{"id":1697,"date":"2015-06-10T21:34:18","date_gmt":"2015-06-10T21:34:18","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=1697"},"modified":"2015-06-10T21:55:20","modified_gmt":"2015-06-10T21:55:20","slug":"mitten-ausm-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/mitten-ausm-leben\/","title":{"rendered":"MITTEN AUSM LEBEN"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>berlin, 10. juni 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Jetzt James Last! Schwere Krankheit. Keine letzte Tournee mehr. Tod mit 88. Ein paar Tage zuvor Pierre Brice, Lungenentz\u00fcndung, friedlich in den Armen seiner Frau gestorben. Und Paul Sahner, Herzinfarkt mit 70. Das waren drei M\u00e4nner, die das bunte \u00f6ffentliche Leben im Lande bereichert haben. Der Eine war unser &#8220;Winnetou&#8221;, James Last trug die Verantwortung f\u00fcr die Gute-Laune-Party-Musik &#8211; und Paul Sahner hat die Lasts und Brices des Unterhaltungsbetriebs mit seinen Interviews begleitet. Paul Sahner war der, der die Promis &#8220;ge\u00f6ffnet&#8221; hat. Dann outeten sie sich schon mal und vertrauten dem Sahner und dem Volk Dinge an wie: &#8220;Ja, ich habe eine neue Liebe.&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Interviews waren ihr t\u00e4glich&#8217; Brot. Und es hat Gespr\u00e4che gegeben, in denen den Medienprofis schon mal die Wahrheit raus rutschte. Das sind dann Zitate, die sie uns gelassen haben, bevor es in die Ewigkeit gegangen ist. Lassen wir die Herren also gerne noch einmal zu Wort kommen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Paul Sahner: Fangen wir an.<\/p>\n<p class=\"p1\">Piere Brice: Was soll ich sagen?<\/p>\n<p class=\"p1\">James Last: Am liebsten rede ich lieber gar nicht. Meine Sprache ist die Musik.<\/p>\n<p class=\"p1\">Sahner: Nee. So geht das nicht. Ein gutes Gespr\u00e4ch bedeutet f\u00fcr mich, sich auch die Meinung sagen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Last: Ich bin der Meinung, dass in der Musik alles erlaubt ist, woran einer ernsthaft gearbeitet hat.<\/p>\n<p class=\"p1\">Brice: Manchmal willst Du arbeiten, aber alles kommt ganz anders. Ich habe mal als &#8220;Winnetou&#8221; am Marterpfahl gestanden, da hat mir der B\u00f6sewicht dauernd Bier eingefl\u00f6\u00dft. Ich konnte dann nachmittags gar nicht drehen &#8211; bin einfach nicht aufs Pferd gekommen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Last: Eigentlich, wenn ich&#8217;s bedenke: Ich arbeite ja nicht. Ich mache Musik, <span class=\"nowrap\">24<\/span> Stunden am Tag.<\/p>\n<p class=\"p1\">Sahner: Echt? Erz\u00e4hl&#8217; mal.<\/p>\n<p class=\"p1\">Brice: &#8220;Erz\u00e4hl&#8217; mal, erz\u00e4hl&#8217; mal&#8221;, das kennen wir schon! Es gibt Journalisten, die sind wie hetzende Hunde.<\/p>\n<p class=\"p1\">Sahner: Die besten Journalisten sind Stra\u00dfenk\u00f6ter. Weil die unterwegs sind, recherchieren, teilnehmen, bellen, nicht im Elfenbeinturm abh\u00e4ngen. Ich will drau\u00dfen sein. Also, erz\u00e4hl&#8217; mal, James.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1702\" aria-describedby=\"caption-attachment-1702\" style=\"width: 199px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1702 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Barbara-Ellen-Volkmer-00110142-HighRes-199x300.jpg\" alt=\"Barbara-Ellen-Volkmer-00110142-HighRes\" width=\"199\" height=\"300\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1702\" class=\"wp-caption-text\">Kannte das Rezept des guten Tons: James Last<\/figcaption><\/figure>\n<p>Last: Es war immer die Musik. Wir hatten nicht viel Geld, mein Vater war Gas-Ableser bei den Stadtwerken. Also machte er nachts Musik, f\u00fcr f\u00fcnf Mark. Fr\u00fch morgens kam er nach Hause, schlief ein bisschen am K\u00fcchentisch und ging zur Arbeit. Wir hatten nicht viel, aber Musik war Teil unseres\u00a0Lebens<b>.<\/b> Ich erinnere mich, dass wir freitags nichts mehr zu essen hatten. Als kleines Kind holte ich mit meiner Mutter samstags die Lohnt\u00fcte meines Vaters ab. Und dann gingen wir einkaufen: Wurstzipfel, Randst\u00fccke vom Kuchen und andere billige Reste. Zu Hause gab es ein Festessen. Wir hatten nicht viel, aber alles, was wir brauchten. Wir waren eine gl\u00fcckliche Familie. Wegen der Musik. Ach, es ist zum Verzweifeln. Alle reden von Frieden und es herrscht doch nur Krieg. Die Welt w\u00e4re besser, wenn die Menschen mehr Musik\u00a0h\u00f6rten.<\/p>\n<p class=\"p1\">Brice: Da hast Du recht. Bei manchen ist es die Musik, andere bauen M\u00f6bel, ich war mit ganzem Herzen Schauspieler. Ich hatte mal das Angebot, einen Film \u00fcber den Beginn des Indochinakriegs zu machen. Ich fragte meinen Kumpel Lex Barker, ob er bereit w\u00e4re, eine Rolle als amerikanischer Journalist zu spielen. Er war sofort einverstanden. Leider starb kurz darauf der japanische Co-Produzent. Und dann auch noch Lex. Damit war das Projekt auch tot.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1704\" aria-describedby=\"caption-attachment-1704\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1704 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/IMG_5484-300x213.jpg\" alt=\"IMG_5484\" width=\"300\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/IMG_5484-300x213.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/IMG_5484-600x427.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/IMG_5484.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1704\" class=\"wp-caption-text\">Kannte alle und jeden: Paul Sahner<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"p1\">Sahner: Musiker, Schreiner, Schauspieler&#8230; Oder Du wirst Journalist. Leiden w\u00fcrde ich, wenn ich vor dem Schreiben nicht mehr recherchieren d\u00fcrfte. Ich bedauere Kollegen, die nur noch schreiben.<\/p>\n<p class=\"p1\">Last: Warum?<\/p>\n<p class=\"p1\">Sahner:\u00a0 Meine Eitelkeit ist meine Triebfeder. Sie ist die Triebfeder jedes guten Journalisten. Am eitelsten sind jene, die behaupten, nicht eitel zu sein.<\/p>\n<p>Last: Ja klar, die Eitelkeit. Es ist doch unglaublich, welchen Erfolg ich hatte, und dass sich das Publikum in aller Welt f\u00fcr meine Musik begeisterte. Da muss doch einer die Hand dr\u00fcber haben. Den nenne ich jetzt einfach mal Gott. Der freut sich wohl dar\u00fcber, dass wir den Leuten so viel Spa\u00df bringen. Auf der ganzen Welt, die sind uns \u00fcberall hin nachgereist, nach China, nach Russland. Wenn ich aus dem Tourbus steige, stehen sie schon da. Ich sage dem T\u00fcrsteher: they are all my friends, dann d\u00fcrfen sie zum Soundcheck mit rein. Die Engl\u00e4nder waren nur die ersten, die richtig einen losgemacht haben, das deutsche Publikum schaute sich das damals aber schnell ab.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1703\" aria-describedby=\"caption-attachment-1703\" style=\"width: 196px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1703 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Barbara-Ellen-Volkmer-00076714-HighRes-196x300.jpg\" alt=\"Barbara-Ellen-Volkmer-00076714-HighRes\" width=\"196\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Barbara-Ellen-Volkmer-00076714-HighRes-196x300.jpg 196w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Barbara-Ellen-Volkmer-00076714-HighRes-600x919.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Barbara-Ellen-Volkmer-00076714-HighRes.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1703\" class=\"wp-caption-text\">Kannte nie einen Schmerz: Pierre Brice FOTO: BARBARA VOLKMER<\/figcaption><\/figure>\n<p>Brice: Ja, das habe ich gemocht, wenn mich die Leute erkannt haben. Ich habe mich nachts oft an diese furchtbaren Momente erinnert, wo ich im Indochina-Krieg mein Leben riskiert und in einem Fall sogar wirklich geglaubt habe: &#8220;In ein paar Minuten werde ich sterben.&#8221; Das Schicksal wollte, dass ich die M\u00f6glichkeit habe, l\u00e4nger zu leben. Vielleicht hat es auch eine spezielle Bedeutung, dass ich als Winnetou sp\u00e4ter Pazifismus und N\u00e4chstenliebe propagieren konnte.<\/p>\n<p>Sahner: Das mit dem Tod habe ich nicht an mich ran kommen lassen. Ich war gerade dran, ein tolles Buch zu schreiben. Ich habe aber oft die Interviewpartner gefragt, ob sie Angst vorm Sterben haben.<\/p>\n<p>Last: Das fragen&#8217;se immer. Dann sag&#8217; ich: N\u00f6. Tod geh\u00f6rt zum Leben dazu. Wenn&#8217;s zu Ende ist, ist\u00a0Ende.<\/p>\n<p>Sahner: Und, Pierre: Angst?<\/p>\n<p>Brice: Ach was! Verdr\u00e4ngung hei\u00dft in diesem Fall das Erfolgsrezept.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>berlin, 10. juni 2015 Jetzt James Last! 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