{"id":2348,"date":"2016-06-21T07:30:55","date_gmt":"2016-06-21T07:30:55","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=2348"},"modified":"2016-06-21T07:30:55","modified_gmt":"2016-06-21T07:30:55","slug":"brennerstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/brennerstrasse\/","title":{"rendered":"BRENNERSTRASSE"},"content":{"rendered":"<h1><\/h1>\n<p><strong>kapitel 1., berlin, 21.6., schweres grau, es soll sommer werden.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>War vielleicht doch nicht die beste Idee:<\/p>\n<p>Den Sommer auf Falladas Spuren zu beginnen.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: dieses Fallada-Projekt!<\/p>\n<p>Hans Krohn ist sich nicht mehr sicher.<\/p>\n<p>Er hat den Verleger um einen Vorschuss angebettelt. \u00dcberzeugt ist Hans Krohn von dem Vorhaben gewesen. Also hat er sich wegen des Geldes ziemlich ins Zeug gelegt.<\/p>\n<p>Der Vorschuss wird ihm \u00fcber den Sommer helfen. Mitte September muss er liefern. Bis dahin hat er Ruhe. Dann muss das Manuskript fertig sein.<\/p>\n<p>\u201eFalladas Ende\u201c.<\/p>\n<p>Er hat es in den Verleger hinein gesungen: Der Fallada ist \u201847 j\u00e4mmerlich gestorben. Jahrestag, h\u00f6ren Sie, Jahrestag, da kann man was machen. Toller Aufh\u00e4nger, hat Krohn geschw\u00e4rmt. Eine biographische Reportage \u00fcber das letzte Aufb\u00e4umen des gro\u00dfen Morphinisten und Schreibe-W\u00fcterichs. Ein St\u00fcck \u00fcber die kranke Beziehung des K\u00fcnstlers mit seiner s\u00fcchtigen Muse. Sittengem\u00e4lde des Nachkriegs. Portr\u00e4t des toten Berlin. Suche nach Falladas Suchen.<\/p>\n<p>Hmm!, hatte der Verleger gemeint. Sie hatten gefeilscht, man hatte einen Vertrag gemacht, seit drei Monaten gibt\u2019s Geld.<\/p>\n<p>Noch nichts geschrieben.<\/p>\n<p>Also, hat Krohn gedacht, jetzt muss er mal anfangen. Es ist Sommeranfang, da wird er vor Ort mit dem Buch beginnen.<\/p>\n<p>Basis-Recherche.<\/p>\n<p>Er ist nach Pankow gefahren. Stechende Sonne brach durch einen schweren grauen Himmel. Krohn schwitzte ein wenig, als er zum \u00a0Rudolf-Ditzen-Weg wanderte.<\/p>\n<p>B\u00fcrgervilla. Blick in eine K\u00fcche. Kupierter Rasen. Blickdichte Hecken.<\/p>\n<p>Letzte Wohnung Falladas.<\/p>\n<p>Krohn lie\u00df sich treiben. Er passierte die Villa des DDR-Staatsdichters Becher. Sa\u00df im B\u00fcrgerpark und hatte Schatten. Ging am Rathaus vorbei, die Breite Stra\u00dfe stadteinw\u00e4rts. Dolomitenstra\u00dfe. Brennerstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Brennerstra\u00dfe?<\/p>\n<p>Brennerstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Hans Krohn blickte auf das Schild und hatte Magendr\u00fccken.<\/p>\n<p>Brenner!<\/p>\n<p>Da war sie gerade.<\/p>\n<p>Sie. Sabrina.<\/p>\n<p>Gleich hinterm Brenner lebte sie.<\/p>\n<p>Dabei sollte sie bei ihm sein. Oder er bei ihr.<\/p>\n<p>Egal.<\/p>\n<p>Aber sie war hinterm Brenner \u2013 und er in Pankow.<\/p>\n<p>Nicht gut.<\/p>\n<p>Er ging ein paar Stra\u00dfen weiter. Die Beine taten ihm jetzt weh, ihm war unwohl.<\/p>\n<p>Er betrat eine Kneipe. Bestellte ein Bier.<\/p>\n<p>\u201eGanz sch\u00f6n hei\u00df, wa?\u201c, sagte der Wirt, w\u00e4hrend er zapfte. Krohn nickte. Er trank auf ex, bestellte noch eins. Kommt sofort, sagte der Wirt. Er blickte kurz zu dem unbekannten Gast und wusste alles.<\/p>\n<p>Seit Monaten hatte Krohn keinen Alkohol getrunken.<\/p>\n<p>Kommt sofort.<\/p>\n<p><em>Folgt Kapitel 2<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>kapitel 1., berlin, 21.6., schweres grau, es soll sommer werden. &nbsp; War vielleicht doch nicht die beste Idee: Den Sommer auf Falladas Spuren zu beginnen. \u00dcberhaupt: dieses Fallada-Projekt! Hans Krohn ist sich nicht mehr sicher. 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