{"id":3030,"date":"2017-04-06T14:08:54","date_gmt":"2017-04-06T14:08:54","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=3030"},"modified":"2017-04-06T14:08:54","modified_gmt":"2017-04-06T14:08:54","slug":"morgenlage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/morgenlage\/","title":{"rendered":"MORGENLAGE"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">28. m\u00e4rz 2017<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/span><em><strong><span style=\"color: #000000;\">&#8212;&#8212;&#8212;<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/span><span style=\"color: #000000;\">Tag 68<\/span><\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Mar-a-Lago, 2017<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Steve B. \u00e4rgert sich.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Er liegt nun \u2013 das Manuskript von Fred T. hat ihn so sehr besch\u00e4ftigt, dass er in seinem benebelten Kopf nicht mehr daran dachte, die Vorh\u00e4nge zuzuziehen \u2013 mit der Morgensonne Floridas im Bett. Das ist etwas, was er gar nicht mag. An Schlafen ist nicht mehr zu denken, und Steve f\u00fchlt sich zerknautscht, so gar nicht sexy.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Eine lauwarme Dusche tut gut. Rasieren w\u00e4re auch hilfreich \u2013 doch B. will nicht gepflegt unter die Leute. Er mag es, wenn er aussieht wie ein Strauchdieb. Er ist ein r\u00e4udiger K\u00f6ter, den die Menschen f\u00fcrchten sollen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Nach dem\u00a0Abtrocknen und Z\u00e4hneputzen, nach einer befriedigenden Sitzung (f\u00fcr einen Trinker hat B. eine klasse Verdauung, \u00fcberhaupt ist er ges\u00fcnder, als er aussieht), nach der l\u00e4ssigen Wahl des ungepflegten italienischen Schuhwerks, des blauwei\u00df gestreiften Freizeithemds und eines ausgesucht schlecht sitzenden Ma\u00dfanzugs, nach der Guerlain-Dusche und einer Mundsp\u00fclung ist er bereit f\u00fcr den Tag.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">B. blickt auf die Uhr. Der Pr\u00e4sident wird wohl in seinem Zimmer sein, zum Golfen ist es definitiv zu fr\u00fch. B. w\u00e4hlt die Nummer des Chefs. Der meldet sich, ja, er sei schon wach, ja, er habe Zeit.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">B. steckt das Manuskript und ein paar lose Seiten in eine Mappe. Zu Dons Suite ist es nicht weit \u2013 sie leben auf Augenh\u00f6he, Steve und der Pr\u00e4sident.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Don ist noch im Bademantel. \u201eLa Coupe de Dieux\u201c, Seide, wei\u00df, g\u00fclden und blau, mit zwei l\u00e4cherlichen L\u00f6wenk\u00f6pfen, Versace hat die Initialen des Tr\u00e4gers in Gold einsticken lassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Donald T. steht am Fenster, sieht auf die Gr\u00fcnanlagen seines Privatclubs in Mar-a-Lago. Drau\u00dfen schneiden Mexikaner den Rasen raspelkurz und trimmen die Stauden. Auf der Terrasse schieben Sch\u00f6nheiten in kurzen Uniformen das Fr\u00fchst\u00fccksporzellan zurecht. Hinter dem Ocean Boulevard und dem Strand verliert sich der Atlantik im Dunst des Ostens, irgendwo da hinten sind die Bahamas.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Pr\u00e4sident dreht sich nicht um, er ist mit seinem Handy besch\u00e4ftigt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eWas gibt\u2019s, Stevie\u201c, fragt er. \u201eGut geschlafen?\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Pr\u00e4sident hat gute Laune.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eNaja, geht so. Die Notizen von Deinem Bruder haben mir nicht gefallen.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eDenke ich mir. Das Arschloch. Was muss der in seinem Suff so eine Schei\u00dfe schreiben? H\u00e4tte ja auch verrecken k\u00f6nnen, ohne es als Schriftsteller zu versuchen.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eDas ist es nicht, Don. Was da steht, kann man leicht recherchieren und sich ausdenken. Da kriegt keiner den Pullitzer-Preis.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Dann ist ja alles gut, sagt der Pr\u00e4sident und will eine neue Twitter-Nachricht beginnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Nichts ist gut, meint der Berater. In den Papieren ist Z\u00fcndstoff. Wenn die der Falsche in die Finger bekommt, beginnt er zu recherchieren. Und dann w\u00fchlt er sofort im Dreck. Das kann einem Privatmann ziemlich egal sein. Das sitzt man locker aus. Aber f\u00fcr den Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten ist das eine Tretmine.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eWenn da was Falsches hochgeht, fliegt Dir alles um die Ohren.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Donald hat das Smartphone zur Seite gelegt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eAlso, was machen wir?\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eIch habe die ganze Nacht nachgedacht. Wir stehen nicht besonders gut bei den Leuten da. Unsere ersten Erlasse sind nicht durchgegangen, \u00fcberall beziehen die Arschl\u00f6cher Position. Sogar in Deiner Partei stecken sie die K\u00f6pfe aus den L\u00f6chern. Wir m\u00fcssen aufpassen, dass nicht noch mehr schief geht.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eWas soll schief gehen? Die haben mich gew\u00e4hlt, gut ist es.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eIst nicht so einfach, Donnie. Ich habe mal ein paar Sachen aufgeschrieben, die uns auf die F\u00fc\u00dfe fallen k\u00f6nnen.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eWas hast Du?\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eReg\u2018 Dich nicht auf. Wir m\u00fcssen die Situation analysieren. Es gibt Dinge, die wir im Auge haben m\u00fcssen. Die Arschl\u00f6cher wollen den Krieg, sollen sie ihn haben.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eAchso, klar. Mail\u2018 mir Deine Notizen, ich schaue sie gleich an.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eNee, ich habe sie dabei. Habe das alles mit der Schreibmaschine geschrieben, es gibt keine Kopie. Wenn Du das Zeug gelesen hast, kannst Du es entsorgen.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eCool. Dann gib\u2018 mal her. Und, was Anderes: Kommste mit zum Golf?\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201eNein lass\u2018 mal. Ich hau\u2018 mich nochmal aufs Ohr. Zuviel Sonne da drau\u00dfen.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Steve B. legt die Mappe mit Freds Manuskript und den paar Seiten aus seiner Maschine aufs ungemachte Bett des Pr\u00e4sidenten. Der hat ihm wieder den R\u00fccken zu gedreht und twittert in den atlantischen Morgen hinein.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Was Donald T. nicht wei\u00df:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\">Nat\u00fcrlich hat Steve B. seine Notizen mit Kohlepapier kopiert. Und in seinem \u201eGiftschrank\u201c hat er noch ein paar gef\u00e4hrliche Seiten mehr. Davon braucht Donald T. momentan nichts zu wissen.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>28. m\u00e4rz 2017\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8212;&#8212;&#8212;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Tag 68 Mar-a-Lago, 2017 \u00a0 Steve B. \u00e4rgert sich. Er liegt nun \u2013 das Manuskript von Fred T. hat ihn so sehr besch\u00e4ftigt, dass er in seinem benebelten Kopf nicht mehr daran dachte, die Vorh\u00e4nge zuzuziehen \u2013 mit der Morgensonne Floridas im Bett. Das ist etwas, was er gar nicht mag. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":2938,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,714],"tags":[747,850],"class_list":["post-3030","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interview","category-winter-1617","tag-100-tage","tag-tag-68","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3030","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3030"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3030\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3031,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3030\/revisions\/3031"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2938"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}