{"id":2140,"date":"2016-01-21T18:07:40","date_gmt":"2016-01-21T18:07:40","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=2140"},"modified":"2016-01-21T18:07:40","modified_gmt":"2016-01-21T18:07:40","slug":"neuland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/neuland\/","title":{"rendered":"NEULAND"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\"><em><strong>sommer zwanzichfuffzehn XLIV<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Herren von der Wasserschutzpolizei waren dann wirklich nett. Der eine hatte nicht mehr viele Haare und sah aus, als ob er Kraftsport betrieb. Der Kollege war rotbackig und ein Typ wie von der Waterkant.<\/p>\n<p>Im Augenblick waren sie ein wenig verdutzt.<\/p>\n<p>\u201eNochmal: Wissen Sie, dass Sie zu schnell waren? Sie kennen doch die Regeln?\u201c<\/p>\n<p>Klar. Neun Kilometer in der Stunde sind auf dem Kanal erlaubt. Aber\u2026<\/p>\n<p>\u201eWas: Aber?\u201c Der Kraftsportler legte Strenge in die Stimme.<\/p>\n<p>Es gebe da ein Problem. Der Motor ziehe das Heck des Boots bei Schleichfahrt nach unten. Dann sitze man an der Pinne und gucke in den Sommerhimmel \u00fcber Brandenburg.<\/p>\n<p>\u201eKlar, schon klar. Sie haben da einen tollen Motor. 15 PS \u2013 da brauchen Sie keinen F\u00fchrerschein. Aber das ist viel Kraft f\u00fcr Ihr Schlauchboot. Wir sch\u00e4tzen mal, dass Sie mit 25 unterwegs waren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEhrlich?\u201c Der Versuch, treuherzig und verbl\u00fcfft drein zu schauen.<\/p>\n<p>\u201eEhrlich!!!\u201c Drei Ausrufezeichen. Das h\u00f6rte sich nach Knast an.<\/p>\n<p>Der Kollege bes\u00e4nftigte. Man wolle mal nicht so sein. Das Verhalten sei zwar eines Wasser-Rowdys w\u00fcrdig gewesen. Aber wenn man das Versprechen bekomme\u2026<\/p>\n<p>\u201eKlar, passiert nicht mehr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann belassen wir es bei einer kleinen Ordnungsstrafe. Sind sie einverstanden?\u201c<\/p>\n<p>Sicherlich. Er schrieb, das Taschengeld f\u00fcr eineinhalb Tage wanderte in die Staatskasse.<\/p>\n<p>\u201eWo wollen Sie denn eigentlich hin mit Ihrem schnellen Boot.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAn die Ostsee.\u201c<\/p>\n<p>Dem Bodybuilder standen die Resthaare zu Berge. \u201eWie bitte?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNaja, zumindest bis ins Stettiner Haff.\u201c<\/p>\n<p>Der Freundliche fasste sich als Erster. \u201e\u00c4hm, ja, Ostsee, soso. Und wo kommense her?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVon Neuruppin\u201c<\/p>\n<p>\u201eSie machen vielleicht Sachen. Sie wissen schon, das ist weit und nicht ganz ungef\u00e4hrlich.\u201c<\/p>\n<p>Treuherziger Blick. Harmloses Nicken.<\/p>\n<p>\u201eHat Ihr Kahn wenigstens \u2018nen Namen?\u201c<\/p>\n<p>Eigentlich nicht.<\/p>\n<p>\u201eNennen Sie ihn doch einfach ,Unternehmen Ostsee\u2018. Nichts f\u00fcr ungut. Dann machen Sie mal weiter. Wir w\u00fcnschen Gute Fahrt.\u201c<\/p>\n<p>Es waren wirklich sehr nette Polizisten.<\/p>\n<p>Und so witzig. \u201eUnternehmen Ostsee\u201c! Zum Quietschen!<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">xxx<\/p>\n<p>Es waren die letzten Uniformierten auf dem Weg nach Polen. Von nun an blieben die neuen Bekanntschaften folgenlos.<\/p>\n<p>Vor Niederfinow traf Krohn vor einem Caf\u00e8 am Kanal auf einen Herrn, der der seri\u00f6se Zwilling des Ex-Bankers Rolf Breuer h\u00e4tte sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eNee\u201c, lachte er, \u201emit dem Breuer habe ich nichts zu tun. Obwohl ich ihn immer wieder getroffen habe.\u201c<\/p>\n<p>Wie das?<\/p>\n<p>Der Mann trank seinen k\u00fchlen Nachmittags-Chablis leer, bestellte noch ein Glas. Er blickte auf den stillen Kanal und hing seinen Erinnerungen nach.<\/p>\n<p>\u201eIch habe ein mittelst\u00e4ndisches Bau-Unternehmen gehabt, da bin ich dem Herrn Breuer und seinen Kollegen immer wieder bei Verbandstagungen begegnet. Naja \u2013 ist lange her.\u201c<\/p>\n<p>Was seither passiert sei?<\/p>\n<p>Schlimmes und Gl\u00fcckhaftes, erz\u00e4hlte er. Zuerst, da plante er gerade den Ausstieg aus dem Beruf, starb seine Frau. Er dachte, das sei es auch f\u00fcr ihn gewesen. Die Firma hat er schnell abgesto\u00dfen. Zwei, drei Jahre in Gesellschaft vom Chablis sind ins Land gegangen. Und dann hat er sich einen Ruck gegeben. Hat alle H\u00e4user verkauft und sich eine Jacht angeschafft.<\/p>\n<p>\u201eDa unten liegt sie. ,Marie-Luise\u2018. So hat meine Frau gehei\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Teures Boot.<\/p>\n<p>\u201eWas hei\u00dft teuer? Ich wohne drauf. Habe lange danach gesucht. Fr\u00fcher bin ich gesegelt. Jetzt wollte ich ein neues Zuhause. Das hat mit Hobby nichts zu tun. Das ist mein Leben.\u201c<\/p>\n<p>Geht es genauer?<\/p>\n<p>Sicher. Er ratterte die Daten herunter. 21 Meter lang, knapp f\u00fcnf Meter breit. In den USA gebaut. Gebraucht und super gepflegt. Motorisiert mit einem 540-PS-Mercruiser. 1065-Liter-Tank. Aluminium, innen Mahagoni, es fehlt an nichts. Kosten: eine schlappe halbe Million.<\/p>\n<p>Herr Breuer light war stolz. Er w\u00fcrde sich in den n\u00e4chsten Tagen ganz langsam nach Berlin arbeiten. Dort w\u00fcrde er Freunde treffen und die neuen Ausstellungen ansehen. Wenn er dann genug von der Kultur h\u00e4tte, w\u00fcrde er mit seinen 540 PS in Richtung Hamburg tuckern.<\/p>\n<p>\u201eWird ein sch\u00f6ner Sommer\u201c, sagte er und nippte am Chablis. Dann vertiefte er sich wieder in sein Buch. Es handelte vom \u201eGeheimobjekt Atombunker\u201c. Das w\u00fcrde er sich ansehen. In einem Wald zwischen Rostock und Greifswald war einer der geheimnisvollsten Bunker des Kalten Krieges: die unterirdische Troposph\u00e4ren-Funkstation 302. Bis kurz vor dem Ende der DDR waren dort 40 Millionen Mark verbaut worden, doch wenige Monate nach der vollst\u00e4ndigen Inbetriebnahme 1990 war die hochmoderne Anlage nichts mehr wert. Jetzt hatte man die Anlage verplombt \u2013 aber das st\u00f6rte unseren Hausboot-Abenteurer nicht. Er kannte da jemanden, der ihn gegen das richtige F\u00fchrer-Geld in den Bunker schleusen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>\u201eTechnik, die das Undenkbare anstrebt, fasziniert mich\u201c, sagte der Mann.<\/p>\n<p>Aha. So war das also.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">xxx<\/p>\n<p>Eine Stunde sp\u00e4ter. \u201eWir schleusen jetzt das Sportboot durch\u201c, kollerte eine tiefe Stimme aus dem Lautsprecher an der Raststelle vor dem Hebewerk Niederfinow. Der Motor von \u201eUnternehmen Ostsee\u201c tuckerte los. Im Schritttempo ging es in den schummrigen \u201eTrog\u201c, in dem sich das kleine rote Schlauchboot zu verlieren schien.<\/p>\n<p>Die Schleusentore schlossen sich, beinahe ger\u00e4uschlos. Es blubberte. An den Toren wallte wei\u00dfes Wasser. \u201eUnternehmen Ostsee\u201c d\u00fcmpelte im Bauch eines technischen Monstrums, die Fahrt nach unten mochte beginnen.<\/p>\n<p>Anfang des letzten Jahrhunderts begannen die kl\u00fcgsten Konstrukteure der Zeit dar\u00fcber nachzudenken, wie sie in einem Lift die Schiffe zehn Stockwerke nach oben und unten transportieren k\u00f6nnten. Nach mehr als 20 Jahren Diskussionen hatten sie ein gigantisches System entwickelt.<\/p>\n<p>In der Umgebung wurden Kiesgruben erschlossen, Geb\u00e4ude f\u00fcr Werkst\u00e4tten f\u00fcr Holz und Metallarbeiten, Lagerr\u00e4ume, mehrere Wohnh\u00e4user, eine Kantine und ein gro\u00dfes B\u00fcrogeb\u00e4ude im Eberswald Urstromtal errichtet. Eine Kanalisation wurde gebuddelt, ein eigenes Dieselmotorenkraftwerk machte den Strom. Gleichzeitig wurde auch die Landstra\u00dfe Niederfinow\u2013Liepe als Notstra\u00dfe in einem gro\u00dfen Bogen um die Baustelle umgeleitet.<\/p>\n<p>So wurden im Ober- und Unterhafen der Schleusentreppe tempor\u00e4re Umschlagstellen angelegt. Mittels einer extra eingerichteten Baustellenbahn wurden die angelieferten Materialien zur Baustelle transportiert. \u00dcber eine F\u00e4hrverbindung zwischen dem Hafen am Atomill und einem Anleger am Finowkanal oberhalb der Lieper Schleuse war es m\u00f6glich, Eisenbahnwagen mit Bauteilen zum Hebewerk zu liefern. Zum damaligen Zeitpunkt befand sich in Atomill (einem Ortsteil von Niederfinow) noch ein Gleisanschluss und ein Hafen, davon sind heute nur noch Fundamentreste zu sehen.<\/p>\n<p>Dann zogen sie ihr Wunder-Werk hoch. Das Ganze hat 28 Millionen Reichsmark gekostet und dauerte sechs Jahre. Im M\u00e4rz 1934 wurde zum ersten Mal geschleust. Dann passierten im ersten Jahr 2.832.000\u00a0Tonnen an G\u00fctern den Mega-Lift.<\/p>\n<p>Es war ein solides Bauwerk. Seit der Premiere ist der Betrieb an 47 Tagen ausgefallen.<\/p>\n<p>Das stimmte zuversichtlich. \u201eUnternehmen Ostsee\u201c d\u00fcmpelte, lose vert\u00e4ut an der Bohlenwand des Trogs. Nach oben verzweigten sich Stahlstreben und Tr\u00e4ger, seitlich wurde ein Blick auf die Landschaft frei. Das Restaurant, der Parkplatz f\u00fcr die Wirtschaftswunder-Touristen, die geduckten H\u00e4user an der Hebewerkstra\u00dfe, das dunkle Band des Finowkanals in der Ebene, die gem\u00e4hten Wiesen und die Baumreihen und W\u00e4ldchen. Noch waren sie unten, doch stetig senkte sich der \u201eTrog\u201c mit dem Gast \u201eUnternehmen Ostsee\u201c.<\/p>\n<p>Eine ruhige Fahrt war das. Das dicke Holz knackte ein wenig, irgendwo \u00e4chzte Material. Wenige Tropfen fielen mit einem l\u00e4ssigen Pl\u00e4tschern neben dem Schlauchboot ins dunkle Wasser.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine wunderhafte Vorrichtung! 94 Meter lang und 60 Meter hoch. In f\u00fcnf Minuten \u00fcberwindet das Hebewerk 36 Meter H\u00f6henunterschied im Zug des Oder-Havel-Kanals. Es wird von 11 000 Schiffen pro Jahr passiert. F\u00fcnf Millionen Nieten halten das Schiffshebewerk zusammen. Konstruiert wurde der Schiffs-Fahrstuhl aus gew\u00f6hnlichem Baustahl. Der Trog, in dem die Schiffe schwimmend bef\u00f6rdert werden, h\u00e4ngt an 256 Seilen, die erstmals im Winter 1984\/85 erneuert wurden.<\/p>\n<p>Hach, es war sch\u00f6n, Vertrauen zu haben!<\/p>\n<p>Der Lift kam zum Stehen. Kein Wellenschlag, nur das sachte Murren der Schleusen. Es wurde Licht in Richtung Osten. Auf der Kommandobr\u00fccke erschien ein hagerer Arbeiter im Blaumann. Das war der mit der tiefen Stimme von vorhin.<\/p>\n<p>Er winkte.<\/p>\n<p>\u201eDanke, Chef. Und sch\u00f6nen Feierabend noch.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGeht klar.\u201c Jetzt grinste er. \u201eDu weisst schon, ist noch m\u00e4chtig weit bis zur Ostsee.\u201c<\/p>\n<p>Wie? Woher wollte er wissen, dass die Ostsee das Ziel der Reise war?<\/p>\n<p>Er blickte in den m\u00e4rkischen Himmel. \u201cAch, man hat so seine Verbindungen. Und eines musste hier immer wissen. Das Wasser hat keine Geheimnisse.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">xxx<\/p>\n<p>So hatten denn die freundlichen Polizisten daf\u00fcr gesorgt, dass alle, die das passende Programm im Funkger\u00e4t eingeschaltet hatten, jetzt unterrichtet waren, es gebe da ein rotes Schlauchboot, das mit mutma\u00dflich \u00fcberh\u00f6hter Geschwindigkeit in Richtung Polen und Stettiner Haff unterwegs sei.<\/p>\n<p>Es war zum Einen unheimlich, dass das Wasser solcherart kein Geheimnis kennt. Andererseits war es beruhigend: Jetzt gab es einen Gro\u00dfen Bruder, der ein Auge auf das \u201eUnternehmen Ostsee\u201c hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">xxx<\/p>\n<p>Abends senkte sich dann ein gro\u00dfer Friede \u00fcber den Oderbruch. Zeit, einen Hafen f\u00fcr die Nacht zu finden.<\/p>\n<p>Zwei Datschen an der Wriezener Alten Oder. \u00a0Die Fensterl\u00e4den verschlossen, der Rasen seit Wochen nicht gem\u00e4ht, Unkraut in den Beeten. Auf dem Steg lag Bl\u00fctenstaub.<\/p>\n<p>\u201eUnternehmen Ostsee\u201c rieb sich ab und zu an den Planken. Es gab \u201eM\u00e4dchentraube\u201c und Jazz aus einem Polen-Sender. Schweres Gew\u00f6lk zog dunkelgrau \u00fcber den Fluss, wurde langsamer und langsamer, kam zum Stillstand. Der Himmel wurde schwarz und r\u00fchrte sich nicht mehr, ein Fisch sprang. Dr\u00fcben in den hohen Weiden und Pappeln hatten sich alle V\u00f6gel des Oderbruchs versammelt und machten Krach.<\/p>\n<p>Endlich mal Zeit, ihnen zuzuh\u00f6ren. In diesem Orchester von Gezwitscher und Zirpen und Singen und Fl\u00f6ten hatte jeder seine Aufgabe. Da gab es:<\/p>\n<p>Die Verlautbarer \u2013 sie wiederholten ihre Rufe, monoton und ohne Unterlass. Sie hatten eine Botschaft, die wollten sie los werden.<\/p>\n<p>Die S\u00e4nger \u2013 ihr Leben war l\u2019art pour l\u2019art, die Kunst um der Kunst willen. Sie variierten die Melodie, sa\u00dfen auf ihrem Ast und pfiffen aufs spie\u00dfige Leben.<\/p>\n<p>Die Verf\u00fchrer \u2013 die, die nur auf eines Lust hatten. Daf\u00fcr wurde jetzt Krawall gemacht. Wie sagte der \u201eMonaco Franze\u201c, der gro\u00dfe Frauenheld: A bisserl was geht allerweil.<\/p>\n<p>Die Adabeis \u2013 eigentlich hatten sie nichts zu zwitschern. Sie waren bedeutungslos im gro\u00dfen Heer der Tirilanten. Aber weil es sie nun mal gab, machten sie eben auch mit. Nach dem Motto: Haste mal \u2018nen Ton f\u00fcr mich?<\/p>\n<p>Es wurde Nacht. Ein letztes Boot bullerte westw\u00e4rts. An Bord sa\u00dfen drei M\u00e4nner, sahen den Steg, h\u00f6rten den Jazz, registrierten den ausgerollten Schlafsack und den Menschen, der zu den V\u00f6geln hin horchte. Die M\u00e4nner hoben die Dosen in Richtung \u201eUnternehmen Ostsee\u201c.<\/p>\n<p>Sie lachten. \u201eWoischd scho, dass es no r\u00e4gne wird\u201c, sagte einer. \u201eTrotztdem \u2013 a guats N\u00e4chtle.\u201c<\/p>\n<p>Dann waren sie weg. Und bald hielten auch die V\u00f6gel endg\u00fcltig die Schn\u00e4bel. Kein Wind. Kleine Wellen. Irgendwann begann es sacht zu regnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">xxx<\/p>\n<p>Der Chef der Marina Oderberg war fr\u00fcher Radrennen gefahren, nun hatte er mit seinem Betrieb genug zu tun. Hannes Kelle w\u00fcrde gerne \u00f6fter auf dem Wasser sein \u2013 schon mit f\u00fcnf war er an der Pinne gesessen, wenn die Polizei nicht hin sah, seither hat er f\u00fcnf Motorboote gefahren. \u201eDas Wasser ist mein Ding\u201c, sagte er. Aber nun musste er eben drauf achten, dass die Gesch\u00e4fte laufen. Er und sein Vater hatten sich lange \u00fcberlegt, wie sie das im Internet kommunizieren sollten:<\/p>\n<p>\u201eIm Jahr 2013 sind wir \u00fcberraschend Eigent\u00fcmer dieses sch\u00f6nen Fleckchens Erde\u00a0geworden. Damit erf\u00fcllte sich f\u00fcr unsere Familie ein Traum, der wohl viele von uns bewegt. Seitdem arbeiten wir daran, Ihnen einen unvergesslichen Aufenthalt in unserem Hafen zu gestalten und erweitern unsere Angebote nach den W\u00fcnschen unserer G\u00e4ste.<\/p>\n<p>Neben dem Restaurant, dessen Service Sie soeben genie\u00dfen, bieten wir Ihnen \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten in Hotel und Zelt, Bootliegepl\u00e4tze, Caravanstellfl\u00e4chen\u00a0oder einfach die M\u00f6glichkeit zu entspannen.<\/p>\n<p>Wir betreuen in dieser ruhigen, manchmal sogar romantischen Lage auch Ihre Veranstaltungen und Familienfeste. Genie\u00dfen Sie die Ruhe und schauen Sie den Wasserv\u00f6geln zu.<\/p>\n<ul>\n<li>. Die Fl\u00e4che des Areals betr\u00e4gt 8000 Quadratmeter<\/li>\n<li>. Hotelzimmer mit eigenem Bad und TV<\/li>\n<li>. Restaurant mit 50 Pl\u00e4tzen<\/li>\n<li>. Sommerterrasse 50 Pl\u00e4tze<\/li>\n<\/ul>\n<p>Unsere leichte deutsche K\u00fcche ist saisonfrisch.\u00a0Auf unserer Speisekarte finden sich nat\u00fcrlich auch geliebte regionale Speisen und Produkte.\u00a0Jedes Gericht wird frisch f\u00fcr Sie zubereitet und Gutes braucht Zeit.\u201c<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte es auch k\u00fcrzer fassen: Die Marina Oderberg war ein kleines Paradies.<\/p>\n<p>Wenn Hannes es sportlich haben wollte, holte er seinen Jet aus dem Schuppen, fuhr zur Schleuse, wechselte auf die alte Oder und drehte den Gasgriff auf. Oft war der Fluss glatt und bretthart, dann hob der 200-PS-Jet beinahe ab. Dann war man, mit schmerzendem Bizeps und Adrenalin-getr\u00e4nkt, nach einer knappen Stunde in Stettin.<\/p>\n<p>Geiler Trip.<\/p>\n<p>Einmal im Jahr startete Hannes zu einem Kurzurlaub durchs Stettiner Haff an die Ostsee. Dort warteten schon die Freunde \u2013 und man ma\u00df sich ein Wochenende lang mit den Wellen. \u201eAngst\u201c, sagte Hannes, \u201edarfst Du nicht haben. Aber wer keinen Respekt kennt, ist dumm. Das Haff und die Ostsee \u2013 das ist kein Kindergeburtstag.\u201c<\/p>\n<p>Er schilderte, was passieren w\u00fcrde, wenn im Haff die Wellen kabbeln. Dann w\u00fcrde ein \u201eUnternehmen Ostsee\u201c zu einer \u00fcberschwappenden Badewanne. Dann liefe das Boot voll, wenn man sich in der Ufern\u00e4he bewegte. Dann m\u00fcsste man richtig Gas geben, um aufs offene Wasser zu kommen. Dann k\u00f6nnte es passieren, dass selbst im Haff innert einer halben Stunde das Land au\u00dfer Sicht ger\u00e4t.<\/p>\n<p>\u201eWenn das passiert, dann biste ganz schnell am Handy und rufst die Seenotrettung an.\u201c<\/p>\n<p>L\u00e4chelnd sah er Hans Krohn in die \u00e4ngstlichen Augen. \u201eAber ansonsten ist alles toll da drau\u00dfen. Mach es gut, viel Spa\u00df denn auch.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>sommer zwanzichfuffzehn XLIV Die Herren von der Wasserschutzpolizei waren dann wirklich nett. Der eine hatte nicht mehr viele Haare und sah aus, als ob er Kraftsport betrieb. Der Kollege war rotbackig und ein Typ wie von der Waterkant. Im Augenblick waren sie ein wenig verdutzt. \u201eNochmal: Wissen Sie, dass Sie zu schnell waren? 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