{"id":2580,"date":"2017-01-07T15:13:53","date_gmt":"2017-01-07T15:13:53","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=2580"},"modified":"2017-01-07T15:23:21","modified_gmt":"2017-01-07T15:23:21","slug":"falscher-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/falscher-mann\/","title":{"rendered":"FALSCHER MANN"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><em>berlin, 7. januar 2017\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<strong> &#8212;- winter 16\/17, Folge VI.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eAm 13. August \u201861, da warma jerade anner Nordsee. Sankt Peter Ording, wie immer. Vater hatte Jeburtstach. Da hamse die Mauer dicht jemacht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Am 14. liest es Karins Vater in der Zeitung. Der Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst vermeldet: \u201eDie Regierungen der Warschauer Vertragsstaaten wenden sich an die Volkskammer und an die Regierung der DDR, an alle Werkt\u00e4tigen der Deutschen Demokratischen Republik mit dem Vorschlag, an der Westberliner Grenze eine solche Ordnung einzuf\u00fchren, durch die der W\u00fchlt\u00e4tigkeit gegen die L\u00e4nder des sozialistischen Lagers der Weg verlegt und rings um das ganze Gebiet Westberlins, einschlie\u00dflich seiner Grenze mit dem demokratischen Berlin, eine verl\u00e4\u00dfliche Bewachung und eine wirksame Kontrolle gew\u00e4hrleistet wird.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eDa hat mein Vater jedacht, die lassn uns nich mehr rin. Sie ham janz scheen die Muffen jehabt, der Vater und die Mutter.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Also geht\u2019s ganz schnell zur\u00fcck in die Heimat. Die Schwestern sitzen im Fonds des Lieferwagens auf einer Luftmatratze. Vorne die Mama und der Papa, sehr angespannt. \u201eHoffentlich machen die nicht total zu.\u201c<\/p>\n<p>Sie kommen nach Berlin. Sind echt froh, als sie die muffigen Grenzer in Staaken hinter sich haben. \u00dcber die Heerstra\u00dfe runter in die Stadt, dann rechts ab durch Kreuzberg und Neuk\u00f6lln.<\/p>\n<p>Endlich in Britz.<\/p>\n<p>Karin und ihre Schwester tragen ihre abgewetzten Pappkoffer in ihr gemeinsames Zimmer im ersten Stock (naja, bald hat Karin die Bude wohl f\u00fcr sich, die Schwester pussiert ernsthaft mit einem Kerl, den sie wohl heiraten wird, dann ist die endlich aus dem Haus). Karin sortiert die schmutzige W\u00e4sche aus, den Rest verstaut sie in ihrem Schrank.<\/p>\n<p>Im Nebenzimmer zanken die Eltern. Sie machen sich Sorgen wegen des Gesch\u00e4fts. Was wird jetzt?<\/p>\n<p>Die j\u00fcngere Tochter macht sich keine gro\u00dfen Gedanken. Sie \u00e4rgert sich, dass sie nach der Schule im v\u00e4terlichen Gesch\u00e4ft einscheren muss \u2013 aber man l\u00e4sst ihr keine Wahl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_2546\" aria-describedby=\"caption-attachment-2546\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2546 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke1-300x127.jpg\" width=\"300\" height=\"127\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke1-300x127.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke1-768x325.jpg 768w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke1-1024x433.jpg 1024w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke1-600x254.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2546\" class=\"wp-caption-text\">So isses nun mal: Der Zuch is abjefahrn.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Mauer? Die DDR? Die Beatles? Mit Freundinnen \u00fcber den Ku\u2019damm bummeln?<\/p>\n<p>Das passt nicht in ihr Leben.<\/p>\n<p>\u201eFr\u00e4ulein Karin zum Diktat!\u201c Abrechnungen. Mahnungen. Vorg\u00e4nge abheften. Der Mutter im Haushalt helfen. Heimliches Geknutsche mit dem Freund. Ab und zu am Sonntag nach Kaffee und Kuchen ein Spaziergang durch Britz. Urlaub in Sankt Peter Ording.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eDit hier war tot. Nix is hier jewesn. Keen Cafe, keen Restaurant. Der Vater hat den Tagesspiegel und sp\u00e4ter die Morgenpost jelesen. Meine Mutter hat nicht mal \u2018nen Fernseher erlebt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>So und nicht anders ist es.<\/p>\n<p>Und, husch, sind zehn Jahre ins Land gegangen. Wenn der \u00a0Wind aus Osten oder S\u00fcden kommt, \u00a0riecht Britz nach Niedersch\u00f6neweide oder Gro\u00dfziethen, nach Zweitaktern und Braunkohle. Ansonsten hat Karin mit der Deutschen Demokratischen Republik nichts zu schaffen. Das ist ein Land aus einer anderen Welt, noch weiter weg als Bayern oder Italien.<\/p>\n<p>Auf Arbeit lernt sie Harry kennen. Eine Sch\u00f6nheit ist er nicht. Klapperd\u00fcrr, mit einem verhuschten Wesen. Er scheint sch\u00fcchtern, sie wird anfangs nicht recht schlau aus dem jungen Mann.<\/p>\n<p>Ihr gef\u00e4llt, dass er kein Angeber ist. Wenn er den Mund aufmacht, sagt er kluge Sachen. Er prahlt nicht mit Saufereien und M\u00e4nner-Abenteuern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eEr war sehr jepflecht und sehr jebildet. Sehr, sehr jebildet. Wat war der intellijent. Der konnte rechnen, der hatte zich Berufe, der is uff de Abendschule jejangen, aus janz janz armen Verh\u00e4ltnissen (f\u00fcnf Kinda warn dit, und die Familie is am letzn Tach ausjebombt worn, am letztn Tach!) is der jekommen und hat sich allet anjelernt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wenn er Pause macht, verdr\u00fcckt er sich mit seinen Stullen und einer Zeitung in eine Ecke. Harry ist nicht unfreundlich, er h\u00e4lt den Frauen sogar die T\u00fcre auf. Ein stiller Typ eben. Einer, der einen Schubser braucht.<\/p>\n<p>Beim Betriebsausflug richtet Karin es so ein, dass man am selben Tisch sitzt. Sie unterh\u00e4lt sich wundervoll mit Harry \u2013 der Mensch wei\u00df Sachen, das glaubt man nicht!<\/p>\n<p>Sie fordert ihn zum Schwoof auf. Besonders geschickt stellt er sich nicht an. Aber er riecht gut und bringt sie bis zur Gartent\u00fcr nach Hause.<\/p>\n<p>\u201eWoll\u2019n wir mal ausjehn? Am Wochenende, inne Stadt?\u201c, fragt sie und freut sich, dass er rot wird.<\/p>\n<p>Ja, gern.<\/p>\n<p>Man trifft sich und entwickelt sich. Harry k\u00fcsst leidlich, er ber\u00fchrt sie mit Interesse, aber nicht sehr gekonnt.<\/p>\n<p>Doch er ist so aufmerksam, wie das noch kein Mensch gewesen ist. Harry h\u00f6rt zu, wenn sie etwas erz\u00e4hlt. Er merkt sich ihre Geschichten. Er nimmt sie ernst.<\/p>\n<p>Mal schaffen sie es sogar bis in die Stadt. Am Nollendorf landen sie in der \u201eHajo Bar\u201c. Karin f\u00fchlt sich leicht und begehrt. Sie tr\u00e4gt ein luftiges wei\u00dfes Sommerkleid mit roten Tupfen, und ein sachter Wind f\u00e4hrt ihr an den Schenkeln hoch. Ein Schwuler macht ihr ein Kompliment, das tut gut, es tut so gut.<\/p>\n<p>Im Sommer gehen Harry und sie ins Freibad. Schwimmen, das kann er. Er macht vom Dreimeter-Brett einen K\u00f6pfer und bewundert ihren neuen Badeanzug. Er bewundert sie so sehr, dass er sich auf den Bauch legen muss. Da muss sie kichern, das gef\u00e4llt ihr.<\/p>\n<p>Ein paar Wochen sp\u00e4ter fragt Harry, ob sie ihn heiraten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Karin \u00fcberlegt nicht lange. Wird Zeit, dass sie unter die Haube kommt. Vielleicht wird es doch noch was mit Mutterschaft, eigenem Haus, kleiner Familie. Harry wird sie weg bringen von Mutter und Vater.<\/p>\n<p>Sie haben eine kleine Hochzeit. Karin sieht verf\u00fchrerisch aus, sie hat sich zur Feier des Tages Strapse angeschafft, ihr Lachen auf den Fotos (Farbe, was das kostet!) hat etwas Frivoles. Harrys Eltern freuen sich ganz doll, Karins Familie sitzt beim Essen wie bei einem Leichenmahl.<\/p>\n<p>Typisch.<\/p>\n<p>Eine kleine Wohnung in Britz mieten sie, sie vertragen sich gut. Harry liest viel, hilft im Haushalt. Er geht nicht oft aus und kommt nie betrunken nach Hause. Manchmal ist ihm tagelang nicht gut, dann kriegt er kaum einen Happen runter, kann manchmal nicht zur Arbeit. Er wird noch ein wenig d\u00fcnner und bekommt tiefe Falten von der Nase bis zu den Mundwinkeln.<\/p>\n<p>Die Schmerzen werden schlimmer, Harry geht zum Arzt.<\/p>\n<p>\u201eWas hat er gesacht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch nichts. Das wird schon wieder. Ich soll nichts Scharfes essen.\u201c<\/p>\n<p>Es wird nicht wieder. Harry ist auf den Tod krank. Und das Sterben wird 30 Jahre dauern.<\/p>\n<p>Doch noch einmal b\u00e4umt sich der Mann auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_2553\" aria-describedby=\"caption-attachment-2553\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2553 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke8-300x162.jpg\" width=\"300\" height=\"162\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke8-300x162.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke8-768x415.jpg 768w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke8-600x324.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke8.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2553\" class=\"wp-caption-text\">Jeder Mann hat seinen Preis.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eWat frachste? Ob dit Pech war mit dem Harry?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Kann ick nich sagn. Warn 35 Jahre zusammen. Kinder wollt ick am Anfang \u2013 aba denn isser ja krank jeworn. Sonst war er ja \u2018n Braver, nur ewig krank, bis er jestorben is. Ja, und dann war da die Jeschichte mit der Spielhalle.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wie war das? Spielhalle?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eEr war der Meinung, er m\u00fcsste ne Spielhalle koofn. Am Arsch der Welt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>In Kreuzberg inner Wrangelstra\u00dfe.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Die Karin macht die Aufsicht. T\u00fcrken und so, die tanzen mir uffer Nase rum. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Nee, Geld is nicht rumjekommen. Draufjezahlt ham wir. Mein Vater ist bald wahnsinnig geworden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Da gab\u2018s: die Geld-Automaten. Die Flipper. Und Billiard &#8211; da wurden die Kugeln geklaut, oder sie haben die Musikbox ausger\u00e4umt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Der Harry jibt also die Stelle uff, ne jute Stelle \u2013 und meint er m\u00fcsste ne Spielhalle koofn. Eine runter jekommene Spielhalle. Vergammelt. Arm. Total arm. Anner Ecke ne Kneipe, ooch\u00a0mit Billiard und den Daddel-Dingern drin. Und da will der gegen anstinken.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Ick sach: Koof die Halle nich. Er hat wenich Jeld jehabt, ick hab jar keens jehabt. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Koof dit nich!\u201c<\/em><\/p>\n<p>30000 D-Mark kostet die Absteige in Kreuzberg. Harry kauft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eHerr Kohl macht mit einer Unterschrift 30000 Mark Schulden. Bald irre jeworden bin ick.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_2549\" aria-describedby=\"caption-attachment-2549\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2549 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke4-300x154.jpg\" width=\"300\" height=\"154\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke4-300x154.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke4-768x395.jpg 768w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke4-600x309.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/marke4.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2549\" class=\"wp-caption-text\">Immer sch\u00f6n eisern bleiben, Justav!<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eJetzt ham wir f\u00fcnf Stellen jehabt, wo wir Monatsende bezahlen mussten. Pacht. Rate. Strom. Benzin. Und du musst Dir selber noch wat zu essn koofn. Achja, Krankenkasse nebenbei.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Und dann sin da immer die Leute jewesen, die wat von uns wollten:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>,Sagn Se dem Chef, wenn der nich zahlt, denn hol\u2018 ick de Apparate hier raus.&#8217; Denn kam eener vom Strom: ,Sagn Se dem Chef, wenn der jetzt nich zahlt, denn stelln wir den Strom ab.&#8217; Denn dit Finanzamt. Am Monatsende hat der Rentner, der bei uns als Aushilfe anjestellt war, ooch die Hand uffjehalten. Un der Fleischer und der B\u00e4cker un die vonner Apotheke\u2026<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Ick bin bald irre jeworn. Da war wat los, det war ne Zeit.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Un der Harry is immer kr\u00e4nker jeworn. Magen und Magn und Darm und Darmverschluss, der war ja so oft uff Intensiv, wir ham schon nich mehr jez\u00e4hlt. Der war sehr krank.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Den halben Magen ham se ihm raus jemacht. Von oben bis unten uffjeschnitten. Ein Jahr war der Harry im Stahlkorsett. Dit war nich drollig. Der konnte sich nich mal knickn. Und jut jerochn hat er nat\u00fcrlich ooch nich mehr.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Ick kenn den eijentlich nur krank. Aba lachn konnte er komischerweise.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Eins is nachm anderen jekommen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Hepatitis der schlimmen Sorte.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Krebs.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die \u00c4rzte nehmen sie zur Seite und erkl\u00e4ren, Harry sei sehr schlimm dran. Er habe \u201eViren der schlimmen Sorte\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eMensch, wenn der so hohe Viren hat, hab\u2018 ick jedacht, denn wird der mir eventuell wegsterben. Mensch, wenn der so hohe Viren hat \u2013 dann biste pl\u00f6tzlich janz alleene. Mir war der Harry lebendig lieber als tot. Auch wenn mich der Alltach total kaputt jemacht hat.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Sie bettet ihren Mann um. Sie greift seinen Leib und rollt ihn zu sich heran. Nestelt ein neues Laken unter ihn.<\/p>\n<p>Sie s\u00e4ubert ihn mit einem Waschlappen.<\/p>\n<p>Achselh\u00f6hlen.<\/p>\n<p>Mundwinkel.<\/p>\n<p>An der Scham.<\/p>\n<p>Poritze.<\/p>\n<p>F\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p>Und so weiter.<\/p>\n<p>Zweimal in der Woche braust sie ihren Mann ab.<\/p>\n<p>F\u00e4hrt ihn im Rollstuhl am Sonntag spazieren.<\/p>\n<p>Sie arbeitet wieder in der Firma des Vaters, Harry und Karin leben wieder bei ihren Eltern. Der Vater redet nicht mehr viel, er liest Zeitung oder h\u00f6rt Radio. Die Mutter streitet nur noch. Im Haus wird nicht oft gelacht.<\/p>\n<p>Sie f\u00e4hrt Harry zum Arzt, besucht Harry in der Klinik.<\/p>\n<p>Poritze.<\/p>\n<p>Achseln.<\/p>\n<p>Naseputzen.<\/p>\n<p>Windeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eSo war dit. Ick hab et jar nich jemerkt \u2013 aber uff eenmal war ick alt.&#8221;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>N\u00e4chste Folge: Knut und Herr D\u00f6rflein<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>berlin, 7. januar 2017\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8212;- winter 16\/17, Folge VI. &nbsp; \u201eAm 13. August \u201861, da warma jerade anner Nordsee. Sankt Peter Ording, wie immer. Vater hatte Jeburtstach. Da hamse die Mauer dicht jemacht.\u201c Am 14. liest es Karins Vater in der Zeitung. 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