{"id":1820,"date":"2015-07-09T22:21:01","date_gmt":"2015-07-09T22:21:01","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=1820"},"modified":"2015-07-09T22:21:01","modified_gmt":"2015-07-09T22:21:01","slug":"hi-helene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/hi-helene\/","title":{"rendered":"HI, HELENE!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\"><strong>sommer zwanzichfuffzehn I &#8211; 9. juli<\/strong><\/p>\n<p>Hans Krohn war es Leid. Er hatte den Rucksack gepackt und die gro\u00dfe Stadt verlassen. Es war hei\u00df, als er \u00fcber die Heerstra\u00dfe nach Spandau taperte. Sehr hei\u00df. Als er das Olympiastadion passierte, wunderte er sich \u00fcber die vielen Menschen. Es war Fu\u00dfballpause, keine Bundesliga, kein Sportereignis, was taten die Leute hier? Krohn fragte eine junge Frau, sie sah ihn strafend an. Ob er nicht wisse, dass heute Abend Helene Fischer auftreten werde?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1828\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_5767-2-300x206.jpg\" alt=\"IMG_5767-2\" width=\"300\" height=\"206\" \/><\/p>\n<p>Ach ja, Helene Fischer, er hatte es gelesen. Krohn erinnerte sich, dass ein paar Tage zuvor jemand in der &#8220;B\u00fclowkneipe&#8221; ein Lied von dieser Helene Fischer mehrfach hintereinander gedr\u00fcckt hatte. Es hatte genervt:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>&#8220;Auf der Suche nach mir, nach mir selbst<\/em><br \/>\n<em> Bin ich weit gegangen<\/em><br \/>\n<em> Hab\u2018 auf Scherben getanzt<\/em><br \/>\n<em> Ohne Zweifel und Angst im Licht<\/em><br \/>\n<em> Auf der Suche nach mir, tausendmal<\/em><br \/>\n<em> Auf der Seele ein paar Schrammen<\/em><br \/>\n<em> Doch ich wei\u00df was ich will<\/em><br \/>\n<em> Ich folg\u2018 meinem Gef\u00fchl nach vorn<\/em><br \/>\n<em> Ich hab\u2018 mich selber nie verlor`n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Oh oh!&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Also, Frau Fischer w\u00fcrde abends im Olympiastadion singen. Sollte sie nur, dann w\u00e4re er schon seit Stunden raus aus der Stadt. Keine Kneipe, keine Schnulze, kein \u00fcberfl\u00fcssiger Mensch.<\/p>\n<p>So hatte er sich das vorgestellt.<\/p>\n<p>Um neun Uhr abends \u00fcberquerte er die Glienicker Br\u00fccke. Er blieb kurz stehen und blickte \u00fcbers Wasser, dann sah er zum Himmel. Die Wolken waren aufgequollen, sie hatten ungesunde schwefelfarbene W\u00fclste. Im Westen zog eine schwarze Wand heran. Windst\u00f6\u00dfe rissen Bl\u00e4tter von den B\u00e4umen und trieben sie \u00fcber den hei\u00dfen Asphalt.<\/p>\n<p>Krohn hatte kein gutes Gef\u00fchl. Er blickte sich um, entdeckte ein W\u00e4ldchen. Dort stellte er sich unter.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1826\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_5774-300x152.jpg\" alt=\"IMG_5774\" width=\"300\" height=\"152\" \/><\/p>\n<p>Dann brach das Unwetter \u00fcber das Land herein. Es entlaubte den Wald, h\u00e4ckselte armdicke \u00c4ste klein. Donner und Blitz im Stakkato. Waagrechter Regen, danach Hagelbeschuss. Hans Krohn, durchn\u00e4sst in einer Brennnesselstaude stehend, machte sich Sorgen. Das fing ja wunderbar an mit der gro\u00dfen Freiheit. Der Schlafsack tropfte &#8211; \u00fcberhaupt, w\u00fcrde er das Gep\u00e4ck jemals wieder trocken bekommen?<\/p>\n<p>Nach einer Viertelstunde war der Spuk zu Ende. Krohn stand in der nackten Lichtung und f\u00fchlte sich mutlos. Es roch nach Pilzen und Moos, ein ganz leiser Wind ging \u00fcber die Felder, im Osten strahlte die von Blitzen heimgesuchte Stadt.<\/p>\n<p>Nun gut, weiter.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter nestelte Krohn das kleine Radio aus der Plastikt\u00fcte im Rucksack und h\u00f6rte das Nachtprogramm, w\u00e4hrend er Potsdam durchquerte. In den Ein-Uhr-Nachrichten sagte einer, dass Helene Fischer von einem Unwetter \u00fcberrascht worden sei und das Konzert fr\u00fchzeitig hatte abbrechen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das war dann doch tr\u00f6stlich. Hans Krohn summte, er sei auf Scherben gegangen (oder so), und lie\u00df sich noch eine Weile treiben. Gegen zwei machte er es sich vor dem Kanu-Leistungszentrum bequem. Er musste nicht mal in den Schlafsack schl\u00fcpfen, so warm war es.<\/p>\n<p>Eigentlich war er ganz zufrieden. Wer konnte schon behaupten, dass er im Vergleich zur famosen Frau Fischer die Performance l\u00e4nger durchgehalten hatte?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1825\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_5776-2-193x300.jpg\" alt=\"IMG_5776-2\" width=\"193\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Das war also der erste Tag, an dem Hans Krohn in seinen ganz speziellen &#8220;sommer zwanzichfuffzehn&#8221; aufgebrochen war.<\/p>\n<p>H\u00e4tte noch schlimmer kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>sommer zwanzichfuffzehn I &#8211; 9. juli Hans Krohn war es Leid. Er hatte den Rucksack gepackt und die gro\u00dfe Stadt verlassen. Es war hei\u00df, als er \u00fcber die Heerstra\u00dfe nach Spandau taperte. Sehr hei\u00df. Als er das Olympiastadion passierte, wunderte er sich \u00fcber die vielen Menschen. Es war Fu\u00dfballpause, keine Bundesliga, kein Sportereignis, was taten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":1827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23,1],"tags":[555,553,554],"class_list":["post-1820","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-story","category-uncategorized","tag-fischer-helene","tag-sommer-zwanzichfuffzehn","tag-spandau","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1820","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1820"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1820\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1829,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1820\/revisions\/1829"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1820"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1820"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1820"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}