{"id":2350,"date":"2016-06-22T18:49:26","date_gmt":"2016-06-22T18:49:26","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=2350"},"modified":"2016-06-22T18:49:26","modified_gmt":"2016-06-22T18:49:26","slug":"sex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/sex\/","title":{"rendered":"SEX"},"content":{"rendered":"<p><strong>kapitel 2, berlin, 22.6., wolken, es ist hei\u00df, die stadt \u00e4chzt.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Augen verklebt. Nase verstopft. Atem von gestern. Krohn blinzelt aus den Kissen.<\/p>\n<p>Es ist sein Bett, zumindest das. Das Fenster hat er nicht ge\u00f6ffnet, er tr\u00e4gt die kurze Hose und das T-Shirt von gestern.<\/p>\n<p>Ein wenig Alkohol sp\u00fcrt er noch. Das ist ganz erfreulich, da f\u00e4llt das Aufstehen nicht so schwer. Krohn \u00fcberlegt, wie er es heute mit dem Trinken halten wird. Er muss ja nicht gleich noch einen drauf legen, oder?<\/p>\n<p>Schei\u00df drauf, er wird sich nichts vormachen. Den Tag kriegt er ohne Alk nicht hin. Morgen ist wieder Schluss. Versprochen.<\/p>\n<p>Er m\u00fcht sich aus dem Bett. Auf dem Weg zum Bad bleibt er vor dem Tisch stehen. Da hat er wohl noch \u201egearbeitet\u201c. Tut er gern, wenn er besoffen nach Hause kommt. Ist ein Unsinn, weil ihm dann nur Unfug einf\u00e4llt. Mal suhlt er sich in Selbstmitleid, mal kritzelt er einen gro\u00dfen Zorn aufs Papier.<\/p>\n<p>Was ihm gestern eingefallen ist? Krohn nimmt einen Zettel vom Tisch. Die Schrift ist ja ganz okay.<\/p>\n<p><em>\u201eDen hab\u2018 ich seit ewig nicht mehr gesehen. Ich wei\u00df nich, \u2018n Jahr oder so. Sonst haste ihn ja beim Ilhan an der Nordbahn getroffen \u2013 aber jetzt schon ewig nich.<\/em><\/p>\n<p><em>Das ist ja \u2018n ganz Netter gewesen. Hat gern mal \u2018nen K\u00fcmmel genommen. Hat seine Bierchen beim Ilhan gehabt \u2013 dann war er wieder weg.<\/em><\/p>\n<p><em>,Tsch\u00fcss, bis der Tage.\u2018 Und weg war er. Wei\u00df nicht mal, wo der gewohnt hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Ewig nich gesehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ob der gestorben ist?<\/em><\/p>\n<p><em>Naja, heute Abend is Fu\u00dfball. Jetzt wird\u2019s ernst.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Krohn erinnert sich jetzt wieder. Da war er noch gut zu Fu\u00df gewesen. In der Pankower Kneipe hat er begeistert mitgeschrieben, als sich die Leute unterhalten haben. H\u00e4tte noch nach Hause fahren k\u00f6nnen, und alles w\u00e4re in Ordnung gewesen.<\/p>\n<p>Aber als der Typ vom Fu\u00dfball redete, konnte Hans Krohn nicht anders. Er musste runter nach Moabit. Public Viewing in der \u201eQuelle\u201c. Geile Sache.<\/p>\n<p>Er lief in der Kneipe ein und ergatterte einen guten Platz am Tresen. Neben ihm sa\u00df der dicke Schauspieler, der regelm\u00e4\u00dfig hier versackte. Er war gut im Gesch\u00e4ft \u2013 seine Auszeit nahm er, wenn er keinen Dreh hatte.<\/p>\n<p>Der Typ konnte saufen, dass einem vom Zusehen \u00fcbel wurde. Seine Trips zogen sich \u00fcber Tage hin. In der \u201eQuelle\u201c bekam er um f\u00fcnf Uhr morgens R\u00fchrei und einen Schlafplatz in der Ecke. Pennte zwei, drei Stunden, dann zog er weiter.<\/p>\n<p>Hans Krohn und der Schauspieler mochten sich. Der Andere nannte ihn den \u201eH\u00e4nfling\u201c und versuchte, ihn zu flottem Trinken zu \u00fcberreden. Doch das war nicht drin. Krohn konsumierte, so gut er konnte.<\/p>\n<p>So auch gestern. In der Pause des Deutschland-Spiels war er schon bedient. Egal, dass die L\u00f6w-Jungs jede Menge Chancen vermasselten. Krohn stand am Tresen, trank und machte unsinnige Notizen.<\/p>\n<p>Irgendwie war da noch was.<\/p>\n<p>Hans Krohn dachte nach. Er erinnerte sich an den johlenden Schauspieler. Und dann daran, dass ihn diese Frau umarmt hatte.<\/p>\n<p>Oder hatte er zugegriffen?<\/p>\n<p>Naja, sei\u2019s drum. Die Deutschen versemmelten eine Chance nach der anderen \u2013 und Krohn steckte der Frau die Zunge in den Mund. Sie dr\u00fcckte ihren Leib gegen sein Geschlecht, und er fand sie sehr sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Mit ihren Leopardenmuster-Leggins und dem knappen T-Shirt, unter dem die Brustwarzen standen. Mit ihren erregten tiefgr\u00fcndigen Augen.<\/p>\n<p>Jetzt erinnerte sich Krohn genau:<\/p>\n<p>Sie hatte, noch vor dem Schlusspfiff gefragt, ob er mitkommen wolle. Er hatte gezahlt. Sie waren zu ihrer Wohnung gegangen. Sie hatten beieinander gelegen und gesp\u00fcrt, dass ihre K\u00f6rper ausgehungert waren. Sie waren erfahren und kompromisslos gewesen.<\/p>\n<p>Dann waren die K\u00f6rper bedient.<\/p>\n<p>Er hatte sich angezogen, sie hatte ihm schweigend zugeschaut.<\/p>\n<p>\u201eMan sieht sich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, man sieht sich.\u201c<\/p>\n<p>Er war zu Fu\u00df durch die Stadt gegangen. Die Nacht war lau, er musste sich im Tiergarten erbrechen. Irgendwie kam er nach Hause. Versuchte, am Tisch noch etwas zu schreiben.<\/p>\n<p>Jetzt sammelt er mit flauem Kopf die Zettel und legt sie in eine Schachtel. Ordnen wird er sie sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Vielleicht sollte er sich die Z\u00e4hne putzen.<\/p>\n<p>Oder doch ein Fr\u00fchst\u00fccksbier?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><em>Morgen Kapitel 3<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>kapitel 2, berlin, 22.6., wolken, es ist hei\u00df, die stadt \u00e4chzt. &nbsp; Augen verklebt. Nase verstopft. Atem von gestern. Krohn blinzelt aus den Kissen. Es ist sein Bett, zumindest das. 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