{"id":1501,"date":"2015-05-15T20:20:37","date_gmt":"2015-05-15T20:20:37","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=1501"},"modified":"2015-05-18T11:41:32","modified_gmt":"2015-05-18T11:41:32","slug":"das-kreativ-monster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/das-kreativ-monster\/","title":{"rendered":"ENDLOS KREATIV"},"content":{"rendered":"<p><em><strong><span class=\"Apple-style-span\">berlin, 15. mai 2015<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong><span class=\"Apple-style-span\">Hymnisch klingt, was da bei critic.de zu lesen ist. &#8220;<\/span>Man glaubt es kaum, aber ,<em>Flucht nach Berlin&#8217;\u00a0<\/em>war erst der dritte Film aus der BRD, der sich mit der Teilung Deutschlands besch\u00e4ftigte. Ein finanzieller Erfolg wurde er dennoch nicht. Daf\u00fcr aber ein fr\u00fches Meisterwerk des jungen deutschen Films, noch bevor die Unterzeichner des Oberhausener Manifests ihre Kugelschreiber z\u00fccken konnten. Das DVD-Label Darling Berlin hat Trempers Deb\u00fct nun neu herausgebracht \u2013 als liebevoll gestaltete Edition, die sich ihrer filmhistorischen Bedeutung bewusst ist.&#8221;<\/strong><\/p>\n<div>Weiter schreibt Michael Kienzl &#8211; und der Mann hat Wort f\u00fcr Wort Recht -, mit Trempers Film<span class=\"Apple-style-span\">\u00a0von 1961 &#8220;pr\u00e4sentiert sich das deutsche Kino von einer viel zu selten gezeigten Seite, bei der sich\u00a0das Popul\u00e4re und das Unbequeme\u00a0nicht ausschlie\u00dfen m\u00fcssen.&#8221;\u00a0<\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_1497\" aria-describedby=\"caption-attachment-1497\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1497 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Aufmacher-00219043-HighRes-300x199.jpg\" alt=\"Aufmacher-00219043-HighRes\" width=\"300\" height=\"199\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1497\" class=\"wp-caption-text\">Tremper h\u00e4lt Hof. Tischgenossen sind unter anderem Hildegard Knef und ihr Mann Paul von Schell und ein gut frisierter Rex Gildo. Foto: privat<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Was f\u00fcr ein Kerl, dieser Will Tremper! Gefilmt hat er, B\u00fccher und Zeitungen mit klugen W\u00f6rtern und couragierten Ketzereien gef\u00fcllt, er hat gelebt, geliebt, die Kerze von zwei Seiten angez\u00fcndet. Honorare hat erschrieben wie kaum ein Anderer aus der Journalistenzunft. Aber wie sagte er zu seiner Frau Celia, wenn mal Ebbe in der Kasse war:<\/div>\n<div><\/div>\n<div>&#8220;Puzelchen, mach&#8217; Dir keine Sorgen. Ist doch nur bedrucktes Papier!&#8221;<\/div>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Der Mann ist lachend in jeden Ring geklettert.\u00a0Eva Renzi, die er vor mehr als 30 Jahren mit seinem Film &#8220;Playgirl&#8221; zum Star gemacht hatte, setzte gegen den Buchautor Tremper eine einstweilige Verf\u00fcgung durch. Zwei Passagen mussten geschw\u00e4rzt werden. Na und? Tremper grinste sich eins &#8211; dieses Anecken geh\u00f6rte f\u00fcr ihn zum Spiel. Nach seinen Serien &#8220;Erfahrungen in einer verrotteten Industrie&#8221; (gemeint war die deutsche Filmindustrie), 1966 in der &#8220;Zeit&#8221; erschienen, und &#8220;Deutschland, Deine Sternchen&#8221;, die es 1959\/60 im &#8220;Stern&#8221; auf 56 Folgen (und 72 gewonnene Prozesse) war der nette Herr Tremper ein mit allen Wassern gel\u00e4uterter Gerichts-Held.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Die\u00a0&#8220;Sternchen&#8221;-Serie. Dazu zeitweise parallel zwei weitere w\u00f6chentliche Serien im &#8220;Stern&#8221;, f\u00fcr den er seit 1957 fest t\u00e4tig war. Polizeireporter beim &#8220;Tagesspiegel&#8221;, Reporter und Serienautor f\u00fcr die &#8220;B.Z.&#8221;, Mit-Erfinder und Textchef der neuen Frauenzeitschrift &#8220;Jasmin&#8221;, Filmkritiker f\u00fcr die &#8220;Welt am Sonntag&#8221;&#8230;<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Und nie ging dem Marathon-Kreativen des Wirtschaftswunder-Journalismus die Puste aus.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1495\" aria-describedby=\"caption-attachment-1495\" style=\"width: 228px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1495 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Barbara-Ellen-Volkmer-00226638-HighRes-228x300.jpg\" alt=\"Barbara-Ellen-Volkmer-00226638-HighRes\" width=\"228\" height=\"300\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1495\" class=\"wp-caption-text\">Mit allen auf Du und Du &#8211; hier mit Johanna K\u00f6nig, in Sauberland-Germanien auch bekannt als die &#8220;Klementine&#8221; aus der Waschmittel-Werbung. FOTO: BARBARA VOLKMER<\/figcaption><\/figure>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Als Filmemacher\u00a0fand Tremper seine Stoffe hinter den\u00a0Schlagzeilen der Boulevardpresse, es ging\u00a0um junge Wilde (&#8220;Die Halbstarken&#8221;, 1956), die Aff\u00e4re um eine erfundene Zeitungsgeschichte (&#8220;Nasser Asphalt&#8221;, 1958), einen DDR-Fl\u00fcchtling, der sich auf einen US-Milit\u00e4rzug fl\u00fcchtet und damit diplomatische Verwicklungen ausl\u00f6st (&#8220;Versp\u00e4tung in Marienborn&#8221;, 1963) oder eben die Zwangskollektivierung in der DDR (&#8220;Flucht nach Berlin&#8221;, 1960).\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Und nie konnte man den hyperaktiven Erz\u00e4hler einnorden, der Mann lie\u00df sich nicht b\u00e4ndigen.<\/p>\n<p>1966 schrieb der &#8220;Spiegel&#8221; \u00fcber den Einzelk\u00e4mpfer und das Multitalent Will Tremper:<\/p>\n<p>&#8220;Der ,Boulevard-Orson-Welles&#8217; (so Kritiker Klaus Hebecker) filmte \u00fcberwiegend ,aus der hohlen Hand&#8217; und verpf\u00e4ndete gelegentlich ,auch das letzte Hemd&#8217; (Tremper). Die folgenden Filme, ,Die endlose Nacht&#8217; und ,Playgirl&#8217;, fabrizierte Tremper dann als sein eigener Produzent.<\/p>\n<p>Weil kein deutscher Verleiher das ,Playgirl&#8217; wollte, wurde Tremper schlie\u00dflich auch Verleiher &#8211; er vermietete seinen Film selbst an die Kinos.<\/p>\n<p>,Das ist genau der Boulevard-Film, den ich am Kudamm brauche&#8217;, urteilte Berlins Kinokaiser Max Knapp \u00fcber Trempers ,Playgirl&#8217;. Allein in Knapps ,Gloria-Palast&#8217; erzielte der Film einen Billett-Umsatz von 150 000 Mark.&#8221;<\/p>\n<p>Jetzt gibt es also die &#8220;Flucht nach Berlin&#8221; auf DVD. Das ist eine sch\u00f6ne Nachricht. Da lohnt das Hingucken. Morgen mehr im &#8220;Journal&#8221;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>berlin, 15. mai 2015 Hymnisch klingt, was da bei critic.de zu lesen ist. &#8220;Man glaubt es kaum, aber ,Flucht nach Berlin&#8217;\u00a0war erst der dritte Film aus der BRD, der sich mit der Teilung Deutschlands besch\u00e4ftigte. Ein finanzieller Erfolg wurde er dennoch nicht. 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