{"id":1808,"date":"2015-07-07T20:46:08","date_gmt":"2015-07-07T20:46:08","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=1808"},"modified":"2015-07-07T20:46:08","modified_gmt":"2015-07-07T20:46:08","slug":"buh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/buh\/","title":{"rendered":"BUH!"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>m\u00fcnchen, 7. juli 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Es ist wieder br\u00fcllhei\u00df gewesen. An diesem Dienstag werden auf dem M\u00fcnchner Marienplatz um zehn Uhr abends 30,5 Grad gemessen. Aber es sind Gewitter im Anzug. Endlich! Das wird die M\u00fcnchner abk\u00fchlen. Und die brauchen das dringend.<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem die Freunde der bayerischen Oper.<\/p>\n<p>Denn da ist es in dieser Woche besonders hei\u00df her gegangen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1814\" aria-describedby=\"caption-attachment-1814\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1814 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_4847-300x174.jpg\" alt=\"DSC_4847\" width=\"300\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_4847-300x174.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_4847-600x348.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_4847.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1814\" class=\"wp-caption-text\">An dieser Stelle nur Bilder eines Highlights des bayerischen Opern-Sommers:<\/figcaption><\/figure>\n<p>Heute ist der Regisseur Andreas Dresen abgewatscht worden. Er hatte bei den Opernfestspielen \u201eArabella\u201c von Richard Strauss inszeniert \u2013 und das hat J\u00f6rn Florian Fuchs vom Deutschlandfunk so gar nicht gefallen:<\/p>\n<p>\u201eZugegeben, der Abend war nicht gerade provokativ. Aber daf\u00fcr wenig komplex und langweilig. Filmemacher Andreas Dresen rettete sich bei seiner dritten Opernregie ins Abstrakte, er lie\u00df sich von B\u00fchnenbildner Mathias Fischer-Dieskau ein Unget\u00fcm aus Treppenteilen bauen, die sich im Verlauf der drei Akte mehrfach ver\u00e4ndern und immer andere, aber \u00e4sthetisch keineswegs wirklich neue Spielr\u00e4ume schaffen. Nebenfiguren tapern auf und ab, die Protagonisten bleiben meist im sicheren Erdgeschoss und stehen dort herum.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_1813\" aria-describedby=\"caption-attachment-1813\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1813 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_4945-300x191.jpg\" alt=\"DSC_4945\" width=\"300\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_4945-300x191.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_4945-600x381.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_4945.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1813\" class=\"wp-caption-text\">In Oberammergau hat Christian St\u00fcckl mit den Leuten aus dem Dorf einen &#8220;Nabucco&#8221; vom Feinsten einstudiert.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Fuchs, der ver\u00e4rgerte Kritikaster, kriegt sich gar nicht mehr ein:<\/p>\n<p>\u201eH\u00fcllen wir nun besser den Mantel des Schweigens \u00fcber die Regie und \u00fcbergehen die unglaublich schmierig choreographierte Orgie rund um eine gewisse Fiakermilli &#8211; und wenden uns der Musik zu. Im Graben sitzt das Bayerische Staatsorchester und spielt tadellos, technisch perfekt. Doch am Pult steht mit Philippe Jordan das n\u00e4chste Problem des Abends. Der Schweizer Dirigent versteht die Partitur offenbar als Werkzeugkasten, aus dem man sich beliebig bedienen kann. Es gibt kein wirkliches Konzept. Manchmal t\u00f6nt alles grob und laut, dann wieder vergraben sich Jordan und die Musiker zu sehr ins Motivgestr\u00fcpp.\u201c<\/p>\n<p>Auwehzwick, das sitzt! Sowas liest man nicht gern in M\u00fcnchen. Zumal es gerade mal eine Woche her ist, dass Christiane Pohle mit ihrer Inszenierung von Claude Debussys &#8220;Pell\u00e9as et M\u00e9lisande&#8221; im Prinzregententheater das M\u00fcnchner Publikum nachhaltig verunsicherte. Die S\u00fcddeutsche beklagte einen \u201ehoffnungslosen Sanierungsfall\u201c.<\/p>\n<p>AZ-Mann Robert Braunm\u00fcller wiederum versuchte sich in gelassener Toleranz: \u201eDas Bayerische Staatsorchester unter Constantinos Carydis hinterl\u00e4sst diesmal eher zwiesp\u00e4ltige Gef\u00fchle. Die hauchzarte Musik t\u00f6nt bisweilen arg handfest. Fahle, abgeblendete Mischungen interessieren Carydis weniger.<\/p>\n<p>Es mag st\u00e4rker als sonst von der pers\u00f6nlichen Gestimmtheit abh\u00e4ngen, ob man diese Auff\u00fchrung gro\u00dfartig oder daneben findet. Und deshalb gab es nach l\u00e4ngerer Zeit wieder eine Schlacht zwischen Buh und Bravo, die unentschieden ausging.\u201c<\/p>\n<p>Echt? Unentschieden? Da hat Braunm\u00fcller schlecht hingeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die M\u00fcnchner buhten sich die Kehlen wund.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1812\" aria-describedby=\"caption-attachment-1812\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1812 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_4967-197x300.jpg\" alt=\"DSC_4967\" width=\"197\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_4967-197x300.jpg 197w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_4967-600x912.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_4967.jpg 645w\" sizes=\"auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1812\" class=\"wp-caption-text\">Die Solisten brachten die gro\u00dfe Welt ins kleine Dorf.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Irgendwie haben die Bayern in diesen Opern-Tagen einen schlechten Lauf. In Aix-en-Provence erkl\u00e4rte der Intendant des Residenztheaters, Martin Kusej, dass er richtig sauer sei. Er musste seine Inszenierung von Mozarts \u201eEntf\u00fchrung aus dem Serail\u201c ein wenig entsch\u00e4rfen. \u201eIn meiner Version gab es kein Happy End f\u00fcr die zwei Liebespaare, stattdessen werden am Ende vier S\u00e4cke auf die B\u00fchne geworfen, in denen die K\u00f6pfe der Protagonisten stecken. Nach dem Terroranschlag bei Lyon, bei dem ein Mensch enthauptet wurde, war das der dortigen Intendanz zu heikel.\u201c<\/p>\n<p>Bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die besorgten Kollegen: Das ging Kusej denn doch zu weit: \u201eDas sind schon deutliche Eingriffe, die meine Inszenierung entsch\u00e4rfen und sie insgesamt auf ein gut konsumierbares Niveau herunter pegeln\u201c<\/p>\n<p>Na, dann soll er zur\u00fcck kommen ins Bayernland. Da f\u00fcrchtet man sich nicht vor politischen Anspielungen. In der erzkonservativen Provinz zumindest. Der Regie-W\u00fcterich Christian St\u00fcckl hat in seinem Heimatort Oberammergau mit \u201eNabucco\u201c einen Kriegsschauplatz \u2013 wie geschaffen f\u00fcr \u201eHomeland\u201c &#8211; auf die Passionsb\u00fchne gezaubert.<\/p>\n<p>Das ist nun ein wahrlich hei\u00dfes Spektakel unter gewittrigem Ammergauer Himmel. Volle H\u00fctte, fast 5000 begeisterte Zuschauer. Keine Scheu vor gro\u00dfen Bildern, gro\u00dfen T\u00f6nen, gro\u00dfen Gef\u00fchlen.<\/p>\n<p>Da kann man nur sagen: Chapeau, Meister St\u00fcckl!<\/p>\n<figure id=\"attachment_1811\" aria-describedby=\"caption-attachment-1811\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1811 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_3364-300x156.jpg\" alt=\"DSC_3364\" width=\"300\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_3364-300x156.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_3364-600x312.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/DSC_3364.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1811\" class=\"wp-caption-text\">Und auf der Passions-B\u00fchne wogte wild das Leben. Echt klasse! FOTOS: BARBARA VOLKMER<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>m\u00fcnchen, 7. juli 2015 Es ist wieder br\u00fcllhei\u00df gewesen. An diesem Dienstag werden auf dem M\u00fcnchner Marienplatz um zehn Uhr abends 30,5 Grad gemessen. Aber es sind Gewitter im Anzug. Endlich! Das wird die M\u00fcnchner abk\u00fchlen. Und die brauchen das dringend. Vor allem die Freunde der bayerischen Oper. 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