{"id":2832,"date":"2017-03-04T22:13:50","date_gmt":"2017-03-04T22:13:50","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=2832"},"modified":"2017-03-04T22:15:37","modified_gmt":"2017-03-04T22:15:37","slug":"schriftsteller-arsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/schriftsteller-arsch\/","title":{"rendered":"WEG DAMIT!"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">21. februar\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em><strong>&#8212;&#8212;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 winter 16\/17, Folge<\/strong> <\/em>44<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Florida, im Februar 2017<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Die Casalesis unterhalten sich pr\u00e4chtig. Woher der Pr\u00e4sident seine Kondition n\u00e4hme, fragt Casalesi senior in die Runde. Seine Schwiegertochter linst hin\u00fcber \u2013 drei Tische weiter sitzt Donald und ist pr\u00e4chtig gelaunt. Er tr\u00e4gt ein blaues Sakko und dazu eine rote Krawatte, die ein bisschen gewagt gew\u00e4hlt ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Gebr\u00e4unt ist er, aber die Schwiegertochter sagt, das ist nicht echt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eWie denn auch\u201c, \u00e4rgert sich Casalesi senior. \u201eDer Mann arbeitet wie ein Tier. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Er nimmt es mit der Presse auf, er fegt die Islamis aus dem Land, er k\u00fcmmert sich um die guten Gesch\u00e4fte f\u00fcrs Land. Tag und Nacht k\u00fcmmert er sich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Und am Freitag steigt er in seine Maschine und tut sich den Flug von einer K\u00fcste an die andere an. Weil er in seinem \u201eWei\u00dfen Haus des S\u00fcdens\u201c sein will. Im Mar-a-Lago ist er unter Freunden, das muss ja auch mal sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Die Schwiegertochter kann sich nicht verkneifen, dass sie gelesen h\u00e4tte, so ein pr\u00e4sidentieller Wochenendtrip koste den Steuerzahler 3,6 Millionen Dollar.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eNa und\u201c, bekommt sie zu h\u00f6ren. \u201eSoll er sich kasteien? Ich g\u00f6nne ihm sein Wochenende. Das alles hat er sich schlie\u00dflich auch selbst aufgebaut.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">118 Zimmer, ein wenig spartanisch eingerichtet. Restaurants und Lobbys, golden und prunkvoll. Ein Golfplatz, ein Traum in Gr\u00fcn. Tennispl\u00e4tze, auf denen schon die Besten der Welt trainiert haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Hat er sich alles selbst ran geschafft, der Mister T. Also, lass\u2018 es ihn genie\u00dfen, Sch\u00e4tzchen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eJa sicher, und er sieht in der Tat gut aus. Hat wohl geschlafen auf seinem Flug.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Donald T., drei Tische weiter, ist fertig mit den Pommes und dem Steak. Er trinkt noch einen Schluck Cola, stemmt sich wuchtig vom Tisch ab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eSteve, auf ein Wort!\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Steve nickt, nimmt sein Glas, sie queren den Raum. Der Pr\u00e4sident l\u00e4sst sich Zeit, beugt sich zu den G\u00e4sten hinunter und wechselt ein paar S\u00e4tze. Er ist ein charmanter Unterhalter, wenn genug geredet ist, t\u00e4tschelt er dem Anderen die Schulter und geht dann weiter. Steve folgt dem Pr\u00e4sidenten und verzieht keine Miene. Einmal dreht er sich zu einem dritten Mann um, raunt ihm etwas zu. Der Typ nickt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Wer sich im Mar-a-Lago auskennt, wei\u00df, wer dieser Mensch ist. Er ist der Experte, der den Code f\u00fcr die Atomwaffen im Kopf hat. Immer in der N\u00e4he des Pr\u00e4sidenten. Sagt nie ein Wort. Tr\u00e4gt ma\u00dfgeschneiderte Hemden, aber man registriert es nicht. Man bemerkt diesen Mann nicht. Er lacht nicht und sieht nicht verdrossen aus. Schwitzt nicht und riecht nach nix. Hat ihn schon mal jemand was essen gesehen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Eigentlich nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Man nennt ihn \u201eRick\u201c. Ob er Familie hat? Wir k\u00f6nnen es uns nicht vorstellen. Ob er etwas mag, was er nicht mag? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Ist nicht von Belang. \u201eRick\u201c hat einfach da zu sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Nah beim Pr\u00e4sidenten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Das Trio passiert den Tisch der Casalesis.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eAh, Giancarlo\u201c, entf\u00e4hrt es dem Pr\u00e4sidenten. \u201eWie geht\u2018s, mein Freund? Alles gut bei Euch in New York?\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Casalesi steht auf, greift die Hand des Pr\u00e4sidenten, dr\u00fcckt mit der Linken dessen Unterarm. Ja, alles sei bestens, er sei froh, Donald so gut in Form zu sehen. Der Pr\u00e4sident solle sich nicht irre machen lassen. Er k\u00f6nne auf seine W\u00e4hler z\u00e4hlen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Mister T. sieht sehr zufrieden aus. \u201eGiancarlo, mach\u2018 Dir keine Sorgen. Uns geht es bestens im Wei\u00dfen Haus. Alles im Griff.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Er verl\u00e4sst, seine zwei Begleiter folgen dichtauf, den Saal.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Sie nehmen den Lift. Vorbei an den Sicherheitsleuten vor dem B\u00fcro. Rick schlie\u00dft die T\u00fcr.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Man setzt sich in die Besucherecke. \u201eSteve\u201c, sagt der Pr\u00e4sident, \u201eda ist eine Kleinigkeit, die wir kl\u00e4ren sollten.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Steve wartet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eEs gibt einen Text von meinem Bruder. Der liegt bei mir im Tresor. Ich m\u00f6chte nicht, dass der unter die Leute kommt.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Wo das Problem sei? Man werde das Papier schreddern, und gut w\u00e4re es.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eGeht nicht. Fred hat eine Kopie beim Anwalt hinterlegt. Und die Arschl\u00f6cher von der New York Times sind dran.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Was denn in dem Papier st\u00e4nde? Sei das denn so schlimm?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eEs geht um unsere Kindheit. Ich wei\u00df nicht, ich mag das Zeug, was er da geschrieben hat, nicht. Er war einfach ein versoffenes Arschloch, das auf Schriftsteller gemacht hat.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Donald, das ist mehr als 30 Jahre her.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eMehr als 35 Jahre, Steve. 1981 haben wir ihn begraben. Aber es ist einfach Schei\u00dfe, dass er da Sachen aufgeschrieben hat, die nicht unter die Leute geh\u00f6ren.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eDonald, gib\u2018 mir den Text. Ich lese ihn und sage Dir morgen, was wir machen.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Donald guckt r\u00fcber zu Rick. Der steht auf, \u00f6ffnet den Tresor. Er zieht einen d\u00fcnnen Stapel Papier aus einem Fach, bringt es an den Tisch. Steve nimmt es. Er grinst seinen Pr\u00e4sidenten an:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eKlasse. Dann habe ich ja einen Vorwand. Muss morgen lesen. Du brauchst mich nicht auf dem Golfplatz, stimmt\u2019s.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eWirklich nicht. Ich wei\u00df gar nicht, wie Du es wagen kannst.?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eWas?\u201c, fragt der Berater.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">\u201eDass Du das, was Du mit dem Schl\u00e4ger machst, Golf nennst. Das ist Barbarei. Bleib auf dem Zimmer und lies den Schei\u00df von meinem Bruder.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong><span style=\"margin: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman','serif'; font-size: 18pt;\">Morgen: Steve liest<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Calibri;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21. februar\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8212;&#8212;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 winter 16\/17, Folge 44 \u00a0 Florida, im Februar 2017 Die Casalesis unterhalten sich pr\u00e4chtig. Woher der Pr\u00e4sident seine Kondition n\u00e4hme, fragt Casalesi senior in die Runde. Seine Schwiegertochter linst hin\u00fcber \u2013 drei Tische weiter sitzt Donald und ist pr\u00e4chtig gelaunt. 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