{"id":3156,"date":"2017-09-19T18:19:50","date_gmt":"2017-09-19T18:19:50","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3156"},"modified":"2017-09-19T18:22:07","modified_gmt":"2017-09-19T18:22:07","slug":"fremd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/fremd\/","title":{"rendered":"FREMD"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>D 2017*, Folge 2. 19. September, Rheinsberg, ruhiges Rheinsberg.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Wir lassen uns durch die Sandw\u00fcste nicht beirren, die, h\u00fcgelig und d\u00fcnenartig vor uns liegt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Die Wege, die man passiert, sind im gro\u00dfen und ganzen so gut, wie Sandwege sein k\u00f6nnen. Nur an manchen Stellen, wo die Feldsteine wie eine Aussaat \u00fcber den Weg gestreut liegen, sch\u00fcttelt man bedenklich den Kopf.\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Erst auf dem letzten Drittel wird es besser; im Trabe n\u00e4hern wir uns einem hinter reichem Laubholz versteckten, immer noch r\u00e4tselhaften Etwas und fahren endlich, zwischen Parkanlagen links und einer S\u00e4gem\u00fchle rechts, in die Stadt Rheinsberg hinein.<\/em> (Theodor Fontane)<\/p>\n<p>Am Ortseingang ist der Lidl. Es ist ein sch\u00f6ner Lidl. Keine Ausl\u00e4nder, nur Menschen aus der Umgebung und ab und zu ein paar Camper oder Radtouristen.<\/p>\n<p>Halt! Seit sie in den Gemeinden ringsum die Migranten aufnehmen m\u00fcssen, besuchen neben den T\u00fcrken, die schon seit Jahrzehnten hier leben, auch Menschen mit bronzefarbener Haut, manchmal gar Schwarze, richtige Neger, den Lidl.<\/p>\n<p>Denen schauen die Einheimischen sehr kritisch in den Wagen. Man will wissen, wohin &#8220;die&#8221; unsere Steuergelder tragen.<\/p>\n<p>Und wirklich: Vor zwei Wochen hat es sich zugetragen, dass einer von \u201edenen\u201c zwei Flaschen Wein und eine Bottel Korn an die Kasse karrte.<\/p>\n<p>Beim B\u00e4cker nebenan trafen sich zwei \u00e4ltere Herren und besprachen die Causa beim Kaffee. Ja, es sei echt einer von \u201edenen\u201c gewesen. \u201eDer kommt aus Lindow. Da traut er sich wohl nicht mehr zum Netto.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd womit? Mit Recht. Was bilden sich die Kerle eigentlich ein? Wir nehmense auf, und die lassen sich voll laufen. Wie wollen die sich denn einbringen? Ich magse nicht mehr sehen.\u201c<\/p>\n<p>Der Andere verstand seinen Freund pr\u00e4chtig. Man war sich einig. Der Schnaps muss deutsch bleiben.<\/p>\n<p>Prost.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Am Nachmittag fuhren sie auf dem See herum. Er ruderte, und sie sa\u00df am Steuer. Sie landeten auf einer kleinen Insel. Ein paar B\u00e4ume standen darauf. Sie lagerten sich ins Gras. Ein k\u00fchler Wind strich vom See her\u00fcber. Die Uferlinien waren unendlich fein geschwungen, die hellblaue Fl\u00e4che gl\u00e4nzte matt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u201eW\u00f6lfchen, du hast doch niemalen eine andere geliebt, vor mir?\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u201eNie\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Es prickelte. <\/em>(Kurt Tucholsky)<\/p>\n<p>Vor der Metzgerei dem Schloss gegen\u00fcber sitzt ein Ehepaar bei W\u00fcrstchen mit Kartoffelsalat und Bier. Mittagspause f\u00fcr die Fontane-Touristen.<\/p>\n<p>Sie hat rotes krauses Haar, eine Sonnenbrille und einen zu kurzen Rock, der am Hintern spannt. Er hat \u00dcbergewicht und mag seine Frau nicht ansehen.<\/p>\n<p>Aus der Metzgerei wehen Schwaden von Gesottenem an dem Paar vorbei. Vor der Haltestelle steht der Bus, der gleich nach Neuruppin fahren wird. Vorbei an der \u201eSandw\u00fcste\u201c, durch eine Landschaft, in der nicht viel bl\u00fcht.<\/p>\n<p>\u201eIch hol\u2018 mir noch ein Bier\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>\u201eDas tust Du nicht. Du musst noch fahren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eFahr\u2018 doch Du. Ich hol\u2018 mir noch ein Bier.\u201c<\/p>\n<p>Er geht ins Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Sie sieht ihm nicht einmal hinterher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>*\u201cD2017\u201c beginnt in der Kalenderwoche 38 des Jahres 2017 und endet am 31. Dezember. Thema: 105 Tage Deutschland. Unterwegs in der \u201eHeimat\u201c.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D 2017*, Folge 2. 19. September, Rheinsberg, ruhiges Rheinsberg. Wir lassen uns durch die Sandw\u00fcste nicht beirren, die, h\u00fcgelig und d\u00fcnenartig vor uns liegt. Die Wege, die man passiert, sind im gro\u00dfen und ganzen so gut, wie Sandwege sein k\u00f6nnen. Nur an manchen Stellen, wo die Feldsteine wie eine Aussaat \u00fcber den Weg gestreut liegen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":649,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[881,4],"tags":[885,218,886],"class_list":["post-3156","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-d2017","category-journal","tag-d-2017","tag-lidl","tag-rheinsberg","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3156","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3156"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3156\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3158,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3156\/revisions\/3158"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/649"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3156"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3156"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3156"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}