{"id":2147,"date":"2016-01-21T18:37:51","date_gmt":"2016-01-21T18:37:51","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=2147"},"modified":"2016-01-21T18:37:51","modified_gmt":"2016-01-21T18:37:51","slug":"absturz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/absturz\/","title":{"rendered":"ABSTURZ"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\"><em><strong>sommer zwanzichfuffzehn XLVII<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Die t\u00fcrkische Luftwaffe bombardiert trotz internationaler Appelle weiterhin angebliche Ziele der als terroristische Vereinigung eingestuften Arbeiterpartei PKK im Norden des Irak. Dabei sollen 260 PKK-K\u00e4mpfer get\u00f6tet worden sein. Zu Angaben m\u00f6glicher ziviler Opfer der Luftangriffe weigert sich das t\u00fcrkische Milit\u00e4r. Die Regierung der autonomen Kurdenregion im Nordirak fordert ein Ende der Angriffe \u00a0sowie den R\u00fcckzug der PKK aus dem Nordirak.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Helldrive.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Lieblicher Mosel.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Erinnerungen an Dich, Sabrina, Frau von fr\u00fcher.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Da drau\u00dfen in der Natur ist es schwarz und dunkler,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Ich hoffe, dass es hell wird \u2013 aber es ist so lang hin.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00dcberhaupt: Gibt es hell noch?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>71 Leichen von Fl\u00fcchtlingen werden in der N\u00e4he des \u00f6sterreichischen Orts Pandorf in einem auf der Ost-Autobahn A4 abgestellten Lkw entdeckt.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Mann ging l\u00e4ngs der Stra\u00dfe. Stadtausw\u00e4rts. Nach Norden. Der Rucksack wog schwer, Stettins Plattenbau war von glei\u00dfender H\u00e4sslichkeit. Im Sinn f\u00fchrte der Mann nichts Bemerkliches. Warum auch?<\/p>\n<p>Er also so\u00a0f\u00fcrbass. Nach vorne scheinbar ausschreitend<\/p>\n<p>Und dann kam das Vorne.<\/p>\n<p>Das\u00a0war das Daneben-Treten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es trieb ihn in diese Vorstadt-Kneipe:<\/p>\n<p>Die Fenster verschmiert, die Vorh\u00e4nge verraucht. Arbeiter, die nicht nach Hause mochten. Ein sehr herunter gekommener Wirt.<\/p>\n<p>N Bier. Nochn Bierchen. Und so.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch \u2019ne Frau.<\/p>\n<p>Die wollte er nicht wahrnehmen. Nein, das wollte er nicht.<\/p>\n<p>Sie stand da mit ihrem Hintern.<\/p>\n<p>Er wollte nicht, dass sie Augen, braune, hatte. Er wollte da nicht rein gucken. Sie sollte weg sein.<\/p>\n<p>Ger\u00e4usche in der Kneipe. Sprachfetzen der Belanglosigkeit. Polnische Schlager.<\/p>\n<p>Sie sprach ihn an. Dann war seine Hand an ihrem Arsch, alle in der Pinte fanden es sehr okay.<\/p>\n<p>Der Hintern war gut. Gab kaum nach, wenn er dr\u00fcckte.<\/p>\n<p>Sie bot ihm den Mund. Sch\u00f6ne Lippen, sch\u00f6ne Augen, die Hand am Po.<\/p>\n<p>Er sah sie an.<\/p>\n<p>Sie fragte was. Er wusste, was es war. Nein, dachte er. Nicht mehr.<\/p>\n<p>Aber sie hatte ihn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ihre Finger waren sehr schmal.\u00a0 Kraftvoll. Sie nahm ihn in ihre verkommene Wohnung mit und nahm sein Glied in die starken H\u00e4nde.<\/p>\n<p>Ungebremster Trieb. Was f\u00fcr die Kids und Tiere.<\/p>\n<p>Und: Lust? Wo blieb sie ab?<\/p>\n<p>Fernab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war so unsch\u00f6n, das Nachsinnen. Dachte der Mann. Er duckte sich nach seiner Flucht aus dem warmen Bett und weg von der leise schnarchenden Frau in einen Bus-Unterstand, auf dessen Dach grieseliger Regen nieder ging. Sein Schwanz war m\u00fcde, in seinem Denken brach die m\u00fcrbe Panik aus. Ihm war nicht mehr wohl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Bus kam.<\/p>\n<p>Der Mann zahlte und fuhr zur\u00fcck zu seinem Boot. Er blickte auf das Regenland, dachte, dass ein guter Regisseur diese Felder am liebsten wogend unter hohem Korn filmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der Mann w\u00fcnschte sich, er h\u00e4tte keinen Sex gehabt. Dann befreute er sich an seiner Trunkenheit und am Wiegen des Busses. Schlie\u00dflich schlief er. An der Endhaltestelle wurde er vom Fahrer geweckt, schwebte aus dem Bus und sauste mit seinem Boot zur\u00fcck zur \u201eM\u00e4dchentraube\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Die Terrororganisation Islamischer Staat zerst\u00f6rt in Palmyra den Tempel Bel, eine der wichtigsten St\u00e4tten des UNESCO-Weltkulturerbes.<\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Bin, glaube ich, kein Scheiss-Typ gewesen. Ich wollte die Anderen in Ruhe lassen.<\/em><\/p>\n<p><em>Und mein Ding wollte ich machen. \u00a0Habe gemeint, dass die Kerze von beiden Seiten angez\u00fcndet geh\u00f6rt.<\/em><\/p>\n<p><em>Das hei\u00dft ja nix. Ich bin kein K\u00f6nner \u2013 wenn ich eine Kerze\u00a0an beiden Enden anstecke, dann ist das nichts Besonderes.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber f\u00fcr mich ist es eine Sensation<\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe meinen K\u00f6rper bis dahin gebracht, wo er nicht mehr konnte. Habe gesoffen, bis das Denken sich einstellte.<\/em><\/p>\n<p><em>Frauen?<\/em><\/p>\n<p><em>Es war keine mehr.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe immer versucht, die Frau meines Lebens zu ehren. Warum sollte ich andere k\u00fcssen?<\/em><\/p>\n<p><em>Nun taumle ich durch Unw\u00e4gbarkeiten, ich kenne mich manchmal nicht. Oft bin ich mir ganz fremd.<\/em><\/p>\n<p><em>Auf der Volksparkbr\u00fccke \u00fcber die Bundesallee stellte ich mir vor, wie es w\u00e4re, wenn ich h\u00fcpfen w\u00fcrde.<\/em><\/p>\n<p><em>Erstmal m\u00fcsste ich \u00fcber das versiffte Gel\u00e4nder kraxeln. Rechtes Bein \u2013 das ist mein gutes \u2013 voran. S\u00e4\u00dfe ich dann rittlings? Oder w\u00e4re es besser, das Ganze in einem Schwung durchzufedern?<\/em><\/p>\n<p><em>M\u00fcsste ich noch Acht darauf haben, wem ich die K\u00fchlerhaube oder das Dach zerdeppere?<\/em><\/p>\n<p><em>Eigentlich nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Eigentlich nie.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Ich bin niemals geh\u00fcpft.<\/em><\/p>\n<p><em>Zur\u00fcck gekehrt in das Leben, das meines nicht war.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Nach der Einreise hunderter Migranten, die meist aus Syrien und dem Irak stammen und von Deutschland kommend \u00fcber D\u00e4nemark nach Schweden weiterreisen wollen, stellt die Polizei in S\u00fcdj\u00fctland den Bahnverkehr zwischen Flensburg und Padborg ein und sperrt vor\u00fcbergehend die Autobahn. Dar\u00fcber hinaus wird der F\u00e4hrverkehr zwischen Fehmarn und Rodby gestoppt.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\n<p><em>Er traf auf sie, unvermutet, j\u00e4h.<\/em><\/p>\n<p><em>Er f\u00fchlte sich schwach und besch\u00e4mt,<\/em><\/p>\n<p><em>weil sie ihn beim Abst\u00fcrzen sah.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>SABRINA<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Sie lie\u00df sich nicht beirren, sie l\u00e4chelte:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Ich glaube an Dich, sagte sie,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>habe immer an Dich geglaubt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Er traf auf sie und staunte,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>dass doch noch nicht alles Leben<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>aus ihm gewichen war.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Warum nahm ihn diese Frau in den Arm,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>warum f\u00fchlte er ihre W\u00e4rme,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>warum war ihm so wohl?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Z\u00f6gernd wandte er sich um<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>und blickte in das schwache Licht von einst.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Dort wollte er hin.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>SCHATTEN UND LICHT<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Er schlug einen schweren Weg ein.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Gejagt von den Schatten seiner Vergangenheit,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>geb\u00fcrdet vom Wissen seiner Schw\u00e4che.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Steinig war der Weg und schier endlos,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>jeder Schritt eine Pein, und f\u00fcr den n\u00e4chsten<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>schien die Kraft nicht zu reichen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Komm, sagte sie,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>mach nicht schlapp,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>du kannst es doch.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Sie machte ihm den Weg frei,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>sie scheuchte die Schatten<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>der Vergangenheit weg.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Und dann sagte sie pl\u00f6tzlich:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Hebe den Kopf, Liebster:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Siehst Du das Licht?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>LIEBE UND MEHR<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Es blendete, dieses Glei\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Der Weg wurde hell und einfach.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Das Gehen wurde zum Laufen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Er rannte zum Licht<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Mit der Kraft aus seinen fr\u00fchen Tagen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Mit diesem Hoffen und Lachen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Mit einer Liebe, die er nicht gekannt hatte.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Die ihm den Willen zum Kampf gab:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Zum Kampf gegen den, der er mal gewesen war.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Er wollte k\u00e4mpfen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>F\u00fcr sich, f\u00fcr sie, f\u00fcr ihre Liebe.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Er wollte halten, geben, das Leben sp\u00fcren.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Ich liebe dich, sagte er,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>und es war ihm ganz selbstverst\u00e4ndlich.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Lass uns ins Licht treten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\n<p style=\"text-align: center\">\n<p style=\"text-align: center\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Der deutsche Innenminister Thomas de Maizi\u00e8re veranlasst aufgrund der Fl\u00fcchtlingskrise im Rahmen der geltenden Regeln des Schengener Abkommens vor\u00fcbergehend die Einf\u00fchrung von Grenzkontrollen an der deutsch-\u00f6sterreichischen Grenze. Nach Einf\u00fchrung dieser gelingt dort bald die Festnahme erster Schleuser.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\n<p><em>Er setzte sich an den Stammtisch und verlor den Halt &#8212; Der Kopf schwang recht lose \u00fcber die gewachste Platte &#8212; Er war sich seiner sicher &#8212; oder war er sich seiner nicht klar &#8212; Eines! Er war sich bewusst: Das Zeug bringt ihn um &#8212; Er sah mit einem noch-fast-jungen Blick &#8212; in den n\u00e4chsten Tag, in die Tr\u00e4ume: das Meer, den Himmel unter Sternen, die Berge in der\u2028Unnahbarkeit &#8212; Die Kinder, die Frauengeschichten, dieses Da-Bleiben &#8212; Doch am Ende: &#8212; Das Tr\u00e4umen und das Trinken w\u00fcrde ihn umbringen.<\/em><\/p>\n<p><em>Hey, nicht missverstehen: &#8212; War ein geiles Leben gewesen &#8212; Er war auf die Gipfel gelaufen, dann wieder runter &#8212;\u00a0NOCHMAL ZUR\u00dcCK? &#8212; Er sah betrunken-ern\u00fcchtertmit in &#8212; sein gewesenes und sein k\u00fcnftiges Dasein &#8212; Nicht mehr leicht w\u00fcrde es sein wie fr\u00fcher.<\/em><\/p>\n<p><em>Nix mehr w\u00fcrde sein wie fr\u00fcher &#8212; Jetzt k\u00f6nnte man ja sagen, dass ihm von nun an &#8212; das Blei des Lebens anhafte &#8212; Doch wie bl\u00f6d w\u00e4re das &#8212; Er begann, sich zu bezweifeln &#8212; Die Ausreden halfen nicht mehr &#8212; Er war sich selbst auf der Spur.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Jetzt gab es nur noch eine Spur.<\/em><\/p>\n<p><em>Ob es weh tat oder nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>L\u00fcgen war nicht mehr.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Und wenn er ehrlich war, musste er erkennen:<\/em><\/p>\n<p><em>Er stand nicht gerade l\u00f6blich da. <\/em><\/p>\n<p><em>Er machte eine schmale Figur.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Das Foto eines toten Kindes wird zum Symbol f\u00fcr das Leid der Fl\u00fcchtlinge im Mittelmeer: Der kleine Junge liegt an einem t\u00fcrkischen Strand. Er war ertrunken. Bei Twitter wurde das Foto unter dem Hashtag in t\u00fcrkischer Sprache #KiyiyaVuranInsanlik (&#8220;Die fortgesp\u00fclte Menschlichkeit&#8221;) verbreitet.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>#KiyiyaVuranInsanlik war am Mittwoch weltweit das am h\u00e4ufigsten verwendete Hashtag auf Twitter. Internationale Medien und Menschenrechtsorganisationen nehmen auf das Bild Bezug.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Der kleine K\u00f6rper des Jungen, bekleidet mit einem roten T-Shirt und einer kurzen blauen Hose, war an einen Strand im S\u00fcden der T\u00fcrkei gesp\u00fclt worden. Ein junger Polizist trug die Leiche davon. Auf einem Foto ist zu sehen, wie der Polizist den Kopf zur Seite dreht, so als wolle er die Kinderleiche nicht ansehen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Medienberichten zufolge war der Junge drei Jahre alt, als er bei der Flucht \u00fcber das Mittelmeer starb. Auch sein Bruder \u00fcberlebte den Angaben zufolge die \u00dcberfahrt nicht. Die Familie war den Berichten zufolge vergangenes Jahr aus der syrischen Stadt Kobane vor der Dschihadistenmiliz &#8220;Islamischer Staat&#8221; (IS) in die T\u00fcrkei geflohen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Der Junge sa\u00df vermutlich in einem von zwei Fl\u00fcchtlingsbooten, die am Mittwochmorgen auf dem Weg von der t\u00fcrkischen K\u00fcste zu einer griechischen \u00c4g\u00e4is-Insel sanken. Insgesamt zw\u00f6lf tote Fl\u00fcchtlinge aus Syrien, darunter f\u00fcnf Kinder, wurden von der t\u00fcrkischen K\u00fcstenwache geborgen. 15 Fl\u00fcchtlinge schafften es an Land. Drei Menschen wurden noch vermisst.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Seit Jahresbeginn haben sch\u00e4tzungsweise mehr als 350.000 Fl\u00fcchtlinge die gef\u00e4hrliche Reise \u00fcber das Mittelmeer gemacht, um in Europa ein besseres Leben zu finden. Oft schicken Schlepper v\u00f6llig \u00fcberladene und seeuntaugliche Boote auf den Weg. Dabei kommen immer wieder Menschen ums Leben.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Das Arschloch bin ich nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Fehler, Suff, Fehler, Suff.<\/em><\/p>\n<p><em>Klar.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Suff \u00fcber den Brenner geradelt-<\/em><\/p>\n<p><em>Klar<\/em><\/p>\n<p><em>Im Suff liebevoll gev\u00f6gelt.<\/em><\/p>\n<p><em>Klar.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Aber diese Flucht-Sache:<\/em><\/p>\n<p><em>Die geht mir echt am Arsch vorbei.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit den Leuten habe ich doch nichts am Hut.<\/em><\/p>\n<p><em>Auch mit den Anderen nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Gutmenschen. Kreditnehmer. Vegane Muttertiere. Gute Christen. Nachbarn mit Sichtschutzhecken. Renten-Spezialisten. M\u00fclltrenner. Pegidisten. Linke Piraten. Talker, Stalker, Texas Walker. Unbescholtene.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Gehen mir alle am Arsch vorbei.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber bin ich deswegen ein Arschloch? <\/em><\/p>\n<p><em>Wohl nicht.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Die Polizei hat zwei Jugendliche gefasst, die in K\u00fcnzelsau und Neuenstein (Hohenlohekreis) an einem Tag drei Br\u00e4nde gelegt haben sollen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Die 16-J\u00e4hrigen haben die Taten gestanden. Zeugen hatten die Ermittler auf die Spur der Tatverd\u00e4chtigen gebracht. Der Sachschaden soll in einem unteren vierstelligen Bereich liegen. In eines der betroffenen Geb\u00e4ude in Neuenstein sollen nach Renovierungsarbeiten Asylbewerber einziehen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Nach dem Brand in einer Fl\u00fcchtlingsunterkunft in Nauen hat Brandenburgs Ministerpr\u00e4sident Dietmar Woidke (SPD) &#8220;Null-Toleranz&#8221; gegen\u00fcber m\u00f6glichen T\u00e4tern angek\u00fcndigt. &#8220;Sollten die Ermittlungen einen fremdenfeindlichen Anschlag belegen, werden Polizei und Justiz in Brandenburg alles daran setzen, der T\u00e4ter habhaft zu werden und sie einer gerechten Strafe zuzuf\u00fchren&#8221;, erkl\u00e4rte Woidke in Potsdam. &#8220;Es bleibt dabei: Null-Toleranz gegen\u00fcber jeglicher Form von Fremdenfeindlichkeit.&#8221;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Derweil haben Unbekannte im brandenburgischen Neuhardenberg zwei Autos von Angeh\u00f6rigen einer Fl\u00fcchtlingsinitiative angez\u00fcndet. Die Fahrzeuge brannten aus, ein danebenstehender Multivan wurde am Samstag ebenfalls besch\u00e4digt. Verletzt wurde niemand, wie das Brandenburger Innenministerium am Sonntag best\u00e4tigte. Es handele sich um Brandstiftung. Die Polizei ermittele in alle Richtungen, aber ein politischer Hintergrund liege nahe, sagte Ministeriumssprecher Ingo Decker am Sonntag. An Haust\u00fcren und Laternen in der Umgebung wurden Aufkleber und Wurfzettel mit der Aufschrift &#8220;Fl\u00fcchtlinge nicht willkommen&#8221; entdeckt. Die Besitzer der Autos engagieren sich in dem Ort f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Nach Protesten von bis zu hundert zum Teil aggressive Demonstranten vor der Fl\u00fcchtlingsunterkunft im s\u00e4chsischen Bischofswerda richtete die Polizei einen 100-Meter-Kontrollbereich rund um die Unterkunft ein. Aufgerufen zu den Aktionen gegen die Belegung der neu er\u00f6ffneten Erstaufnahmeeinrichtung hatte die Partei &#8220;Die Rechte&#8221;. Zeitweise blockierten Rechtsextreme die Zufahrt zu der Asylunterkunft, einer fr\u00fcheren Fabrik f\u00fcr Herrenmode. Gegen einen der Reisebusse mit Fl\u00fcchtlingen wurde eine Glasflasche geworfen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Turnhalle in Wertheim war nach Angaben einer Stadtsprecherin in der Nacht zum Samstag mit 330 Betten ausgestattet worden, weil sie wom\u00f6glich in den kommenden Tagen als Fl\u00fcchtlingsunterkunft genutzt werden sollte. Es handelt sich demnach um die Turnhalle einer Polizeiakademie, in der bereits 600 Fl\u00fcchtlinge untergebracht sind. Nach dem Brand gilt die Halle als einsturzgef\u00e4hrdet.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\n<p><em>So richtig nach L\u00e4cheln war ihm nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Ihm war mau. Die Schrecken des Entzugs bereiteten ihm gro\u00dfe Furcht.<\/em><\/p>\n<p><em>Er lag in seinem Schlafsack und fror schwitzend. Sein K\u00f6rper lie\u00df ihn nicht aufstehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Hans Krohn war am Ende. Er vertraute nicht mal sich selbst. Er mochte nicht mehr jammern, das hatte er lange genug gemacht.<\/em><\/p>\n<p><em>Einen Strick hatte er sich gerichtet gehabt, nachdem er mit einem m\u00e4chtigen Kater aufgewacht war. Aber als er sich aufkn\u00fcpfen wollte, bekam er es mit einer schlimmen Angst.<\/em><\/p>\n<p><em>Er hatte es dann gelassen.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun musste er von diesem Alkohol weg, das hatte er gewusst.<\/em><\/p>\n<p><em>Weg mit den Flaschen. Er war noch betrunken gewesen, als er alles zu Scherben schlug.<\/em><\/p>\n<p><em>Dann verfl\u00fcchtigte sich der Alkohol in ihm.<\/em><\/p>\n<p><em>Krohns K\u00f6rper: ein gro\u00dfes Kribbeln. \u00dcberall, in jedem kleinen Finger, in der Kniekehle, in jeder Zelle. Gleichzeitig wurde er schw\u00e4cher und schw\u00e4cher.<\/em><\/p>\n<p><em>Und der Kopf spielte ein eigenes Spiel. Der drehte durch.<\/em><\/p>\n<p><em>Sein Leben tobte durch die Erinnerung. Das Hecheln nach Erfolg. Die Frauen, die er nicht mal gemocht hatte. <\/em><\/p>\n<p><em>Sein ganzes verficktes Leben.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Sie hatten ihn f\u00fcr einen wahren Mann gehalten. Doch er war es nicht. Er war verletzbar. Und sie hatten ihn verwundet. Narben hatte er mit der Zeit, \u00fcberall.<\/em><\/p>\n<p><em>Er hatte ausgehalten<\/em><\/p>\n<p><em>Nun war er weg gelaufen. Ins Nirgendwo.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Wisst Ihr, wo das Nirgendwo ist?<\/em><\/p>\n<p><em>Das ist da, wo Du \u00fcber Deinen Grenzen bist. Da f\u00e4llst Du im Gehen gegen einen Baum, da f\u00e4hrst Du in den Graben, da gehst Du gegen Deinen Verstand Furcht-G\u00e4nge. Da wachst Du auf und bist so betrunken wie vor dem Einschlafen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Und jetzt aufh\u00f6ren mit Saufen, mit dem Einzigen, was Dich noch zusammen h\u00e4lt?<\/em><\/p>\n<p><em>Ja. Jetzt!<\/em><\/p>\n<p><em>Nicht mehr r\u00fcckw\u00e4rts gucken. Die ersten Schritte nach vorn machen.<\/em><\/p>\n<p><em> Das werden schwere Schritte. Vielleicht die schwersten, die Du tun hast m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n<p><em>Das wird die H\u00f6lle. Und Du musst da durch, wenn Du weiter leben willst.<\/em><\/p>\n<p><em>Das kannst Du. Oder?<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Jetzt das Kribbeln.<\/em><\/p>\n<p><em>Dann kommt das Gef\u00fchl vom Tod. Das ist die schiere Angst.<\/em><\/p>\n<p><em>Dann liegst Du gef\u00e4llt in deinem Gestank. Der Gestank kommt aus den Achseln, aus den Hoden, aus den F\u00fc\u00dfen. Er wird ins Bett kriechen und Dich umfangen. Du wirst sehr k\u00e4mpfen m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Geh in den Fight, losdenn!<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Ich werde Euch alle ficken. Aufgeben gibt es nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcber\u00fcbermorgen bin ich auf der Matte.<\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Irgendwann stehe ich wieder auf den Beinen, ich schw\u00f6re es.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Dieses verdammte Kribbeln.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Er hatte Angst, die Angst wuchs und wuchs, sie war m\u00e4chtig, er verlor beinahe den Kampf gegen seine Angst.<\/em><\/p>\n<p><em>Er konnte seinen Erinnerungen nicht ausweichen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Das mit den Frauen hatte er vermasselt. Die Frauen waren nicht schuld gewesen, er hatte sich nicht hin bekommen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Da war die kleine flotte Br\u00fcnette mit den dreisten Br\u00fcsten, die ihn so sch\u00f6n mit dem Mund befriedigte.<\/em><\/p>\n<p><em>Da war die mit dem Irokesenschnitt, die im Bett eine Niete war.<\/em><\/p>\n<p><em>Da war die Blonde, von der er bis finito nicht wusste, ob sie als Prostituierte gearbeitet hatte.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Schwarzhaarige, die immer vom Orgasmus redete \u2013 aber hatte sie mal einen?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Er kannte Frauen, aber ein Kenner war er nicht.<\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Er mochte diese Frauen nicht. Gar nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Als er nichts mehr von der Weib-Mann-Chose wissen wollte, ging es ihm passabel und leidlich nett.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>War doch schon mal was.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Herrschaftszeiten, dieses Kribbeln!<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Im bisherigen Berichtsjahr 2015 wurden 231.302 Erstantr\u00e4ge vom Bundesamt entgegen genommen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 99.592 Erstantr\u00e4ge; dies bedeutet deutlich mehr als eine Verdoppelung der Zug\u00e4nge (+132,2 %) im Vergleich zum\u00a0<\/strong><strong>Vorjahr. Die Zahl der Folgeantr\u00e4ge im bisherigen Jahr 2015 hat sich gegen\u00fcber dem vergleichbaren Vorjahreswert (16.145 Folgeantr\u00e4ge) um 58,8 % auf 25.636 Folgeantr\u00e4ge erh\u00f6ht. Damit sind insgesamt 256.938 Asylantr\u00e4ge im Jahr 2015 beim Bundesamt\u00a0<\/strong><strong>eingegangen; im Vergleich zum Vorjahr mit 115.737 Asylantr\u00e4gen bedeutet dies mehr als eine\u00a0<\/strong><strong>Verdoppelung der Antragszahlen (+122,0 %).<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><em>WAS KOMMT?<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Die Menschen, die mich heute Nacht heimsuchen werden.<\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Sie stehen an der Wand, immer an\u00a0 der Mauer, im gr\u00f6\u00dften\u00a0 Licht, sie sind reglos.<\/em><\/p>\n<p><em>Schauen auf mich.<\/em><\/p>\n<p><em>Sie beschauen und beargen mich.<\/em><\/p>\n<p><em>Sie starren.<\/em><\/p>\n<p><em>Alle aus meinem Leben stehen da und sehen auf das Wrack.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe das Gehen verlernt.<\/em><\/p>\n<p><em>Tut mir so Leid<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Du Wesen meines Verlangens.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Ich wollte Dich nicht finden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Wir sind aufeinander gesto\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Nun \u2013 unsere Leben waren nicht mehr neu.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Und zwischen zwei Liebenden<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Ist dann vieles nicht mehr einfach.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Wir haben versucht, es gut zu machen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Du<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Und auch ich.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Ich glaube,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Du hast es<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Besser gemacht.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>F\u00fcr mich bleibst Du das<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Wunder, das Du bist.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>So in der Art einer Sternschnuppe.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Dies soll eine Eloge sein, ein nach Worten ringendes Bekennen meiner Liebe- wenn ich k\u00f6nnte, w\u00fcrde ich die passenden W\u00f6rter kaskadengleich \u00fcber Dich geben.<\/em><\/p>\n<p><em>Dein Leib ist geschaffen f\u00fcr uns. Wir verschmiegen und verschmelzen,\u00a0 die Uhr l\u00e4sst die Zeiger stehen. Zimmer werden gleichzeitig zu H\u00f6hlen und zu Hallen, zu unseren H\u00f6hlen und Hallen. Und, fragend, m\u00fcssen wir auseinander gehen. Es sind Trennungen wie K\u00f6rperschnitte.<\/em><\/p>\n<p><em>Dies, so merke ich, kann keine Eloge sein. Daf\u00fcr werden die Fragen bleiben.<\/em><\/p>\n<p><em>Du bist ein Wunderwesen f\u00fcr mich. Ich habe Dich gestreift, und es ist eine gro\u00dfe Arie in mir.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Du Wesen meines Verlangens.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Ich wollte Dich nicht finden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Wir sind aufeinander gesto\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Fr\u00fcher hatte er gemeint, man k\u00f6nne ein Leben ableben.<\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Nun ging es nicht mehr. Nun musste er sein Leben angehen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Krohn kritzelte:<\/em><\/p>\n<p><em>Es wird ein weites Land. Drau\u00dfen ist Schw\u00e4rze \u2013 aber es wird noch ein einmal eine gro\u00dfe weite Welt.<\/em><\/p>\n<p><em>Fuck!<\/em><\/p>\n<p><em>Ich h\u00e4tte ja nicht geglaubt, dass ich solche Sachen schreiben w\u00fcrde. Dass das Schreiben mit mir so durch geht.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn ich so betrunken liege, dass ich nichts anderes mehr kann als das \u00dcberleben, flitzen mir die Ideen durchs Hirn. Da ist der Schmerz des Fast-Sterbens. Und da sind die Geschichten, die vielen Geschichten.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Besessen schrieb der Krohn. Sein Moleskine-Buch schmuddelte und schmierte, dreckreckschmodderschrecklich wurde es. Aber drinnen, mit einem Aldi-F\u00fcller aufgeschrieben, k\u00e4mpfte einer um sein Weitermachen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Oben, unten, das Kopfkissen links oder rechts \u2013 egal. Es ist ein Niagrafall des Denkens. Im Fernseher hauen sie sich bei \u201eCriminal Minds\u201c die Schlechtigkeit um die Ohren. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Ich wei\u00df den Weg zu Sabrina nicht mehr, habe ich ihn je gewusst?<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Was? <\/em><\/p>\n<p><em>Noch zwei Flaschen? <\/em><\/p>\n<p><em>Morgen wieder vier? <\/em><\/p>\n<p><em>Dann, irgendwann, krepieren?<\/em><\/p>\n<p><em>Nein.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Noch eine Br\u00fccke:<\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Wie lang ist das her, dass ich ins Oberland gefahren bin und pl\u00f6tzlich auf der Echelsbacher Br\u00fccke stand?<\/em><\/p>\n<p><em>War wohl vor zehn Wochen. Sch\u00f6ner Tag, viel Sonne. In Murnau war ich im Museum und habe Kirchner geguckt \u2013 der hat sich in den Bergen erschossen. Kirchner-Bilder liebe ich.<\/em><\/p>\n<p><em>Nach dem Kirchner beim Karg-Wirt. Karg ist das beste Wei\u00dfbier der Welt und schmeckt in der rammelvollen Stube am gelungensten.<\/em><\/p>\n<p><em>Danach in die Berge.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun also, ich auf der Br\u00fccke. Wie w\u00fcrde das wohl sein, wenn ich h\u00fcpfte?<\/em><\/p>\n<p><em>Erstmal m\u00fcsste ich \u00fcber das versiffte Gel\u00e4nder kraxeln. Rechtes Bein \u2013 das ist mein gutes \u2013 voran. S\u00e4\u00dfe ich dann rittlings? Oder w\u00e4re es besser, das Ganze in einem Schwung\u00a0 durchzufedern?<\/em><\/p>\n<p><em>M\u00fcsste ich noch Acht darauf haben, ob unten Kajakfahrer in der Ammer w\u00e4ren, denen ich das Boot zerdeppern k\u00f6nnte?<\/em><\/p>\n<p><em>Eigentlich nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Eigentlich nie.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich bin nicht geh\u00fcpft.<\/em><\/p>\n<p><em>Zur\u00fcck gekehrt in das Leben, das meines nicht war.<\/em><\/p>\n<p><em>Habe in der Gastst\u00e4tte neben der Br\u00fccke ein Bier getrunken, dann bin ich zur\u00fcck in die Stadt.<\/em><\/p>\n<p><em>Als ob nichts gewesen w\u00e4re.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Wie bitte?<\/em><\/p>\n<p><em>Ja, mein Leben hat nicht zu mir geh\u00f6rt.<\/em><\/p>\n<p><em>Stell\u2018 Dir das mal vor: Du taperst durch die Erfolgs-Welt und meinst, alles sei okay.<\/em><\/p>\n<p><em>Und dann l\u00e4uft es aus dem Ruder<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Hans, der Trinker, wachte auf und wusste, jetzt geht es in den Entzug. Zwei Tage hatte er noch mal gesoffen. Nun w\u00fcrde er aufh\u00f6ren. Nun ging es hart her.<\/em><\/p>\n<p><em>Er war l\u00fcstern. Das Glied stand.<\/em><\/p>\n<p><em>Sch\u00f6n. Eine Weile sehr sch\u00f6n \u2013 er verga\u00df den Entzug.<\/em><\/p>\n<p><em>Vielleicht onanieren? Ach was \u2013 das w\u00fcrde nur Herzflimmern machen.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Glied schrumpfte. Danach fiel das Leben zusammen.<\/em><\/p>\n<p><em>Sein K\u00f6rper mochte nicht mehr. Er guckte sich an, verachtete den Beguckten, einen 55-j\u00e4hrigen Mann, ohne Arbeit und Zukunft, einen Unansehnlich-Werdenden, der jetzt auf die Schnelle einen Bauch bekam. Er guckte sich verachtend an, er blickte auf die ungeputzte Wohnung und das dreckige Geschirr, er dachte an Selbstmord\u00a0 &#8211; und gab trotzdem den Befehl zum Weitermachen.<\/em><\/p>\n<p><em>Klar! Weiter!<\/em><\/p>\n<p><em>Entzug.<\/em><\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>sommer zwanzichfuffzehn XLVII &nbsp; Die t\u00fcrkische Luftwaffe bombardiert trotz internationaler Appelle weiterhin angebliche Ziele der als terroristische Vereinigung eingestuften Arbeiterpartei PKK im Norden des Irak. Dabei sollen 260 PKK-K\u00e4mpfer get\u00f6tet worden sein. Zu Angaben m\u00f6glicher ziviler Opfer der Luftangriffe weigert sich das t\u00fcrkische Milit\u00e4r. 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