{"id":2464,"date":"2016-12-04T12:15:51","date_gmt":"2016-12-04T12:15:51","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=2464"},"modified":"2016-12-04T12:15:51","modified_gmt":"2016-12-04T12:15:51","slug":"carlo-grantelotti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/carlo-grantelotti\/","title":{"rendered":"CARLO GRANTELOTTI"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>m\u00fcnchen\/berlin, 4. dezember 2016\u00a0\u00a0 &#8212;\u00a0 <strong>In den vergangenen Wochen hat Carlo Ancelotti, der Trainer des FC Bayern M\u00fcnchen, sein leutseliges Gesicht unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit getragen. Bei Pressekonferenzen, vor, w\u00e4hrend und nach Spielen trat er mit Sorgenfalten auf der Stirn und strengem Blick auf. Manchmal zog er gar eine Augenbraue hoch \u2013 das sind Momente, in denen man dem Mann nicht zu nahe treten darf. Dann ist er grantig.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herr Ancelotti war schon immer so. Er ist ein lebenslustiger Zeitgenosse, f\u00fcr den freilich vor dem Feiern die harte Arbeit kommt. Im ausgehenden Jahr 2016 gibt es f\u00fcr den Trainer Ancelotti nicht viele Anl\u00e4sse zum Lachen. M\u00fcrrisch treibt er seine Truppe zu m\u00fchsamen Siegen. Und muss zusehen, wie diese <em>maledetti ragazzi<\/em> aus Leipzig die Liga aufmischen \u2013 wenn n\u00f6tig, mit \u201eSchwalben\u201c, wie beim j\u00fcngsten 2-1-Sieg gegen Schalke gestern Abend.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Aber Carlo bei\u00dft sich durch. Nichts kommt von nichts. So hat er es gelernt.<\/strong><\/p>\n<p>Also, zur\u00fcck zu den Wurzeln (Auszug aus \u201eCARLO ANCELOTTI \u2013 DIE BIOGRAPHIE\u201c, erschienen 2016 im Riva Verlag):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Reggiolo, die Emilia Romagna, bleiben in Ancelottis F\u00fchlen und Denken, wo immer er auch gerade arbeitet. Das hat in Parma angefangen, das bleibt ihm in Rom, Turin, Mailand, Chelsea, Paris oder Madrid. Er erinnert sich gern an die Ger\u00fcche und die Ger\u00e4usche der Heimat.<\/p>\n<p>Und er bewahrt die Werte, die ihm bei den Salesianern und in der Armee beigebracht worden sind. Die Salesianer haben sich vor Allem um Jungen aus \u00e4rmeren Familien gek\u00fcmmert.<\/p>\n<p>Gepr\u00e4gt hat Carletto vor allem die Lekt\u00fcre \u00fcber das Leben des Paters Pius von Pietrelcina. Der kam 1887 zur Welt, war ein kr\u00e4nkelndes Kind, trat fr\u00fch den Kapuzinern bei. Beim Volk wurde er als Wunderheiler verehrt, der Vatikan bek\u00e4mpfte diesen Ruf lange Zeit. Er lebte in Armut, wurde zu einem Glaubens-Helden zu Lebzeiten. Als er 81-j\u00e4hrig starb, kamen im September 1968 rund 100000 Menschen zu seiner Beerdigung. 1997 erkl\u00e4rte ihn der Heilige Stuhl zum \u201eEhrw\u00fcrdigen Diener Gottes\u201c, am 2. Mai 1999 wurde Pater Pio seliggesprochen. Heiligsprechung:\u00a0 am 16. Juni 2002.<\/p>\n<p>\u201eEr war ein mutiger Mann. Pater Pius wirkte Wunder, sein Leben ber\u00fchrt mich sehr. Und seine Leits\u00e4tze helfen vielen Menschen. Ich selbst glaube an Gott. Ja, ab und zu bete ich.<\/p>\n<p>Ich bete \u2013 aber da geht es um wichtige pers\u00f6nliche Dinge. Wegen des Fu\u00dfballs w\u00fcrde ich nie beten. Ich glaube, Gott hat wichtigere Dinge zu tun, als sich um Fu\u00dfball zu k\u00fcmmern.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Carlo Ancelotti liebt Filme, in den Al Pacino vor der Kamera steht.<\/p>\n<p>Al Pacino, geboren in Manhattan, ist der Sohn von Salvatore Pacino, geboren in der sizilianischen Stadt Corleone, und von Rose Gerard, der Tochter eines italienischen Einwanderers und einer italienisch-amerikanischen Mutter, die in New York geboren wurde.<\/p>\n<p>Seine Eltern lassen sich scheiden, als er zwei Jahre alt ist. Danach ziehen Al und seine Mutter in die Bronx, Pacino w\u00e4chst bei seinen sizilianischen Gro\u00dfeltern, die aus der Heimatstadt seines Vaters eingewandert sind, auf.<\/p>\n<p>Schon mit zehn will er raus, raus raus aus den Bronx. Er verdient Geld als Platzanweiser im Kino. Nimmt jeden Job und jede Wette an.<\/p>\n<p>Pacino ist ein Underdog ohne Zukunft. Doch er wird es bis Hollywood und weiter bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Carlo Ancelotti k\u00f6nnte Mario Puzos \u201eDer Pate\u201c wieder und wieder lesen und sehen. In dem Stoff verliert er sich. Was f\u00fcr ein K\u00f6nner, dieser Puzo!<\/p>\n<p>Der Schriftsteller Mario Gianluigi Puzo wird als Sohn von Eltern italienischer Abstammung am 15. Oktober 1920 in New York City geboren und w\u00e4chst im Stadtteil Little Italy auf. Little Italy, das ist Bandenkrieg und der Schauplatz vieler Szenen aus dem \u201ePaten\u201c. Das ist die Heimat des Robert de Niro. Das ist dort, wo das Recht des St\u00e4rkeren regiert und die Armut nistet. Armut in vielen Wohnungen und vielen Familien.<\/p>\n<p>Sein Vater, ein Gleisarbeiter, verl\u00e4sst die Familie, da ist Mario zw\u00f6lf. Der Junge muss neben der Schule Geld verdienen.<\/p>\n<p>Mario meldet sich im Zweiten Weltkrieg freiwillig als Soldat, ist unter anderem auch in Deutschland stationiert. Egal, wohin die Armee marschiert, jedes Ziel ist besser als <em>back in little Italy<\/em>.<\/p>\n<p>Der Weg des Mario Puzo ist eine Sackgasse. Trotzdem geht er vorw\u00e4rts und wird zu einem der erfolgreichsten Bestsellerautoren der Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Buch wie \u201eDer Pate\u201c kann zur Sucht werden. Dann schm\u00f6kerst Du drin, bis die Seiten zerfleddern. Und es bleiben ewige S\u00e4tze. S\u00e4tze, die auch das Leben des Carlo Ancelotti\u00a0 auf einen Nenner bringen. Zum Beispiel:<\/p>\n<p><em>\u201eHasse niemals deine Gegner. Das beeinflusst deine Entscheidungen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDer einzige Reichtum auf dieser Welt sind Kinder, mehr als alles Geld, Macht auf Erden.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eHerausragende M\u00e4nner werden nicht so geboren, sie werden so.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eMacht ist nicht alles, sie ist das einzige.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eIch habe immer daran geglaubt, dass N\u00e4chstenliebe in jeder Form profitabel ist &#8211; sowohl pers\u00f6nlich als auch grunds\u00e4tzlich.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eFreundschaft und Geld: \u00d6l und Wasser.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eGeld ist eine Waffe. Politk bedeutet zu wissen, wann man abdr\u00fcckt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eSelbst der st\u00e4rkste Mann braucht Freunde.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eEin Anwalt mit einer Brieftasche kann mehr stehlen als tausend M\u00e4nner mit Waffen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das sind S\u00e4tze, wie in Stein gemei\u00dfelt. Jeden einzelnen k\u00f6nnte Puzo \u00fcber Mario Ancelotti, den Fu\u00dfball-Mann, geschrieben haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In seinen Londoner Tagen \u2013 da ist er schon der gro\u00dfe \u201eErfolgstrainer\u201c &#8211; redet Carlo Ancelotti auch einmal \u00fcber seinen Ehrgeiz, sein schweres Ankommen in der weiten Welt und seinen Glauben.<\/p>\n<p>Schon fr\u00fch verl\u00e4sst er das Elternhaus. Nun ist er erst einmal ohne Bezugsperson.<\/p>\n<p>In der Neuen Welt der Erwachsenen wartet kaum jemand auf einen d\u00fcrren Buben aus der Provinz, der zwar beeindruckend Fu\u00dfball spielt und von einem bemerkenswerten Ehrgeiz und gro\u00dfer Disziplin voran getrieben wird. Aber er ist eben auch das \u201eLandei\u201c. Kommt in Rom an und kriegt den Dialekt eines T\u00f6lpels vom Lande nicht weg. Der wird zur Lachnummer, wenn der Schiri abgepfiffen hat.<\/p>\n<p>Carletto redet und bewegt sich wie ein junger \u201eDon Camillo\u201c. Ein Typ zum Wiehern.<\/p>\n<p>\u201eWar nicht so leicht damals. Wenn ich bei Rom in die Umkleide kam, und da sa\u00dfen all diese Helden aus der Ersten und grinsten mich an \u2013 da h\u00e4tte ich mich am liebsten verkrochen. Ich war 15, weit von zuhause weg. Mutter und Vater nicht da, Mann das war hart. Aber ich musste durch, also habe ich mich an all das gew\u00f6hnt. Das Fremdeln. Die Einsamkeit. Das K\u00e4mpfen.\u201c<\/p>\n<p>Geholfen hat ihm der Sport. Das war ja der Grund, warum er sich in die Fremde aufgemacht hatte.<\/p>\n<p>\u201eIch liebte den Fu\u00dfball, ich konnte das n\u00e4chste Training gar nicht erwarten. Da war ich besessen und wollte st\u00e4ndig dazu lernen. Meinen Dialekt jedoch habe ich nicht abgelegt. Den kann ich nicht vergessen und ich will es nicht. Ich habe mit meinem Vater bis zu seinem Tod im September 2010 im Dialekt gesprochen, wenn ich in Reggiolo zu Besuch war.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Morgen: Papa Ancelotti und der b\u00f6se Bube<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; m\u00fcnchen\/berlin, 4. dezember 2016\u00a0\u00a0 &#8212;\u00a0 In den vergangenen Wochen hat Carlo Ancelotti, der Trainer des FC Bayern M\u00fcnchen, sein leutseliges Gesicht unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit getragen. Bei Pressekonferenzen, vor, w\u00e4hrend und nach Spielen trat er mit Sorgenfalten auf der Stirn und strengem Blick auf. 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