{"id":2815,"date":"2017-02-25T22:07:14","date_gmt":"2017-02-25T22:07:14","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=2815"},"modified":"2017-02-25T22:07:14","modified_gmt":"2017-02-25T22:07:14","slug":"ready-to-rumble","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/ready-to-rumble\/","title":{"rendered":"READY TO RUMBLE"},"content":{"rendered":"<p>17. februar, Petersburg west virginia, las vegas\/lindow <em><strong>&#8212;&#8212; winter 16\/17, Folge 40<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gereald \u2013 stolzer Besitzer eines Petersburger Museums zum Gedenken aller Kriege \u2013 mag Waffen. Er schie\u00dft auch auf seine alten Tage noch prima. Beim Fischen zieht er echte Kawenzm\u00e4nner aus den Fl\u00fcssen. Und wenn Du ihn in der Wildnis aussetzt, schl\u00e4gt er sich mit einem Bowiemesser und einer Rolle Bindfaden durch, zur\u00fcck in die Zivilisation.<\/p>\n<p>Ein Kerl! Einer, der Amerika gro\u00df macht.<\/p>\n<p>\u201eSchaut Euch nur die Amokl\u00e4ufe an. In den Schulen, in den Shoppingmalls, in den Stra\u00dfen. Oder die Schei\u00dfe in Berlin oder Paris. Ich sage Euch: Wenn da ein paar von unseren Boys da gewesen w\u00e4ren und h\u00e4tten ihre Waffen aus den Aktentaschen gezogen \u2013 wir h\u00e4tten das alles unter Kontrolle bekommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJeder gute Amerikaner hat das Recht auf Waffen. Jeder amerikanische Mann muss seine Familie und sein Land sch\u00fctzen. Aber es ist auch klar, dass Waffen nicht in die H\u00e4nde von irgendwelchen Fremden geh\u00f6ren. Wir sind da bisher so liberal, da k\u00f6nnen wir uns gleich die Schlinge um den Hals legen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGeht mir weg mit den Waffen-freien Zonen. Das haben die Weicheier erfunden, die Feiglinge, die Neunmalklugen. Die Waffen-freien Zonen sind Tummelpl\u00e4tze f\u00fcr die ISIS und alle Irren. Wenn wir uns nicht mehr mit Waffen wehren k\u00f6nnen, dann haben wir verloren. Wir m\u00fcssen immer in der Lage sein, zuerst zuzuschlagen. Kriege gewinnt nur der Starke.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir sind Amerika. Die so genannten Liberalen sind eine Gefahr. Sie arbeiten den Terroristen in die H\u00e4nde. Wir brauchen die Waffen. Jeder Amerikaner braucht sie. Und denkt immer dran, Leute: Die Waffen ziehen nicht am Abzug. Die Waffen sind unschuldig.\u201c<\/p>\n<p>Ach, tschuldigung: Das sagt nicht Gereald. Er denkt all das. Aber gesagt hat es der Pr\u00e4sident, als er noch keiner war. Hier und da und everywhere. Zum Beispiel in einem Jagdmagazin. Da hat er den Chefredakteur (einer von den Guten unter den Journalisten) im Venetian Hotel in Vegas empfangen. Ist auch im Video zu sehen:<\/p>\n<p>http:\/\/www.petersenshunting.com\/conservation-politics\/why-sportsmen-should-vote-for-donald-trump\/<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor einem verfallenden Bauernhof im Brandenburgischen pflanzt sich Matuschke vor dem Besucher auf. Ob er \u00fcberhaupt wisse, was das f\u00fcr ein Drecksleben gewesen sei, hier an diesem Arsch von Welt? Wo die Mutter einen nicht mal zu Weihnachten in den Arm genommen hat. Sie hat einen auch nicht besch\u00fctzt vor dem Vater.<\/p>\n<p>Ja, sie hat begriffen, dass der Eugen einen Traum hatte. Er hat die Zeit vergessen, wenn er einen Motor zerlegt hat. Gro\u00dfe saubere Plane in den Stall gebreitet \u2013 und dann ging es los mit der Demontage. Schraube und Mutter, Gewinde und Federn, Schl\u00e4uche und Ventile, Dichtungen und ein Motorenblock. Akkurat legte Matuschke die Teile nebeneinander. Er reinigte sie. Besah das Puzzle. Verschraubte, verband, verl\u00f6tete alles. \u00d6l rein, Diesel rein.<\/p>\n<p>Anschalten.<\/p>\n<p>Der Motor bullerte. Gut so, guter Tag.<\/p>\n<p>Aber der Vater lie\u00df ihn nicht. Der Vater sagte, Eugen musste melken, m\u00e4hen, ins Holz. \u201cDu bist ein Bauer\u201d, sagte der Vater.<\/p>\n<p>Quatsch. Eugen Matuschke konnte das Bauerntum nicht ausstehen.<\/p>\n<p>War echt ein Drecksleben. Und es hat so lang gedauert, bis Eugen Matuschke begriff, dass er seinen Vater, diesem Kr\u00fcppel, nichts schuldig war.<\/p>\n<p>Da war es zu sp\u00e4t. Da hatte er vom Biertrinken eine Wampe. Die Sache mit den M\u00e4dchen hatte sich erledigt, er war den Frolleins zu dreckig, er stank, er war nicht am\u00fcsant. Einmal hatte er mit einer Kleinen aus dem Nachbarhof einen Horrorfilm im Fernsehen geschaut, da war sie ganz nah an ihn heran ger\u00fcckt, aber er konnte nicht richtig damit umgehen. Er hatte ihren Busen gedr\u00fcckt, aber wohl nicht gut.<\/p>\n<p><em>\u201cUnd dann, mein Freund, habe ich die Kurve doch noch gekriegt. Glaubste nicht? H\u00f6r zu:<\/em><\/p>\n<p><em>Die im Ort haben sich eingeschissen. Stasi. West-Fernsehen. Keine Bananen. Verstehste, was ich meine?<\/em><\/p>\n<p><em>Nicht mit mir. Ich habe den Vater in den Westen geschickt, da hat er dann auf Mitleid gemacht. Hat Westmark bei der Verwandtschaft eingesackt, er durfte ja reisen, er war ja schon Rentner. Und mit der Kohle konnte er ja nix kaufen, der hatte ja genug zu tun, sein eines Bein wieder in die DDR zu schaffen. Also ist er bei uns aus dem Zug gefallen und hat die Taschen voll Westgeld gehabt. Das habe ich mir gekrallt und bin mit dem M\u00e4hdrescher zum Intershop nach Kyritz gefahren.\u201d<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Matuschke mag keiner. Aber sie haben Angst vor ihm.<\/p>\n<p>Jetzt ist er eingepennt in der Wintersonne. Er sieht so armselig aus in seinen verdreckten Sachen. Hat nur noch zwei Stummelz\u00e4hne und einen Friedhof f\u00fcr Trecker und M\u00e4hdrescher. Trauert einem Elbing in Ostpreussen nach, wohin er zweimal im Leben als Tourist gefahren ist. Er trauert dem Haus seiner Eltern nach, das die Bomben im Zweiten Weltkrieg einge\u00e4schert haben. Eine Ehe hat er begonnen und ist wieder ausgestiegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor dem Mann sollte man Angst haben?<\/p>\n<p>Macht Euch mal nix vor \u2013 der Matuschke kann sie alle kaufen. Das wissen sie. Wenn der im Ort im Netto auftaucht, h\u00f6ren die Leute auf zu lachen.<\/p>\n<p>Er kennt nur seinen Nutzen. Klug ist er, lauernd klug. Und von grundtiefer Bosheit. Sein Wissen hat er sich aus dem Fernsehen gesaugt. Der schaut die Tagesthemen an und kann Dir danach jede Meldung runter beten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Naja, und dann kam die Wende.\u201d<\/p>\n<p>Eugen Matuschke h\u00f6rte, dass es da eine Treuhand gab. Die verscherbelte Brandenburg. Da ist der Matuschke zur Treuhand gelatscht und hat gekauft. W\u00e4lder, Felder, ein St\u00fcck vom See, ein altes Sanatorium, die Stasi-Datschen.<\/p>\n<p>Von hier bis fast nach Neuruppin und rauf bis Zippelsf\u00f6rde geh\u00f6rt dem Eugen ganz viel. Und Du brauchst nicht zu glauben, dass er nicht wei\u00df, was ihm geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Und jetzt lebt er hier wie ein Messi. In seinem eigenen Dreck, wie der schlimmste Penner. K\u00f6nnte sich Wellness auf den Bahamas g\u00f6nnen und Russen-Nutten in Sankt Moritz. Aber er guckt beim Netto auf die Preise und s\u00e4uft Wein ausm Karton.<\/p>\n<p>Nur eines leistet er sich wohl, sagen die Leute: einen Kleiderschrank voll mit den feinsten Waffen.<\/p>\n<p>K\u00f6nnte sein, dass er ganz subito in den Krieg muss.<\/p>\n<p>Ja, warum das alles?<\/p>\n<p>Aus Zorn.<\/p>\n<p>Der macht alles platt in seinem Zorn.<\/p>\n<p>Besser, man geht dem Typen aus dem Weg. Besser, man verschwindet. Wenn der richtig los legt, ist er furchtbar.<\/p>\n<p>Also, macht die Biege, Leute. Ihr wollt nicht, wie es sich anf\u00fchlt, wenn der Typ um sich schl\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Morgen: Rechts bleibt rechts<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17. februar, Petersburg west virginia, las vegas\/lindow &#8212;&#8212; winter 16\/17, Folge 40 &nbsp; Gereald \u2013 stolzer Besitzer eines Petersburger Museums zum Gedenken aller Kriege \u2013 mag Waffen. Er schie\u00dft auch auf seine alten Tage noch prima. Beim Fischen zieht er echte Kawenzm\u00e4nner aus den Fl\u00fcssen. 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