{"id":2307,"date":"2016-03-08T08:32:09","date_gmt":"2016-03-08T08:32:09","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=2307"},"modified":"2016-03-08T08:32:09","modified_gmt":"2016-03-08T08:32:09","slug":"willkommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/willkommen\/","title":{"rendered":"WILLKOMMEN!"},"content":{"rendered":"<p><strong>berlin, 8. m\u00e4rz 2016<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAhlan wa-sahlan\u201c &#8211; die drei Berliner Spitzendirigenten Sir Simon Rattle, Iv\u00e1n Fischer und Daniel Barenboim haben bei einem gemeinsamen Konzert Fl\u00fcchtlinge auf Arabisch willkommen gehei\u00dfen. Schirmherrin war Angela Merkel (CDU), drei gro\u00dfartige Orchester spielten auf. Intendant Martin Hoffmann\u00a0erkl\u00e4rte den rund 2200 geladenen Fl\u00fcchtlingen\u00a0in der Philharmonie strahlend. \u201eSeien Sie herzlich willkommen in Berlin!\u00a0Eines verstehen wir alle gemeinsam &#8211; die Sprache der Musik.\u201c<\/p>\n<p>Es gab Mozarts Klavierkonzert in d-Moll \u2013 Barenboim dirigierte und verzauberte mit seinem Fl\u00fcgel-Spiel. Das \u201eKonzerthausorchester brachte\u00a0unter Iv\u00e1n Fischer Prokofjews Symphonie Nr. 1 beschwingt und federleicht zum Klingen. Und Simon Rattle lie\u00df zum Abschluss die Berliner Philharmoniker mit solcher Leidenschaft durch Beethovens Siebte fegen, dass\u201c \u2013 so der Tagesspiegel \u2013 \u201edas Publikum zum Applaus begeistert von den Sitzen aufsprang.\u201c<\/p>\n<p>Danach waren die Veranstalter begl\u00fcckt. Und die Konzertbesucher vom Lageso?<\/p>\n<p>Nun, einige fanden es herrlich, den Mozart, den Prokofjew und den Beethoven h\u00f6ren zu d\u00fcrfen. Viele aber haben auch ratlos die Philharmonie verlassen.<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df nicht, was wir hier sollten\u201c, sagte eine Mutter von zwei Kindern einem Deutschlandfunk-Reporter. \u201eIch kenne diese Musik nicht. Wenn Omar Souleyman gesungen h\u00e4tte \u2013 oder ein anderer K\u00fcnstler aus der Heimat! Dann h\u00e4tten wir das Gef\u00fchl gehabt, hier wird etwas f\u00fcr uns getan. Aber ich kann nicht viel mit Eurer Musik anfangen. Wenn ich das h\u00f6re, sp\u00fcre ich, wie weit die Heimat jetzt weg ist.\u201c<\/p>\n<p>Ob sie nicht dankbar sei, wurde die Frau gefragt.<\/p>\n<p>Ja, sicher, sie sei dankbar, dass sie lebe.<\/p>\n<p>Aber die Angst bleibt. Nein, die Angst wird gr\u00f6\u00dfer. \u201eMeine T\u00f6chter haben ihr Leben zur\u00fcck gelassen \u2013 und ein neues sehe ich nicht.\u201c<\/p>\n<p>Und wenn sie Mozart h\u00f6rt, ist das kein Trost sondern ein kleiner pieksender Schmerz.<\/p>\n<p>Zuhause in Ra-s al-Ain kommt aus dem Radio die hohe Stimme des coolen Souleyman (das ist der Sonnenbrillen-Macho auf dem gro\u00dfen Foto). Er singt von Liebe und Natur und Sehnsucht. Das ist vertraut und fehlt.<\/p>\n<p>Hier wollen ihr nette Leute etwas Gutes tun und bieten Beethoven. Das ist fremd und macht auch ein bisschen Furcht.<\/p>\n<p>So ist das nun mal, wenn Menschen entwurzelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>berlin, 8. m\u00e4rz 2016 \u201eAhlan wa-sahlan\u201c &#8211; die drei Berliner Spitzendirigenten Sir Simon Rattle, Iv\u00e1n Fischer und Daniel Barenboim haben bei einem gemeinsamen Konzert Fl\u00fcchtlinge auf Arabisch willkommen gehei\u00dfen. 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