{"id":3132,"date":"2017-04-30T15:11:23","date_gmt":"2017-04-30T15:11:23","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3132"},"modified":"2017-04-30T15:11:23","modified_gmt":"2017-04-30T15:11:23","slug":"darling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/darling\/","title":{"rendered":"DARLING?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">26. april 2017\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<em><strong> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0DER NEUE, Tag 97<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Washington\/Brocken im Harz<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eHAPPY BIRTHDAY TO OUR FIRST LADY MELANIA!\u201c<\/p>\n<p>So twittert der Pr\u00e4sident um 7:53 Uhr an Tag 97 seiner Amtszeit. Er hat seine Blase entleert, hoffentlich die H\u00e4nde gewaschen und die Z\u00e4hne geputzt \u2013 dann hat er sich gleich darum gek\u00fcmmert, dass die Welt mit bekommt, dass sein Schatzl Geburtstag hat. Flankierend stellte er ein h\u00fcbsches Foto auf Facebook. Vorneweg l\u00e4uft er und zieht Melania am H\u00e4ndchen hinter sich drein. Er hat helle Haare, sie tr\u00e4gt ein schickes blaues Kost\u00fcm. Er ist der Star \u2013 und sie sieht auch ganz vorzeigbar aus.<\/p>\n<p>Tja, diese Ehe! Melania hat angek\u00fcndigt, sie werde sich jetzt vermehrt um den Garten hinterm Wei\u00dfen Haus k\u00fcmmern. Dabei wissen alle, dass sie keine Ahnung von Ackerbau und Viehzucht hat. Sie hat gesagt, dass sie bald umziehen k\u00f6nnte von New York nach Washington. Dabei wissen alle, dass sie das Wei\u00dfe Haus nicht ausstehen kann. Sie hat erkl\u00e4rt, ihr M\u00e4nne mache seine Sache prima.<\/p>\n<p>Dabei ist sich auch Trump-Biograf David Cay Johnston nicht sicher, wie es wirklich steht um die Loyalit\u00e4t in dieser Ehe. Der Autor von \u201eDie Akte Trump\u201c erkl\u00e4rt im Interview: \u201eLiebe wie unter Eheleuten? Das wei\u00df am Ende nat\u00fcrlich nur Trump selbst. Doch wir m\u00fcssen uns nur seine Vergangenheit ansehen. Er ist zum dritten Mal verheiratet. Er hat mit seiner ersten Frau in einem Scheidungskrieg gelegen und sp\u00e4ter kaum Kontakt mit seinen drei \u00e4ltesten Kindern gehabt. Erst als sie erwachsen waren und Geld verdienen mussten, entdeckten sie pl\u00f6tzlich, wie wundervoll Daddy ist.\u201c<\/p>\n<p>Liebe?<\/p>\n<p>Eigentlich liebt der Pr\u00e4sident nur seine Tochter Ivanka und vor allem sich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>97 Tage sind in die Welt gegangen, seit Donald Trump zu regieren begonnen hat. Seither war er immer bei uns: in West Virginia und in Tirol, in der Mark Brandenburg und Florida, in Berlin und in Washington.<\/p>\n<p>Nun sind wir im Harz gelandet. Wir wischen uns den Schwei\u00df von der Stirn und blicken vom Brocken hinunter in die deutschen Lande. Wir sind die Herrscher. Uns kann keiner, wir f\u00fchlen uns wie anno 1853 J. H. Frauenstein, als er in \u201eRomantische Harzwanderung: Sagen, M\u00e4hrchen und Legenden des Harzes aus Volks- und Dichtermunde\u201c geschrieben hat:<\/p>\n<p><em>Wenn der scheidende Aprilmond die letzten Reste des Winters von dannen f\u00fchrt, und mit dem lieblichen Mai der junge Fr\u00fchling wieder kommt, dann \u2013 in der Walpurgisnacht \u2013 pomadisieren sich die Hexen, alte und junge, sch\u00f6ne und h\u00e4\u00dfliche, mit duftiger Salbe, um federleicht zu werden und mit dem Spr\u00fcchlein \u201eOben hinaus und nirgends an!\u201c zum Schornstein hinaus zu kutschieren. O welch\u2019 erg\u00f6tzlicher Reiterzug! <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eEs tr\u00e4gt der Besen, es tr\u00e4gt der Stock,\/Die Gabel tr\u00e4gt, es tr\u00e4gt der Bock!\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Von nah und fern, von jedem Ort, aus allen Landen, str\u00f6mt es herbei, durchsaust die L\u00fcfte im tollsten Galopp und verfinstert wie eine undurchdringliche Wolke, noch mehr die dunkle Nacht. Die Kuppe des Blocksberges ist das Ziel der Wallfahrt. Dort steht Herr Urian, der Gro\u00dfmeister des noblen Ordens, schon auf der Teufelskanzel und hei\u00dft in wohleinstudierter Rede die liebwerten Freundinnen willkommen. <\/em><\/p>\n<p><em>Bald flackert ein lustiges Feuer empor, und teuflische Musikanten geigen und fl\u00f6ten die reizendsten St\u00fccke, da h\u00fcpfen die F\u00fc\u00dfe der T\u00e4nzerinnen, die H\u00e4nde verschlingen sich &#8211; und auf dem Hexentanzplatz des Brockens f\u00fchrt die Schar im wilden Rausche den tollsten Reigen auf, hoch die flammenden Feuerbr\u00e4nde schwingend, bis sie, ersch\u00f6pft und ermattet, keuchend niedersinkt. Doch die schwarze H\u00f6llenmajest\u00e4t hat schon f\u00fcr St\u00e4rkung und Erquickung seiner Gemeinde gesorgt. Auf dem Hexenaltar gl\u00fcht der Kr\u00f6tenkessel mit der sch\u00e4umenden H\u00f6llenbr\u00fche und in dem Hexenbrunnen perlt gl\u00fchender Feuerwein. Nun lebt alles lustig und in Freuden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eMan schwatzt, man trinkt, man scherzt, man liebt;\/Wer sagt mir, wo\u2019s was Bessres gibt?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Und ist der Schmaus beendet, dann eilen die Sch\u00f6nen zum Teufels-Waschbecken, s\u00e4ubern sich fein und empfangen von dem Gro\u00dfherrn den Huldigungsku\u00df, der darauf H\u00f6llenorden und rotgl\u00fchende Dosen an seine Gemeinde austeilt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>\u201eSp\u00fcrst Du es auch\u201c, fragt der Heine.<\/p>\n<p>\u201eWas?\u201c, meint der Goethe.<\/p>\n<p>\u201eNaja, that same old feeling in my heart.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch, Du immer mit Deinen amerikanischen Liedern. Seit der Sinatra bei uns ist, singst Du nur noch den Mist von dem Kerl.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa, sind doch gute Lieder\u201c, erkl\u00e4rt der Heine. \u201eIch habe nun das alte Gef\u00fchl von damals, als ich zum ersten Mal auf den Brocken gewandert bin. Und Du musst es doch auch sp\u00fcren. Warst ja auch heroben.<\/p>\n<p>Aber mal was ganz Anderes: Lass uns rein gehen, drinnen ist aufgetischt.\u201c<\/p>\n<p>Ja, stimmt Johann Wolfgang zu. Man habe genug Landschaft gesehen. Nun wolle man ein wenig \u00fcber die Weltenl\u00e4ufte r\u00e4sonnieren. Sei man denn heute nur zu zweit?<\/p>\n<p>Nein, der Fred aus Amerika und der Franz aus M\u00fcnchen h\u00e4tten sich auch angesagt. Die w\u00fcrden wohl bald\u2026<\/p>\n<p>\u201eAch, da unten sind sie ja.\u201c<\/p>\n<p>Fred und Monaco m\u00fchen sich die letzten Meter zum Gipfelplateau hoch. Fred \u2013 der hatte ja mal die Kondition eines Eins-A-Piloten, aber die hat er komplett versoffen \u2013 schnauft wie die Harzer Schmalspurbahn, der Monaco hat es im R\u00fccken und hatscht wie ein alter Mann. Prustend und schwitzend erreichen sie die Dichter.<\/p>\n<p>\u201eHi\u201c, sagt man und ist sich sympathisch.<\/p>\n<p>Man kommt gleich zur Sache. Drinnen sei aufgetischt, wiederholt Heine, alle nicken begeistert.<\/p>\n<p>Die schwere T\u00fcr des Brocken-Hauses quietscht, die vier Figuren verschwinden im Geb\u00e4ude \u2013 und bald ist aus der Baude fr\u00f6hliches Lachen und ausgelassenes Pokulieren zu h\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>26. april 2017\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0DER NEUE, Tag 97 Washington\/Brocken im Harz &nbsp; \u201eHAPPY BIRTHDAY TO OUR FIRST LADY MELANIA!\u201c So twittert der Pr\u00e4sident um 7:53 Uhr an Tag 97 seiner Amtszeit. 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