{"id":2237,"date":"2016-02-08T14:21:48","date_gmt":"2016-02-08T14:21:48","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=2237"},"modified":"2016-02-08T14:25:41","modified_gmt":"2016-02-08T14:25:41","slug":"wow-helau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wow-helau\/","title":{"rendered":"WOW! HELAU!"},"content":{"rendered":"<p>berlin, 8. februar 2016<\/p>\n<p>Mainz haben sie abgesagt, aber in K\u00f6ln sind sie Gassi gegangen, die Jecken. Und in Berlin haben sie sich wieder mal zum Feiern in den Keller verdr\u00fcckt. Naja, nicht alle &#8211; und denen m\u00f6chte der Sputnik an diesem Rosenmontag den besten Dank abstatten. Die Sache war n\u00e4mlich die:<\/p>\n<p>Zuerst ist im Fernsehen eine abgespeckte Version des allj\u00e4hrlichen Fasching-\/Karneval-Irrsinns abgenudelt worden. Stundenlang lie\u00dfen sich Feierbiester beim Verunreinigen der K\u00f6lner Innenstadt filmen. Ein anderer Sender speiste die Kundschaft mit Konserven aus dem singenden, lachenden Mainz ab. Das war nur m\u00e4\u00dfig lustig, also zogen Sputnik und sein Lebensgef\u00e4hrte ein wenig durch den Kiez.<\/p>\n<p>Sputnik &#8211; das geh\u00f6rt zur Geschichte &#8211; ist ein traumatisiertes\u00a0 Wesen. Wurde nach der Geburt in Palma de Mallorca ausgesetzt und w\u00e4re schon zu Beginn seiner Tage beinahe verhungert. Jemand brachte das sterbende B\u00fcndel ins Tierheim &#8211; dort kam das Welpen an den Tropf, und die \u00c4rztin meinte:<\/p>\n<p>&#8220;Wahrscheinlich \u00fcberlebt er die Nacht nicht.&#8221;<\/p>\n<p>Der Hund hat sich durchgek\u00e4mpft. Wurde von Berliner Tier-Rettern nach Deutschland gebracht, landete in Sch\u00f6neberg. Ein freundlicher kleiner Hund ist er geworden, in st\u00e4ndiger Sorge zu verhungern. Ein s\u00fc\u00dfer Menschenf\u00e4nger, der am Fressnapf alle guten Manieren fahren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Sch\u00f6neberg: angenehmes Revier. Drei sehr aparte Spitz-H\u00fcndinnen am Kleistpark. Wei\u00dfe Locken, spitze Fahrgestell. Ein Mops in der Nachbarschaft, der beim Raufen immer den K\u00fcrzeren zieht &#8211; toll, wenn der bei einer Balgerei auf dem letzten Loch pfeift.<\/p>\n<p>Und dann gibt es in Sch\u00f6neberg noch dieses wundervolle Trottoir. Die Herrschaften von der Stadtreinigung lassen es &#8211; gerade zu Jahresbeginn &#8211; bei ihrer Arbeit ein wenig lax angehen. In der Crellestra\u00dfe liegen noch immer ein paar nadelnde Christ\u00e4ume auf dem B\u00fcrgersteig, in der Hauptstra\u00dfe wurden die Hundertschaften alter Kerzen f\u00fcr David Bowie erst Ende letzter Woche entsorgt &#8211; da sah die Gedenkst\u00e4tte schon seit l\u00e4ngerem wie eine Sonderm\u00fclldeponie aus. Und jetzt, an diesem Rosenmontag&#8230;<\/p>\n<p>Also, Sputnik verl\u00e4sst das Haus und versucht seinen Lebensgef\u00e4hrten zu dem D\u00f6nerstand an der Bushaltestelle zu zerrren. Dort lassen die Menschen immer wieder mal was fallen &#8211; und das ist dann schnelle Beute. Doch der Mensch gibt nicht nach. Wandert in Richtung des Rathauses. Man passiert einen Inder an der Belziger &#8211; da hat Sputnik, so eineinhalb Jahre ist das nun her, einen gro\u00dfen Happen Curry-Reis gehabt. Dann der Italiener, vor dem an einem Sommerabend ein St\u00fcck &#8220;Vier Jahreszeiten&#8221; lag.<\/p>\n<p>Am Ende der Belziger betreibt ein sehr begabter Pizzab\u00e4cker seinen Laden &#8211; da k\u00f6nnte ein Fress-Hund vor Ger\u00fcchen schier irre werden. Gegen\u00fcber liegt eine \u00fcble Pinte, sehr unergiebig. Aber an der Kreuzung wird es spannend.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber vom Rathaus gibt es eine B\u00e4ckerei. Sputniks Lebensgef\u00e4hrte bindet dort manchmal den Hund an und kauft sich einen Kaffee. Der Idiot von Mensch passt dabei nie sonderlich auf &#8211; und so kann Sputnik in aller Ruhe das Terrain sondieren, w\u00e4hrend der Mensch im Gesch\u00e4ft ist.<\/p>\n<p>Man mag es kaum glauben, wie viele Kr\u00fcmel ein ungest\u00f6rter Hund findet.<\/p>\n<p>Und heute ist er auf einen echten Claim gesto\u00dfen. Unter einem Tisch lag eine Teigware der besonderen Art. Weich und fluffig, goldbraun aufgebacken, ein Klecks Marmelade im Inneren.<\/p>\n<p>So etwas war Sputnik noch nicht unter die Nase gekommen. Vorsichtig hat er das Objekt beschn\u00fcffelt, ein wenig dran geleckt, noch mal geleckt. Die Ladent\u00fcr \u00f6ffnete sich, jetzt musste Sputnik schnell sein. Er schnappte zu, w\u00fcrgte den Krapfen herunter und tat so, als sei nichts passiert.<\/p>\n<p>Ein strammer Wind blies \u00fcber den Platz. Ein n\u00e4rrischer Mensch hatte eine dicke rote Nase im Gesicht und ein Ringelhemd an. Die Welt schmeckte nach Hefeteig und Aprikosenmarmelade. Wenn nicht alles t\u00e4uschte, lachte in diesem Augenblick ein kleiner Hund in Berlin sehr, weil der Karneval gut zu ihm war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>berlin, 8. februar 2016 Mainz haben sie abgesagt, aber in K\u00f6ln sind sie Gassi gegangen, die Jecken. Und in Berlin haben sie sich wieder mal zum Feiern in den Keller verdr\u00fcckt. Naja, nicht alle &#8211; und denen m\u00f6chte der Sputnik an diesem Rosenmontag den besten Dank abstatten. 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