{"id":1577,"date":"2015-05-26T21:37:56","date_gmt":"2015-05-26T21:37:56","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=1577"},"modified":"2015-05-26T21:48:11","modified_gmt":"2015-05-26T21:48:11","slug":"sprung-ins-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/sprung-ins-leben\/","title":{"rendered":"SPRUNG INS LEBEN"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>lindow, 26. mai 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Noch scheint die Sonne \u00fcber Brandenburg. Leichter Wind kr\u00e4uselt den Teich. Der Hund d\u00f6st, an der gro\u00dfen Tanne fliegt ein Meisenpaar im Akkord durch das Loch des Vogelh\u00e4uschens rein und raus. Rein mit Futter im Schnabel. Raus, weil die Brut tschilpend Nachschub verlangt. Toll! Das haben die l\u00fcsternen Meisen von ihrer Triebhaftigkeit. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Kids! Nichts als Arbeit! Die Kollegin Ente von nebenan kann ein Lied davon schnattern.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1586\" aria-describedby=\"caption-attachment-1586\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1586 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010455-300x205.jpg\" alt=\"P1010455\" width=\"300\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010455-300x205.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010455-600x411.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010455.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1586\" class=\"wp-caption-text\">Leute! Wenn der Feind kommt, nix wie ab ins Schilf! FOTOS: BARBARA VOLKMER<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mitten im Teich ist auf einem langen Rohr ein ger\u00e4umiges Vogelhaus einen Meter hoch \u00fcber dem Wasser verschraubt. Drin plustert sich die Ente auf, die seit einem Monat auf gesprenkelten Eiern ihren Dienst tut. Ihr Lover hat sie allein gelassen, als er gemerkt hat, was die Beiden angerichtet haben. Da hatte die Alte zwei Handvoll Eier unter sich gelassen und wollte von ihm nichts mehr wissen.<\/p>\n<p>Auch gut. Er hat sich aus dem Staub gemacht und mit anderen Liebhabern zusammen getan. Mausergruppe nennt sich solch ein Herrenausflug. In der Mauser verliert der Sch\u00f6nling sein farbenpr\u00e4chtiges Brutkleid und tr\u00e4gt bis zur erneuten Balz im Herbst ein unauff\u00e4lliges Federkleid. Zum Sommerende wird er sich wieder sauber aufbrezeln und nachsehen, wo die Alte abgeblieben ist. Nach der Trennung finden sich die Paare im Herbst wieder &#8211; Enten leben in Einehen, bleiben also meist ein Leben lang zusammen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1585\" aria-describedby=\"caption-attachment-1585\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1585 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010435-300x225.jpg\" alt=\"P1010435\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010435-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010435-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010435.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1585\" class=\"wp-caption-text\">Alle mir nach!<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zur\u00fcck ins Vogelhaus, es ist der 26. Mai 2015. Bewegung kommt ins Stilleben. Die Ente ruckelt mit dem B\u00fcrzel, wackelt mit dem Schnabel, ist schrecklich nerv\u00f6s. Schlie\u00dflich streckt sie die Beine, steht auf, tritt an die Luke und blickt hinunter auf den Teich<\/p>\n<p>Hinter ihr wurlt und wimmelt es. Braune Tischtennisb\u00e4lle kullern durchs Innere des Vogelhauses, formieren sich hinter der Mama und gucken, was abgeht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1584\" aria-describedby=\"caption-attachment-1584\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1584 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010441-300x183.jpg\" alt=\"P1010441\" width=\"300\" height=\"183\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010441-300x183.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010441-600x366.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010441.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1584\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fchrt Euch!<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mama sieht sich noch einmal um, schnattert was Wichtiges, was aus zwei Silben besteht und wie &#8220;gn\u00e4gn\u00e4&#8221; klingt.<\/p>\n<p>Dann l\u00e4sst sie sich fallen. Klatscht einen Meter tiefer auf, stabilisiert sich, blickt nach oben.<\/p>\n<p>&#8220;Gn\u00e4gn\u00e4gn\u00e4.&#8221;<\/p>\n<p>Wie bitte?<\/p>\n<p>&#8220;Gn\u00e4gn\u00e4gn\u00e4!&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_1583\" aria-describedby=\"caption-attachment-1583\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1583 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010440-300x210.jpg\" alt=\"P1010440\" width=\"300\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010440-300x210.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010440-600x421.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010440.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1583\" class=\"wp-caption-text\">Still gepaddelt!<\/figcaption><\/figure>\n<p>Achso. Da lassen sie sich ins schier Bodenlose fallen. Die ersten F\u00fcnf sind furchtlose Springer, zwei folgen nach kurzem Z\u00f6gern, zwei bleiben zitternd oben an der Luke und trauen sich nicht.<\/p>\n<p>Trauen sich nicht.<\/p>\n<p>Nein. Und nochmal nein!<\/p>\n<p>Ein Gn\u00e4gn\u00e4gn\u00e4 zum Letzten &#8211; und unten setzt sich die Erzeugerin in Bewegung.<\/p>\n<p>Okay, dann muss es eben sein. Die letzten Zwei h\u00fcpfen. Fallen in die Tiefe, treffen aufs Wasser, strampeln verzweifelt, gucken sich um. Da hinten ist sie, die Mama, nichts wie hinterher, nichts wie an ihren Hintern und neben ihren Kopf. Und ja nicht mehr weg von ihr.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1582\" aria-describedby=\"caption-attachment-1582\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1582 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010436-300x208.jpg\" alt=\"P1010436\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010436-300x208.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010436-600x416.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010436.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1582\" class=\"wp-caption-text\">Mir nach, so ist es recht.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Jetzt sind sie also da. Mitten im Leben. Oder, wie das Biologen eher n\u00fcchtern beschreiben:<\/p>\n<p>&#8220;Die geschl\u00fcpften Entenk\u00fcken sind hoch entwickelte Nestfl\u00fcchter. Ausgestattet mit einem dichten und weichen Daunenkleid, auch Dunenkleid genannt, k\u00f6nnen sie so bereits direkt nach dem Schl\u00fcpfen vor Fressfeinden ins Wasser fl\u00fcchten. Nahrung suchen sich die Entenk\u00fcken ebenfalls von Anfang an selbst. Sie werden von der Mutter also lediglich eine gewisse Zeit besch\u00fctzt und nachts gew\u00e4rmt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1581\" aria-describedby=\"caption-attachment-1581\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1581 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010432-300x225.jpg\" alt=\"P1010432\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010432-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010432-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1010432.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1581\" class=\"wp-caption-text\">Mal nachz\u00e4hlen: Es sind immer noch&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Jedoch hat die Entenmutter keinen genauen \u00dcberblick \u00fcber die Anzahl ihres Nachwuchses; solange ihr drei bis vier K\u00fcken folgen, ist sie zufrieden, jedoch w\u00fcrde sie fehlende K\u00fcken nicht unbedingt vermissen. Bereits nach 14 Tagen beginnen neue Federn zu wachsen und schon in der f\u00fcnften Lebenswoche ist das Dunenkleid fast vollst\u00e4ndig durch das Jugendgefieder ersetzt.<\/p>\n<p>Mit etwa acht Wochen, und nach wenigen Tagen unbeholfener Flugversuche, sind die Jungen voll flugf\u00e4hig und die Beziehung zwischen der Ente und den Jungv\u00f6geln lockert sich.&#8221;<\/p>\n<p>Noch ein paar Wochen also werden sie ein wenig von der Mutter umsorgt. Sie werden sich an ihrem R\u00fccken reiben und sich so mit ihrem B\u00fcrzelfett gegen die K\u00e4lte und die Feuchtigkeit sch\u00fctzen. Sie werden lernen, dass die Welt voller Feinde ist und wie wichtig schnelles Fliehen f\u00fcrs Weiter-Leben ist.<\/p>\n<p>Und irgendwann sind sie gro\u00df und bunt &#8211; dann haben sie es gut getroffen und sind faule treue Mannsbilkder. Oder sie bleiben braun &#8211; dann werden sie auch mal Mama und m\u00fcssen kleinen Tennisb\u00e4llen das H\u00fcpfen und das Fliehen beibringen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1580\" aria-describedby=\"caption-attachment-1580\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1580 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_5129-300x176.jpg\" alt=\"IMG_5129\" width=\"300\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_5129-300x176.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_5129-600x351.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_5129.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1580\" class=\"wp-caption-text\">Alle Neune!<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie auch immer:<\/p>\n<p>Jetzt sind sie klitzeklein und s\u00fc\u00df und in Gefahr. Da kann man nur Gl\u00fcckauf w\u00fcnschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>lindow, 26. mai 2015 Noch scheint die Sonne \u00fcber Brandenburg. Leichter Wind kr\u00e4uselt den Teich. Der Hund d\u00f6st, an der gro\u00dfen Tanne fliegt ein Meisenpaar im Akkord durch das Loch des Vogelh\u00e4uschens rein und raus. Rein mit Futter im Schnabel. Raus, weil die Brut tschilpend Nachschub verlangt. Toll! 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