasser kn\u00f6cheltief gestanden. Man konnte zusehen, wie der Masis einging. Jetzt welkt er faul und braun in der Mark. Taugt nicht mal zum Schweine-F\u00fcttern. Die Bauern &#8211; Mais, Kirschen, \u00c4pfel, Getreide \u2013 k\u00f6nnen ihre Wut kaum beherrschen. Bei denen soll sich ja keiner aus Berlin blicken lassen. Die Herrschaften Politiker haben\u2019s verschissen f\u00fcr allezeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Nun ist die Sonne unter, die Nebel steigen auf und w\u00e4lzen sich von Westen her auf die Stadt zu. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Das Havelland tr\u00e4umt wieder von alter Zeit.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>In fr\u00fcheren Zeiten hausten hier selbst Tiere wie Luchse, B\u00e4ren und W\u00f6lfe. Besonders aber waren es die Sumpfv\u00f6gel, Kraniche und St\u00f6rche, welche hochbeinig in diesem Paradiese der Fr\u00f6sche einherstolzierten, und mit ihnen bewohnte die Wasser ein unendliches Heer von Enten aller Art, nebst einer Unzahl anderer Wasserv\u00f6gel. Kiebitze, Rohrs\u00e4nger, Birkh\u00e4hne, alles war da, und in den Fl\u00fcssen fanden sich Schildkr\u00f6ten. <\/em>(Theodor Fontane)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00f6lfe streunen seit ein paar Jahren wieder durchs Land, und die Einheimischen w\u00fcrden sie am liebsten wegpusten.<\/p>\n<p>D\u00fcrfen sie aber nicht. Natursch\u00fctzer. Tierfreunde. Das ganze Gesocks.<\/p>\n<p>Und die staatlich gesicherten W\u00f6lfe holen sich in den Karnickelst\u00e4llen Appetit auf mehr.<\/p>\n<p>Nicht mal die von der AfD sagen, was Sache ist.<\/p>\n<p>Die halten zu den W\u00f6lfen \u2013 und auch zu den Krebsen in der Stadt.<\/p>\n<p>Ja, ganz recht. In Berlin schmarotzen sich amerikanische Krebse durch. Den Tiergarten haben sie schon erobert. Jetzt sollen sie auf dem Vormarsch nach Tegel und Spandau, in den Volkspark und an den Prenzlauer Berg sein. Und keiner h\u00e4lt sie auf. Wg. Tierliebe und Naturschutz und solcherlei Unsinn.<\/p>\n<p>Es l\u00e4uft vieles falsch in diesem Berlin, sagen die Berliner mit dem rechten Gef\u00fchl f\u00fcr Krebse und W\u00f6lfe und Merkels.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Berliner Vorst\u00e4dte.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Bahnh\u00f6fe und Kasernen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Kirchh\u00f6fe und Eisengie\u00dfereien. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Leichenz\u00fcge und Bataillone mit Sang und Klang.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Der Pfiff der Lokomotive.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u00dcber den Schloten und Schornsteinen die bekannte schwarze Fahne. <\/em>(Theodor Fontane)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abend in Berlin. Die M\u00e4dels brezeln sich auf f\u00fcr ein Wochenende, das ihnen bestimmt den Prinzen bescheren wird. Die Jungs gl\u00fchen schon mal vor.<\/p>\n<p>Martin Schulz bekommt in der Hauptstra\u00dfe eine rote Nase. Ja, wissen denn die jungen Leute nicht, dass das Verschandeln von Wahlplakaten sie sogar ins Gef\u00e4ngnis bringen kann? Egal, es ist einfach geil, dem Schulz an die Nase zu gehen.<\/p>\n<p>Am Alex hauen sich wieder ein paar. Im G\u00f6rlitzer Park wird gedealt wie irre.<\/p>\n<p>Ein Sportler l\u00e4uft durchs Brandenburger Tor. Ernstes Gesicht, der Mann hat Wichtiges vor. Noch dieses letzte leichte Training. Morgen schont er die Beine. Und am Sonntag l\u00e4uft er Marathon, danach wird gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Das Leben ist eine einzige Herausforderung.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Martin Schulz mit roter Nase sieht schei\u00dfe aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><em>*\u201cD2017\u201c beginnt in der Kalenderwoche 38 des Jahres 2017 und endet am 31. Dezember. Thema: 105 Tage Deutschland. Unterwegs in der \u201eHeimat\u201c.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D 2017*, Folge 5. 22. September. Auf nach Berlin! Ein linder Herbsttag. Heute steht in der \u201eBild\u201c, dass es den Menschen in Neuruppin teilteils geht. Die Einen sind zufrieden, weil sie ordentlich leben k\u00f6nnen. Nicht doll, aber sie haben ihr Einkommen. Die Anderen w\u00e4hlen AfD oder gar nicht, weil sie sich verarscht f\u00fchlen. St\u00fctze. 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